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Greenpeace schlägt Alarm: Zu viel Mikroplastik in Babynahrung

Greenpeace International warnt vor erheblichen Mengen von Partikeln in Fruchtbeuteln.
Ein Baby hält einen blauen Quetschbeutel und trinkt daraus.

Quetschies sind sofort einsatzbereit, lassen sich schnell essen und sind perfekt für unterwegs, weil sie in jede Tasche passen. Babys können selbstständig daran nuckeln und drücken – und das entspannt zwischendurch auch mal die Eltern. Kritik zu Nährwert und Inhaltsstoffen gibt es mittlerweile aus mehreren Richtungen. 

Wenig Nährwert

Bereits im Vorjahr gerieten die mit Frucht- oder Gemüsepüree gefüllten Beutel, die teilweise auch Milchprodukte enthalten, in die Kritik der Oberösterreichischen Arbeiterkammer – insbesondere wegen ihres Nährwerts, vor allem bei Produkten aus dem Kühlregal. Der Zusatz von Zucker, Aromen und Zusatzstoffen mache sie demnach eher zum Dessert als zu einer ausgewogenen Mahlzeit. Auch beim Preis gab es Beanstandungen. 100 Gramm kosten zwischen 0,69 und 1,54 Euro, womit sie im Vergleich zu frischem Obst und Joghurt deutlich teurer seien.

Laut Österreichischem Konsument enthält ein Quetschbeutel bis zu 19 Gramm Zucker, womit die täglich empfohlene Menge, je nach Altersgruppe, schon zu mehr als die Hälfte gedeckt sei. Zudem verursachen sie eine erhebliche Menge an Verpackungsmüll.

Mikroplastik im Beutel

Apropos Verpackung schlägt Greenpeace International aktuell Alarm. Im Rahmen einer Analyse wurden erhebliche Mengen von Mikroplastik in internationalen Nestlé- und Danone-Produkten entdeckt.

In allen insgesamt sechs getesteten Proben wurden Partikel nachgewiesen. Die Untersuchung des unabhängigen Labors belegte dabei in den Beuteln von Danone durchschnittlich 99 Mikroplastik-Partikel pro Gramm Nahrung, bei jenen von Nestlé bis zu 54 Partikel. Das entspricht, laut Greenpeace, einer Belastung von über 11.000 Teilchen pro Danone und mehr als 5.000 Partikeln pro Nestlé. Als Quelle der Verunreinigung gelte das Verpackungsmaterial Polyethylen.

Weiters seien über 80 Chemikalien identifiziert worden, darunter 2,4-DTBP, das zur Herstellung von Kunststoff dient und potenziell hormonell wirksam sei.

Nicht in Österreich

Die stichprobenartige Untersuchung von Greenpeace bezog sich zwar nicht auf Erzeugnisse, die in der Art in Österreich angeboten werden. Allerdings würden auch im österreichischen Handel Quetschies mit ähnlichen Verpackungsmaterialien verkauft, wird betont. „Sie bestehen ebenfalls aus Verbundmaterialien mit einer Innenbeschichtung aus Polyethylen (PE). Bei diesen ist zu befürchten, dass vergleichbare Belastungen von Mikroplastik in Babynahrung auftreten können“, heißt es seitens Greenpeace. Als Beispiele führt Greenpeace Österreich Danone Fruchtzwerge Quetschies und Hipp Hafer Smoothie an. Daher sei „auch hierzulande eine massive Belastung der Babynahrung zu befürchten“, schlussfolgern die Umweltschützer.

Wachstumsmarkt

Trotz dieser Risiken wächst der internationale Markt für Quetschbeutel jährlich um über acht Prozent und verdrängt zunehmend traditionelle Glasverpackungen. Schon jetzt machen Quetschies ein Drittel des globalen Marktes für Babynahrung aus. Greenpeace fordert das Gesundheitsministerium auf, Babynahrung in Plastikbeuteln systematisch auf Mikroplastik und giftige Chemikalien zu prüfen.

„Eltern glauben, ihren Kindern einen gesunden Snack zu geben“, so Greenpeace-Konsumexpertin Madeleine Drescher. „Solange solche Risiken nicht ausgeschlossen werden können, darf Plastik bei Babynahrung nicht der Standard sein.“

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