Brustkrebs: Welche Rolle Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche spielen

Wissenschafter untersuchten die verbreitete Annahme, dass Schwangerschaftsabbrüche das Brustkrebsrisiko erhöhen.
Eine Frau tastet ihre Brust ab.

Ein früher Abbruch einer Schwangerschaft, unabhängig davon, ob er medizinisch herbeigeführt wurde oder als Fehlgeburt eintrat, beeinflusst das spätere Brustkrebsrisiko nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine landesweite finnische Studie. Damit wird eine unter Abtreibungsgegnern verbreitete Annahme nicht bestätigt.

Der Einfluss von Schwangerschaften auf das Brustkrebsrisiko ist komplex. In den ersten Jahren nach einer Schwangerschaft steigt das Risiko zunächst an, was sich insbesondere bei Frauen mit höherem Alter bei der ersten Schwangerschaft ungünstig auswirken kann. Langfristig nimmt das Risiko jedoch mit der Anzahl der Schwangerschaften und der Stilldauer ab. Diese Schutzwirkung wird mit Veränderungen in der Spätschwangerschaft in Verbindung gebracht, wenn sich die Brustdrüse auf die Laktation vorbereitet, das ist jene Phase, in der die Brust Milch bildet und abgibt.

Daraus entstand die Hypothese, dass ein vorzeitiger Schwangerschaftsabbruch das Brustkrebsrisiko erhöhen könnte. Die sogenannte „abortion–breast cancer hypothesis“ wird von Abtreibungsgegnern häufig angeführt und kann auch Frauen verunsichern, die eine Fehlgeburt erlitten haben.

Brustkrebsrisiko gleich hoch

Bereits eine frühere Meta‑Analyse von 53 Studien mit 83.000 Brustkrebspatientinnen aus 16 Ländern hatte keinen Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsabbrüchen und erhöhten Brustkrebsraten gezeigt. Die 2024 im renommierten Fachjournal Lancet publizierte Arbeit stützte sich jedoch auf Selbstauskünfte der Patientinnen zu ihren Schwangerschaften und berücksichtigte weder das Risiko durch eine Hormonersatztherapie nach der Menopause noch den Einfluss ungewollter Schwangerschaftsabbrüche vollständig.

Vor diesem Hintergrund wertete ein Forschungsteam um Oskari Heikinheimo von der Universität Helsinki die Daten von 31.687 Frauen aus, die nach 1955 in Finnland geboren wurden und zwischen 1972 und 2022 an Brustkrebs erkrankt waren. In Finnland existiert seit 1950 ein gesetzlich verpflichtendes Register für Schwangerschaftsabbrüche; auch Fehlgeburten werden erfasst, sofern eine Krankenhausbehandlung erfolgte.

Informationen zur Hormonersatztherapie stammten aus einem Register für Medikamentenverordnungen, Angaben zum sozioökonomischen Status von der nationalen Statistikbehörde. Zwar konnten nicht alle Risikofaktoren – etwa Lebensstilfaktoren wie Adipositas, Alkohol, Rauchen oder Bewegungsmangel – berücksichtigt werden, dennoch war eine solide Vergleichsbasis gegeben.

Jeder Brustkrebspatientin wurden 5 gesunde Frauen gegenübergestellt. Eine Bestätigung der „abortion–breast cancer hypothesis“ ergab sich nicht. Bei Frauen vor den Wechseljahren, die früher einen Schwangerschaftsabbruch hatten, war das Brustkrebsrisiko genauso hoch wie bei Frauen ohne Abbruch. Es gab also weder ein erhöhtes noch ein verringertes Risiko. Auch bei Frauen nach den Wechseljahren zeigte sich kein Zusammenhang: Ihr Brustkrebsrisiko war ebenfalls nicht erhöht

Auch Fehlgeburten zeigten keinen Einfluss auf das spätere Brustkrebsrisiko. Weder die Anzahl der Abtreibungen oder Fehlgeburten noch das Alter bei der ersten Abtreibung oder Fehlgeburt veränderten diese Ergebnisse.

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