Bluttest statt Stuhlprobe? Neuer Test erkennt Darmkrebsrisiko

Der Test erkennt Tumor-DNA im Blut und zeigt so das Krebsrisiko an. Wo er gemacht werden kann und was er kostet.
Ein Blutröhrchen wird von einer Hand gehalten.

Vor kurzem sorgte der Tod von US-Schauspieler James Van Der Beek für große Anteilnahme: Mit nur 48 Jahren starb der "Dawson’s Creek"-Darsteller an Darmkrebs (der KURIER berichtete)

Der sechsfache Familienvater hatte seine Diagnose öffentlich gemacht und regelmäßig zur Vorsorge aufgerufen. Diese wird allerdings nicht gut angenommen. Nur 18 Prozent der Menschen ab 45 Jahren nutzen in Österreich das Angebot zur kostenlosen Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung. Darunter fällt entweder eine Darmspiegelung (Koloskopie) alle zehn Jahre oder der FIT (Fäkaler Immunologischer Test), ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl, alle zwei Jahre. 

Während bei der Koloskopie Polypen, das sind jene Veränderungen der Darmschleimhaut, die zu Darmkrebs entarten können, erkannt und gleich entfernt werden können, dient der FIT als Screening-Tool, das Hinweise auf Darmkrebs geben kann. Blut im Stuhl heißt aber nicht automatisch Krebs – dies wird anschließend mit einer Koloskopie abgeklärt. 

Bluttest analysiert DNA-Hinweise auf Darmkrebs

Zusätzlich zu diesen beiden Vorsorgemethoden gibt es eine weitere, dritte Möglichkeit, die bisher weniger bekannt ist: Über einen Bluttest können DNA-Fragmente Hinweise auf das Darmkrebs-Risiko geben. 

Mit dem sogenannten ColonAiQ-Test werden DNA-Fragmente im Blut analysiert. Er erkennt biochemische Veränderungen an den Genen, genannt Methylierungen. Das sind natürliche Prozesse, bei denen Gene ein- oder ausgeschaltet werden. Bei einer Krebserkrankung kommt es jedoch zu abnormen Mustern, die auf ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Krebszellen hindeuten. 

"Fällt der Test positiv aus, besteht ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs und eine Koloskopie wird zur Abklärung empfohlen. Der Test ist in frühen Darmkrebsstadien doppelt so sensitiv wie herkömmliche, nicht-invasive Stuhltests", sagte Günther Malek, Allgemeinmediziner und Gründer des Wiener Gesundheitsunternehmens Trignostics bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. 

Seit 2025 ist es möglich, den Bluttest in Österreich, zum Beispiel beim Hausarzt, zu machen. Dazu muss man nicht nüchtern sein. Es werden neun Milliliter Blut abgenommen, das entspricht in etwa einer herkömmlichen Blutabnahme. Der Test ist allerdings privat zu bezahlen, die Kosten belaufen sich auf 280 Euro. 

Die meisten privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten dafür. Malek empfiehlt den Bluttest alle zwei Jahre zur Vorsorge zu machen. Insbesondere Risikogruppen, die einen erstgradigen Verwandten mit Darmkrebs haben, oder bestimmte chronische Erkrankungen, die das Risiko für Darmkrebs erhöhen, wird zur frühen Vorsorge vor dem 45. Lebensjahr geraten. 

"90 Prozent sind heilbar"

Ziel ist es, Darmkrebs und dessen Vorstufen möglichst früh zu erkennen und damit gut behandelbar zu machen. Denn, so Malek, "90 Prozent der Menschen mit Darmkrebs können geheilt werden, wenn der Krebs frühzeitig bei ihnen erkannt wird". 

Angst vor der Koloskopie brauche man keine zu haben, meinte Ludwig Kramer, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie. Die von vielen gescheute Untersuchung habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, die Patientinnen und Patienten schlafen währenddessen und die Vorbereitung darauf ist nicht mehr so beschwerlich wie vor ein paar Jahren. "Die Darmentleerung erfolgt sanfter, es muss beispielsweise nicht mehr so viel Flüssigkeit getrunken werden wie früher. Durch konsequente Vorsorge, die rechtzeitige Entfernung von Vorstufen und die Umsetzung aktueller ernährungsmedizinischer Erkenntnisse ließe sich die Häufigkeit von Dickdarmkrebs deutlich senken", betonte Kramer. 

Als zentrale Risikofaktoren gelten hochverarbeitete Lebensmittel, die durch industrielle Verarbeitung, Stabilisatoren und Emulgatoren natürliche Schutzmechanismen des Darms beeinträchtigen. In Kombination mit einem Mangel an löslichen Ballaststoffen, stark zuckerhaltigen Getränken, bestimmten Fetten und erhöhtem Alkoholkonsum entstehen chronische Entzündungsprozesse, die die Krebsentstehung fördern. 

Insbesondere bei jungen Menschen habe Darmkrebs in den vergangenen zwei Jahrzehnten zugenommen, auch aufgrund verbesserter Diagnosemethoden. Darmkrebs ist je nach Geschlecht die zweit- bis dritthäufigste Krebserkrankung in Österreich, in den USA ist es die häufigste. 2.073 Menschen verstarben 2024 hierzulande daran, 4.769 erkrankten 2024 neu. 95 Prozent der Darmkrebserkrankungen entstehen durch die langsame Entartung gutartiger Darmpolypen. 

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