Therapieresistente Depression: Nasenspray wirkt

Wenn bei einer schweren Depression nichts mehr hilft, dann hilft ein Nasenspray. Das hat eine polnische Arbeitsgruppe anhand einer Studie herausgefunden.
Eine Person sitzt mit gesenktem Kopf und verschränkten Händen nachdenklich vor einem Computer am Schreibtisch.

Menschen mit einer schweren Depression, die auf herkömmliche Medikamente nicht ansprechen, haben oft einen langen Leidensweg hinter sich. Die neue Daten, die auf dem Europäischen Kongress für Psychiatrie (EPA 2026) in Prag vorgestellt wurden, seien bemerkenswert, berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Ein spezielles Nasenspray mit dem Wirkstoff Esketamin konnte auch unter sogenannten „Real-World“-Bedingungen, also im ganz normalen Praxisalltag, deutliche Verbesserungen erzielen.

Eine therapieresistente Depression liegt vor, wenn Patientinnen und Patienten mindestens zwei verschiedene Antidepressiva in ausreichender Dosierung und über genügend lange Zeit eingenommen haben, ohne dass die Symptome spürbar besser wurden. In solchen Fällen sind die Behandlungsmöglichkeiten bislang begrenzt.

Ketamin als Perspektive

Esketamin ist verwandt mit dem Narkosemittel Ketamin und wirkt auf einen besonderen Schaltmechanismus im Gehirn: Es blockiert den NMDA-Rezeptor, was kurzfristig die Ausschüttung des Botenstoffs Glutamat erhöht – und so offenbar stimmungsaufhellende Effekte auslöst. Seit 2019 ist Esketamin als Nasenspray in Kombination mit klassischen Antidepressiva (SSRI oder SNRI) für Erwachsene zugelassen, deren Depression auf andere Therapien nicht angesprochen hat.

In der nun vorgestellten Analyse wurden 23 Betroffene mit therapieresistenter Depression über acht Wochen begleitet, aufgeteilt  zwischen14 Frauen und 8 Männer. Das Durchschnittsalter lag bei knapp 42 Jahren. Die Schwere der Erkrankung wurde mit der sogenannten Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS) gemessen. Das ist ein standardisierter Fragebogen, der insgesamt 10 Punkte bewertet, unter anderem sichtbare Symptome wie Traurigkeit, Antrieb, reduzierter Schlaf, Appetit oder Konzentration. Nach einem Muster festgelegt, galt ein Gesamtscore von 13-21 als leichte Depressionssymptomatik, 22-28 als mäßige und 29-60 als schwere Symptomatik.

Klinisch bedeutsam

Zu Beginn der Studie lag der Durchschnittswert der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei 38 Punkten, was einer schweren Symptomatik entspricht.

Das Ergebnis: Nach nur vier Wochen hatten fast drei Viertel der Teilnehmenden (73,9Prozent) ihre Symptome um mindestens die Hälfte reduziert, knapp 18 Prozent erreichten sogar eine vollständige Remission. Nach acht Wochen stieg die Remissionsrate auf 47Prozent. Remission bedeutet, dass eine Symptomatik praktisch vollständig abgeklungen ist, aber nicht zwangsläufig, dass die Depression für immer verschwunden ist. Wohl aber, dass die Person aktuell keine Krankheitszeichen mehr zeigt und wieder normal am Alltag teilnehmen kann.

„Esketamin-Nasenspray zeigte unter realen Bedingungen bei polnischen Patienteninnen und Patienten mit behandlungsresistenter Depression eine klinisch bedeutsame Wirksamkeit“, fasst die Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse zusammen.

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