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Darmkrebs: Risiko bei Übergewicht um ein Drittel erhöht

Bei Übergewicht oder Adipositas im jungen Alter ist das Risiko für späteren Darmkrebs sogar mehr als doppelt so hoch.
Eine mehrgewichtige Person auf einer Waage.

„Übergewicht ist einer der konstantesten Risikofaktoren für Darmkrebs: In fast allen Studien zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko“, sagte Wolff Schmiegel, Leiter der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus an der Ruhr-Universität Bochum und verweist auf eine aktuelle Übersichtsarbeit im Wissenschaftsmagazin PLOS One.

Wissenschaftler aus Shanghai werteten darin aus 54 Studien mit rund neun Millionen Teilnehmenden den Einfluss des Körpergewichts auf das Darmkrebsrisiko aus. Demnach haben Übergewichtige im Vergleich zu Personen mit Normalgewicht ein um rund ein Drittel erhöhtes Darmkrebsrisiko. Konzentriert sich das überschüssige Fett hauptsächlich in der Bauchregion, liegt das Erkrankungsrisiko sogar etwa um die Hälfte über dem schlanker Probandinnen und Probanden.

Junge erkranken doppelt so häufig an Darmkrebs

Eine schwedische Studie veröffentlicht im Fachmagazin Gut zeigt noch deutlichere Zusammenhänge: Rekruten, die bei der Musterung übergewichtig oder fettleibig waren, erkrankten später mehr als doppelt so häufig an Darmkrebs wie schlanke Wehrpflichtige. Das schwedische Militär hatte in den Jahren 1969 bis 1976 bei 239.658 jungen Männern Körpergröße, -gewicht und Blutsenkungsgeschwindigkeit bestimmt. Letzteres ist ein Laborwert, der misst, wie schnell sich rote Blutkörperchen in einem Röhrchen absetzen – erhöhte Werte deuten auf Entzündungsprozesse im Körper hin.

In den folgenden 35 Jahren erkrankten 501 Männer an einem Kolon- und 384 an einem Rektumkarzinom.

Elizabeth Kantor von der Harvard School of Public Health in Boston und Kollegen setzten die Krebsdiagnosen mit dem Body-Mass-Index (BMI) und der Blutsenkungsgeschwindigkeit während der Musterung in Verbindung. Die Rekruten, die mit einem BMI von 27,5 bis 30 bei der Musterung übergewichtig waren, erkrankten später 2,08-fach häufiger an einem Kolorektalkarzinom als normalgewichtige Wehrpflichtige. Für die adipösen Rekruten war das Risiko 2,38-fach erhöht. Die Jugendlichen mit einer Blutsenkungsgeschwindigkeit von 15 mm/h oder höher hatten ein um 63 Prozent erhöhtes Darmkrebsrisiko.

Ernährungsgewohnheiten als mögliche Ursache

Trotz der signifikanten Ergebnisse kann eine Kohortenstudie keine Kausalität herstellen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Übergewicht und Adipositas an sich für das erhöhte Risiko verantwortlich sind. Die Gewichtsprobleme dürften eher auf Ernährungsgewohnheiten hinweisen, die mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören ein vermehrter Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren. Die Assoziation zur erhöhten Blutsenkungsgeschwindigkeit, einem Marker für Entzündungsvorgänge im Körper, passt zu der darmkrebspräventiven Wirkung, die durch den Entzündungshemmer ASS in klinischen Studien erzielt wurde.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in Obesity Reviews. Ein Team um Sabrina Schlesinger von der Universität Kiel hat die Daten von 12 Beobachtungsstudien ausgewertet. Eine starke Gewichtszunahme im jungen Erwachsenenalter war mit erhöhtem Darmkrebsrisiko verbunden. Pro 5 Kilogramm, die die Teilnehmer über die Jahre (im Mittel 12,2 Jahre) zulegten, erhöhte sich das Darmkrebsrisiko um 4 Prozent. Um das Darmkrebsrisiko zu minimieren, sei es wichtig, nicht nur mit zunehmendem Alter auf ein normales Körpergewicht und vor allem einen normalen Körperfettanteil zu achten, sondern bereits schon in jungen Jahren damit zu beginnen, rät Mitautorin Krasimira Aleksandrova vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam.

Übergewicht lässt sich beeinflussen

„Übergewicht zählt – etwa im Gegensatz zu einer familiären Veranlagung – zu den beeinflussbaren Risikofaktoren“, sagte DGVS-Pressesprecher Peter Galle, Direktor der Ersten Medizinischen Klinik und Poliklinik an der Universität Mainz. Da sehr viele Menschen übergewichtig seien, würde durch diese Art der Prävention ein großer Personenkreis erreicht. Jeder habe es also zumindest bedingt in der Hand, etwas für sich zu tun, so Galle.

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