Leiser Hoffnungsschimmer: Antikörper-Medikamente können Risikopatienten vor einem schweren Krankheitsverlauf bewahren

© APA/HELMUT FOHRINGER

Wissen Gesundheit
01/24/2021

Corona: Antikörper sind auch kein Wundermittel

Deutschland kauft neue Medikamente gegen das Coronavirus – Experten sind aber skeptisch.

Als „Wunder“ pries Donald Trump den Antikörper-Cocktail der US-Biotechnikfirma Regeneron, den er im Oktober gegen seine Corona-Infektion erhalten hatte. Das Medikament befand sich damals noch in der experimentellen Phase und erhielt einen Monat später eine Notfallzulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA – jetzt soll es erstmals auch in Europa zum Einsatz kommen.

Wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild am Sonntag mitteilte, hat die deutsche Bundesregierung 200.000 Dosen jenes Mittels bestellt, das auch Trump geholfen haben soll. Neben dem Regeneron-Präparat REGN-COV2, das zwei Antikörper kombiniert, sicherte sich das Ministerium auch Kontingente des US-Herstellers Eli Lilly, dem in den USA ebenfalls eine Zulassung erteilt wurde. Die sogenannten monoklonalen Antikörper werden im Labor hergestellt, intravenös verabreicht und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen: „Sie wirken wie eine passive Impfung“, wird Spahn zitiert. „Die Gabe dieser Antikörper kann Risikopatienten in der Frühphase helfen, dass ein schwerer Verlauf verhindert wird.“

Vorerst soll das Medikament in Uni-Kliniken zum Einsatz kommen, nach und nach auch in spezialisierten Krankenhäusern.

Je früher, desto besser

Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel, dem Spike-Protein, angreifen. So wird verhindert, dass Sars-CoV-2 in die Körperzelle eindringt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat bisher aber weder Regeneron noch Eli Lilly eine Zulassung erteilt – und auch Experten sehen darin kein Wundermittel im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie, die in Deutschland zuletzt tausend Tote pro Tag gefordert hat: „Antikörper haben nur dann einen Effekt, wenn sie zu Beginn der Erkrankung verabreicht werden. Je früher, desto besser“, sagt Infektiologe Heinz Burgmann von der MedUni Wien. Bei Patienten, die auf der Intensivstation liegen und künstlich beatmet werden, ist die Verabreichung nicht hilfreich. Zudem sind die Mittel sehr teuer – Deutschland bezahlte pro Dosis 2.000 Euro – und kompliziert herzustellen. "Sinnvoll ist die Verabreichung bei Hochrisikopatienten oder Menschen, die am Antikörpermangelsyndrom leiden", so Burgmann.

Auch der Vorarlberger Biochemiker Norbert Bischofberger äußerte sich im Rahmen eines Video-Vortrags bei einer Veranstaltung der Uni Wien vor einer Woche skeptisch über den Einsatz von Antikörpern. „In den USA sind zwei Mittel zugelassen, Eli Lilly und Regeneron, ein paar andere sind in Entwicklung. Die Zahlen sind aber zu klein, als dass man wirklich sagen könnte, dass es effizient ist.“ Viele größere Krankenhäuser in den USA, wo Bischofberger forscht, würden die Antikörper trotz der Verfügbarkeit daher nicht einsetzen.

Derzeit wird noch daran geforscht, ob und in welchem Maße die Antikörperpräparate schweren Verläufen vorbeugen können. Studie legten aber nahe, dass die Viruslast im Rachen Infizierter reduziert werden konnte.

Keine Impf-Alternative

Eine Alternative zur Impfung sind Antikörper-Medikamente jedenfalls nicht, so Burgmann: Der Schutz tritt zwar sofort ein, hält aber, im Gegensatz zum Impfstoff, nur für kurze Zeit an.

Im österreichischen Gesundheitsministerium hieß es am Sonntag gegenüber dem KURIER, man beobachte die Debatte in Deutschland sehr aufmerksam. Ob Wien Berlin folgen will und das erwähnte Medikament ebenfalls beschafft bzw. verwendet, konnte vorerst nicht klar beantwortet werden.

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