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Wissen Gesundheit
04/08/2021

Corona-Impfstoffe: Welche Nebenwirkungen am häufigsten gemeldet werden

Neuer Bericht: Bisher rund 18.000 Berichte von vermuteten Nebenwirkungen nach einer Covid-19-Impfung. Sechs "Impfdurchbrüche" wurden gemeldet.

Etwas mehr als 18.000 Meldungen von vermuteten Nebenwirkungen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung hat das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) zwischen dem 27.12.2020 und dem 2.4.2021 erhalten, heißt es im jüngsten Bericht des BASG.

Der Großteil betrifft die vorübergehenden, zu erwartenden Impfreaktionen (z.B. Kopfweh, Fieber, Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle), es wurden aber auch schwerere Nebenwirkungen gemeldet - und einige sogenannte "Impfdurchbrüche".

Die meisten vermuteten Nebenwirkungen gab es in der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen (11.117), gefolgt von den 45- bis 64-Jährigen (5.933). Bei älteren Personen ab 65 sind insgesamt nur 585 Meldungen eingegangen.

Mehr Meldungen bei Frauen

Frauen waren deutlich häufiger betroffen (12.716 Meldungen) als Männer (5.291) - zumindest zum Teil kann sich das mit einem höheren Frauenanteil bei den Geimpften erklären (laut Europäischer Arzneimittelagentur rund 60 Prozent in der EU).

Studien haben allerdings auch gezeigt, dass bei Frauen generell die Immunantwort stärker ist - und damit auch die Reaktionen heftiger.

Die mit Abstand meisten Meldungen vermuteter Nebenwirkungen gibt es bei Astra Zeneca (13.068 auf 397.998 Impfungen), deutlich weniger bei Biontech/Pfizer (4.476 Meldungen auf 1.200.857 Impfungen). Bei Moderna sind es 519 Meldungen auf 129.188 Impfungen.

Einen besseren Vergleich ermöglicht die Melderate pro 1.000 Impfungen:

  • Biontech/Pfizer: 3,73
  • Moderna: 4,02
  • Astra Zeneca: 32,83
  • Gesamt: 10,45

Die zehnhäufigsten gemeldeten Reaktionen (gereiht nach ihrer Häufigkeit) waren: Fieber, Kopfweh, Schmerzen an der Impfstelle, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrsot, Erbrechen, Schmerzen in einer Extremität.

Für die höhere Melderate bei Astra Zeneca nennt das BASG drei mögliche Gründe:

  • Aus den klinsichen Studien von Astra Zeneca weiß man, dass Nebenwirkungen und Impfreaktionen nach der ersten Dosis stärker und häufiger waren als nach der zweiten Dosis.
  • Bisher wurde dieser Impfstoff hauptsächlich jüngeren Menschen verabreicht, bei denen laut Studien in der Regel stärkere Impfreaktionen auftreten.
  • Und: "Zusätzlich ist davon auszugehen, dass die mediale Berichterstattung der vergangenen Tage und Wochen über diesen Impfstoff die Sensibilität für die Meldung von vermuteten Nebenwirkungen und Impfreaktionen erhöht hat."

Schwerwiegende Meldungen

Das BASG berichtet von 63 Todesfällen in zeitlicher Nähe zu einer Impfung gegen Covid-19 (57 Biontech/Pfizer, 3 Moderna, 3 Astra Zeneca).

Bei einem großen Teil ist ein Zusammenhang mit der Impfung aber bereits ausgeschlossen: So fiel bei 16 Personen die Impfung in die Inkubationszeit einer Covid-19-Erkrankung, an deren Folgen die Patienten verstarben. Bei 23 bestanden schwerwiegende Vorerkrankungen, "die vermutlich todesursächlich waren".

Da speziell zu Beginn der Impfaktion hauptsächlich hochbetagte Menschen geimpft werden, "ist damit zu rechnen, dass in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auch natürlich bedingte, das heißt nicht impf-bedingte gesundheitliche Ereignisse erwartungsgemäß auftreten".

Todesfall wird noch untersucht

Noch nicht abgeschlossen sind die Untersuchungen bei jener 49-jährigen österreichischen Krankenschwester, die in zeitlicher Nähe mit dem Impfstoff von Astra Zeneca an den Folgen schwerer Gerinnungsstörungen gestorben ist. "Die Abklärung, ob es einen kausalen Zusammenhang mit der Impfung gibt, ist noch im Gange", schreibt das BASG.

Fälle von Sinusvenenthrombosen in zeitlicher Nähe zu einer Impfung mit Astra Zeneca wurden dem Bundesamt bisher zwei gemeldet. Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung könne "derzeit nicht belegt, aber auch nicht sicher ausgeschlossen" werden. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA sieht mittlerweile einen möglichen direkten Zusammenhang - "strong association" - zwischen sehr seltenen Formen ungewöhnlicher Thrombosen und dem Impfstoff von Astra Zeneca.

Ohne nähere Angaben berichtet das BASG auch von 60 Patienten, deren Nebenwirkungen "als lebensbedrohend" gemeldet wurden (31 Biontech / Pfizer, 3 Moderna, 26 Astra Zeneca). Bei 30 Personen konnte der Gesundheitszustand wiederhergestellt werden, 30 weitere sind noch in Abklärung.

Allergische Reaktionen

73 Personen hatten (stärkere) allergische Reaktionen (37 Biontech / Pfizer, 4 Moderna, 32 Astra Zeneca). Allergische Hautreaktionen traten bei 172 Geimpften auf, am meisten bei Biontech / Pfizer (111), gefolgt von Astra Zeneca (36) und Moderna (25).

Vorübergehende Gesichtslähmungen

Bei 40 Patientinnen bzw. Patienten wurde eine Gesichtslähmung bzw. Taubheitsgefühle um den Mund gemeldet (32 Biontech / Pfizer, 1 Moderna, 7 Astra Zeneca). Bei 30 konnte der Gesundheitszustand wiederhergestellt werden, zehn weitere sind noch in Abklärung.

Fünf Erkrankungen nach zwei Dosen

Ein vollständiger Impfschutz ist bei Impfstoffen mit zwei Dosen erst rund sieben Tage nach der 2. Dosis zu erwarten. Kommt es danach noch zu einem positiven PCR-Test und zusätzlich zu Symptomen wie Fieber, Kurzatmigkeit, Husten, Geruchs- oder Geschmacksverlust, wird das vom Bundesamt als "Impfdurchbruch" gewertet.

Bisher sind 6 Fälle nach einer zweifachen Biontech/Pfizer-Impfung gemeldet, bei denen die Schutzwirkung nach dieser Definition ausgeblieben ist.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 nach einer Covid-19-Impfung ohne erkennbare Erkrankung mit Symptomen wird derzeit nicht als Impfdurchbruch eingestuft, "da die aktuell zugelassenen Covid-19-Impfstoffe zur Verhinderung von Erkrankungen entwickelt wurden".

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