┬ę Kurier/Franz Gruber

Wissen Gesundheit
08/04/2021

Fehlerhafte Covid-Studien mit fatalen Folgen

Beispiele in den USA zeigen: Falschinformationen durch schlechte Forschungsarbeiten verbreiten sich massenhaft.

Noch nie haben sich Laien so sehr f├╝r medizinische Forschung interessiert wie in der Corona-Pandemie. Fehlerhafte Studien k├Ânnen deshalb fatale Auswirkungen haben, wie Beispiele in den USA zeigen. "Ist ein wissenschaftliches Paper erst einmal ver├Âffentlicht, ist der Schaden unwiderruflich", erkl├Ąrt dazu Emerson Brooking, Experte f├╝r die Aufdeckung von Desinformation beim Washingtoner Politikinstitut Atlantic Council.

├ľl ins Feuer der Skeptiker

Mangelhafte Studien "gie├čen ├ľl ins Feuer der Covid-Skeptiker und Verschw├Ârungstheoretiker" und w├╝rden ├╝ber das Internet massenhaft verbreitet, wei├č Brooking. Wird eine Forschungsarbeit zur├╝ckgezogen, ist es meist zu sp├Ąt.

Besonders gef├Ąhrlich sind Falschinformationen zur Corona-Impfung. Die Impfbereitschaft in den Vereinigten Staaten hat zuletzt nachgelassen; fast alle der j├╝ngsten Covid-19-Todesf├Ąlle traten bei Menschen auf, die nicht geimpft waren.

Wickel unter Wissenschaftlern

Ende Juni ver├Âffentlichte die medizinische Fachzeitschrift Vaccines eine wissenschaftlich begutachtete Studie mit dem Titel "Die Sicherheit der Covid-19-Impfungen: Wir sollten den Umgang ├╝berdenken". Sie kam zu dem Schluss, dass auf je drei durch die Impfung geretteten Menschen zwei kommen, die daran sterben. Eine vermeintliche Erkenntnis, die sich rasch in den Online-Netzwerken verbreitete.

Ein Tweet des Wissenschaftlers und Covid-19-Impfkritikers Robert Malone, in dem er die Studie zusammenfasste, wurde tausende Male weiterverbreitet. Ein Video, in dem die konservative Publizistin Liz Wheeler die Studie besprach, wurde auf Facebook mehr als 250.000 Mal angesehen.

Klares Fehlereingest├Ąndnis

Das Fachmagazin zog die Studie schlie├člich zur├╝ck. Sie enthalte "mehrere Fehler, die die Interpretation der Ergebnisse grundlegend beeinflussen", lautete die Begr├╝ndung. Mindestens vier Mitglieder des redaktionellen Beirats von Vaccines traten wegen der Ver├Âffentlichung zur├╝ck.

Eines davon ist Katie Ewer, eine Immunologin an der Universit├Ąt Oxford. "Es h├Ątte erkannt werden m├╝ssen, dass diese Studie eine gro├če Wirkung haben w├╝rde", sagte Ewer, die selbst nicht an der Ver├Âffentlichung beteiligt war. "Dass niemand in der Zeitschrift das bemerkt hat, ist sehr besorgniserregend - besonders f├╝r eine Zeitschrift, die sich mit Impfungen besch├Ąftigt." Malones Tweet zu dem Artikel ist nicht mehr online, Wheelers Video ist immer noch auf Facebook zu sehen.

Fachmagazine unter Beobachtung

Auch anderen Journalen unterliefen ├Ąhnliche Fehler. Vergangenes Jahr zogen die renommierten Fachzeitschriften The Lancet, New England Journal of Medicine und Annals of Internal Medicine auf ihren Websites ver├Âffentlichte medizinische Studien zur├╝ck. Zwei davon betrafen die Behandlung von Covid-19 mit Chloroquin, die dritte befasste sich mit der angeblichen Wirkungslosigkeit von Masken.

Wissenschaftliche Studien h├Ątten niemals zuvor derart gro├če ├Âffentliche Aufmerksamkeit erhalten, sagt die Epidemiologin Maimuna Majumder von der US-Universit├Ąt Harvard. Experten m├╝ssten ihre Forschung deshalb besser f├╝r ein Laien-Publikum erkl├Ąren, forderte sie. "Nicht alle w├Ąhrend der Pandemie produzierten und massenhaft verbreiteten Studien waren wissenschaftlich solide", sagte sie. "Das ist besonders beunruhigend, weil sie individuelle Entscheidungen beeinflussen - auch die zur Impfung."

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