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Wissen Gesundheit
03/27/2020

Coronavirus: Chronisch Kranke bangen um Medikament Chloroquin

Das Präparat war in Österreich vorübergehend nicht erhältlich. Die Bestellmöglichkeit sollte aber wieder funktionieren, heißt es beim Hersteller.

Rund 2.000 Menschen in Österreich mit der Autoimmunerkrankung „Lupus“  (Systemic Lupus Erythematosus, SLE) nehmen täglich Hydroxychloroquin ein: „Es reduziert das Risiko von Krankheitsschüben“, sagt Rheumatologe Kurt Redlich, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie. Dieser Tage wurde eine Studie publiziert, wonach der Wirkstoff die Coronavirus-Menge im Rachen rascher absinken lässt – ob das den Krankheitsverlauf lindert, ist aber offen. US-Präsident Donald Trump äußerte sich überschwänglich optimistisch, obwohl viele Experten die bisherigen Daten als nicht aussagekräftg genug bezeichnen und weitere Studien abwarten wolle. Trotzdem führte Trumps Euphorie international zu verstärkter Nachfrage durch Patienten und Gesundheitseinrichtungen: „Seither ist das Präparat für jene Menschen, die es wirklich brauchen, nicht mehr lieferbar. Patienten und Ärzte sind verzweifelt“, sagt Redlich: "Es gab bei den Vertretern der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie unzählige Anrufe."

 Auch für andere Medikamente, die immer wieder vorschnell als mögliche Coronavirus-Therapie genannt werden, werden Engpässe befürchtet.

Zunächst gab es das Gerücht, Deutschland habe ein Exportverbot verhängt (der Wirkstoff ist in Österreich nicht zugelassen und muss importiert werden). „Ich habe mich vergewissert, dass dem nicht so ist“, sagt Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin der AGES-Medizinmarktaufsicht. „Deutschland erlaubt weiterhin den Export nach Österreich. Wir tun alles, damit die Patienten, die das Präparat wirklich brauchen, dieses auch erhalten. Die Firma hat uns zugesichert, dass das Produkt wieder verfügbar ist.“ Und auch Wirthumer-Hoche betont, dass eine Wirkung von Hydroxychloroquin gegen Covid-19 noch nicht gesichert ist.

Möglich ist auch, dass manche Spitäler größere Mengen aufkaufen wollten – bestätigt ist das aber nicht.

Wirthumer-Hoche: "Ganz generell unterstützen wir Spitäler dabei, dass sie in dem Ausmaß versorgt werden, in dem es für sie notwendig ist. Und wir unterstützen sie, dass sie eine realistische Einschätzung ihres Bedarfs machen können."

Bettina Resl vom Hersteller Sanofi erklärt, das Problem sei durch eine Umstellung des Bestellprozesses für Apotheken entstanden: „Damit wollten wir sicherstellen, dass alle chronisch Kranken weiterhin das Präparat erhalten. Das war eine  reine Vorsichtsmaßnahme. Das Medikament ist jetzt verfügbar und es sollte jetzt keine Probleme mehr geben.“

Redlich betont, dass es nicht darum gehe, eine Patientengruppe (jene chronisch Kranken, die bisher Hydroxychloroquin erhalten haben) gegen eine andere (jene, denen das Präparat vielleicht gegen Covid-19 hilft) auszuspielen: "Aber bei den Lupus-Patienten handelt es sich um eine kleine Gruppe, die nachweislich von dieser Therapie profitiert. Auf sie darf man nicht vergessen."