Broken-Heart-Syndrom: Wenn Kummer aufs Herz schlägt

Das Herz kann auf seelische oder körperliche Belastungen mit einer vorübergehenden Schwächung reagieren. Wer besonders betroffen ist.
Ein Herz aus Papier ist in mehrere Stücke geschnitten.

Die Symptome unterscheiden sich kaum von einem Herzinfarkt: Betroffene klagen über starke Brustschmerzen, Atemnot und ein ausgeprägtes Druckgefühl in der Brust, weshalb sie meist als Notfall ins Spital kommen. Anders als beim Herzinfarkt liegt jedoch kein Verschluss eines Herzkranzgefäßes vor. Stattdessen handelt es sich um eine vorübergehende Schädigung des Herzmuskels, die mit einer massiven Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin zusammenhängt. 

„Das Broken-Heart-Syndrom ist eine besondere Form der akuten Herzschädigung“, sagt Lukas Fiedler, Kardiologe und Sekretär der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. „In der Akutphase präsentiert sich das Krankheitsbild wie ein Herzinfarkt, auch die Herzinfarktenzyme sind erhöht und EKG-Veränderungen sichtbar. Erst bei der Untersuchung mit einem Herzkatheter sieht man, dass die Gefäße in Ordnung sind“, erklärt Fiedler.

Kardiologe Lukas Fiedler

Kardiologe Lukas Fiedler

Typisches Bild im Herzultraschall

Über den Herzkatheter, ein dünner, flexibler Kunststoffschlauch, der über ein Blutgefäß, meist am Handgelenk, bis zum Herzen vorgeschoben wird, werden die Herzkranzgefäße im Röntgen sichtbar gemacht. So lässt sich erkennen, ob ein Gefäß verengt oder verschlossen ist. Beim Broken-Heart-Syndrom zeigen sich unauffällige Herzkranzgefäße. Fiedler: „Im Herzultraschall findet sich aber ein typisches Bild, das als ,apical ballooning’ bezeichnet wird – dabei pumpt die Herzspitze nur eingeschränkt und wölbt sich ballonartig vor, während andere Herzabschnitte normal oder überaktiv arbeiten.“

Auslöser sind meist starke emotionale Belastungen. Dazu zählen etwa der Tod eines nahestehenden Menschen, schwere familiäre Konflikte oder massive psychische Stresssituationen. Auch bevorstehende große Operationen oder schwere Erkrankungen können das Syndrom hervorrufen. Besonders häufig betroffen: Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Rund 80 bis 90 Prozent der Erkrankten sind weiblich. „Das Broken-Heart-Syndrom tritt gehäuft nach der Menopause auf, was darauf hindeutet, dass der sinkende Östrogenspiegel eine Rolle spielt. Östrogen hat eine schützende Wirkung auf Herz und Gefäße“, betont der Herzspezialist. Männer können ebenfalls betroffen sein, jedoch deutlich seltener.

Entstehung ist unklar

Die genaue Entstehung des Broken-Heart-Syndroms ist noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden mehrere Mechanismen, darunter ein Überschuss an Stresshormonen, Störungen der kleinsten Herzgefäße und entzündliche Prozesse. Besonders das limbische System und die Amygdala, also Hirnregionen, die Emotionen verarbeiten, stehen über das vegetative Nervensystem in direktem Austausch mit dem Herzen. Auch eine genetische Veranlagung wird vermutet. 

Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, die ähnlich verlaufen können. Dazu zählen etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine schwere Lungenembolie. Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination von Klinik, EKG, Laborwerten, Herzkatheter und Bildgebung. „Die Prognose des Broken-Heart-Syndroms ist in den meisten Fällen sehr gut. In etwa 90 bis 95 Prozent der Fälle erholt sich die Herzfunktion vollständig, oft innerhalb weniger Tage, manchmal auch erst nach mehreren Wochen. In der Akutphase ist jedoch Vorsicht geboten, da Komplikationen auftreten können“, weiß Fiedler. 

BEhandlung mit Medikamenten und Entspannung

Die Behandlung ähnelt jener einer Herzschwäche und umfasst je nach Situation blutdrucksenkende Medikamente, ACE-Hemmer, entwässernde Mittel und in schweren Fällen vorübergehend auch Blutverdünner. Die Therapie wird so lange fortgeführt, bis sich die Herzfunktion normalisiert hat; bei erhöhtem Rückfallrisiko kann eine Dauertherapie sinnvoll sein. Ein erneutes Auftreten ist möglich, insbesondere bei Menschen mit anhaltender oder wiederkehrender Stressbelastung. Langfristig ist daher nicht nur die kardiologische Nachsorge wichtig, sondern auch die psychologische Betreuung. Studien zeigen, dass psychotherapeutische Maßnahmen, etwa Verhaltenstherapie, nicht nur das seelische Befinden, sondern auch die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern können.

Nach der Akutphase sollten sich Betroffene zunächst körperlich schonen. Sobald sich das Herz im Ultraschall erholt hat, sind Bewegung und moderater Sport ausdrücklich empfohlen, da sie helfen, Stresshormone abzubauen. Ergänzend können Entspannungstechniken wie autogenes Training, Gesprächstherapie oder gezieltes Stressmanagement sinnvoll sein.

Kommentare