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Wissen Gesundheit
09/09/2020

Alkohol-Demenz möglicherweise durch Vitamin-B-Mangel

Eine Hypothese von Wiener Forschern beschreibt die Rolle von Eisenablagerungen im Gehirn.

Eine Folge von Alkoholismus ist eine Reduktion der kognitiven Leistungsfähigkeit, die bis zur Demenz gehen kann. Forscher der MedUni Wien haben nun einen Vitamin-B1-Mangel als mögliche Ursache dafür ausgemacht, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung.

Eine Forschungsgruppe um Stephan Listabarth von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien, Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie, erarbeitete eine Hypothese, wonach Eisenablagerungen im Gehirn - in Folge eines alkohol-induzierten Vitamin-B1-Mangels - entscheidend für die kognitive Verschlechterung seien. Die Arbeit wurde im Journal Alzheimer's and Dementia publiziert.

365.000 Österreicher alkoholabhängig

In Österreich sind rund fünf Prozent der Über-14-Jährigen alkoholabhängig - das sind etwa 365.000 Menschen. Eine der Folgeerscheinungen ist die Reduktion der Gedächtnis- und Abstraktionsleistung. Die Art und Weise, wie das Gehirn durch den Alkohol geschädigt wird, ist allerdings noch weitgehend ungeklärt. Laut der nun veröffentlichten Hypothese sind Eisenablagerungen im Gehirn eine Ursache, jedoch könne die Gabe von Vitamin B1 das Gehirn vor eben diesen Ablagerungen schützen.

Von diversen neurodegenerativen Erkrankungen ist bekannt, dass Eisenablagerungen für Schädigungen des Nervengewebes verantwortlich sind. Auch bei gesteigertem Alkoholkonsum sind diese in spezifischen Gehirnregionen nachweisbar. Ein entsprechendes Trinkverhalten führt einerseits zu einem erhöhten Eisenspiegel im Blut und andererseits auch zu einem Mangel an Vitamin B1 (Thiamin), das unter anderem für das Aufrechterhalten der Blut-Hirn-Schranke wesentlich ist. Treten diese beiden Umstände gleichzeitig auf, kann sich Eisen vermehrt im Gehirn ablagern, was letztlich zu einer oxidativen Gewebsschädigung führt.

Neue präventive Optionen

Diese erstmals beschriebene Rolle des Vitamin B1 könnte einen großen Fortschritt bedeuten und vor allem auch einen neuen Angriffspunkt für präventive und therapeutischen Ansätze darstellen. So wäre es denkbar, in Zukunft eine kontinuierliche Substitution von Vitamin B1 präventiv einzusetzen. Zudem wäre es sinnvoll, so die Forscher, den Einsatz von Medikamenten zur Senkung des Eisenspiegels, wie dies bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen der Fall ist, zu evaluieren.

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