Neue Adipositas-Studie: Wer besonders gefährdet ist
In der Studie zeigte sich, dass vor allem sozial Benachteiligte an Adipositas erkranken.
Adipositas ist in Großbritannien stark vom sozialen Status abhängig. Die Häufigkeit eines Body-Mass-Index über 30 schwankt je nach sozialen Rahmenbedingungen zwischen 4,3 und 66,1 Prozent. Das zeigt eine englische Studie mit Daten von 55 Millionen Briten, an der auch Statistiker der MedUni Innsbruck beteiligt waren.
„Adipositas zählt zu den größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Erkenntnisse darüber, wie sich (soziale) Ungleichheiten auf die Belastung durch Adipositas auswirken, sind rar, insbesondere seit der Covid-19-Pandemie“, schrieben Robert Fletcher von der British Heart Foundation und seine Co-Autoren, darunter Patrick Rockenschaub vom Institut für Klinische Epidemiologie der MedUni Innsbruck, in „Lancet Diabetes & Endocrinology“.
Diagnose im Mittel mit 43 Jahren
Die Wissenschafter analysierten Daten der gesamten erwachsenen Bevölkerung Englands (18 bis 99 Jahre) aus den Registern des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS. Für den Zeitraum von November 2019 bis Ende April 2025 wurden die Trends nach Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, ethnischer Zugehörigkeit und Wohnort erhoben. Insgesamt wurden 54,9 Millionen Personen erfasst.
Bei 4,1 Millionen Personen wurde in diesem Zeitraum eine neue Adipositas-Diagnose gestellt, davon 55,1 Prozent Frauen und 44,9 Prozent Männer. Im Mittel erfolgte die Diagnose mit 43 Jahren. Die Gesamthäufigkeit von Adipositas stieg von 26,3 auf 30,3 Prozent – ein Anstieg um vier Prozent.
Am stärksten nahm Adipositas bei jüngeren Erwachsenen zu. „Die stärksten Anstiege im Zeitverlauf traten bei den 20- bis 29-Jährigen (plus 16 Prozent) und den 30- bis 39-Jährigen (plus 19 Prozent) auf“, schrieben die Wissenschafter.
Sozial Benachteiligte deutlich öfter adipös
Entscheidend sind die sozialen Umstände. „Die Adipositas-Häufigkeit war im sozioökonomisch am stärksten benachteiligten Fünftel der Bevölkerung um 35 Prozent höher als im am wenigsten benachteiligten Fünftel“, ergaben die Analysen.
Der Anteil der Adipösen variierte erheblich. „Er reichte von 4,3 Prozent bei den sozioökonomisch am wenigsten benachteiligten weißen Männern im Alter von 18 bis 19 Jahren bis zu 66,1 Prozent bei den am stärksten benachteiligten schwarzen Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren, was fast doppelt so hoch war wie bei den am wenigsten benachteiligten weißen Frauen derselben Altersgruppe (60 bis 69 Jahre; 34,5 Prozent)“, heißt es in der Publikation.
Geografisch schwankte der Anteil zwischen den Regionen Englands zwischen 8,5 und 48,1 Prozent – ein sechsfacher Unterschied. Auch hier waren die ärmsten Regionen am stärksten betroffen.
Fast jeder dritte Erwachsene in England ist adipös, wobei benachteiligte Gruppen überproportional betroffen sind und sich die Ungleichheiten seit der Covid-19-Pandemie verschärft haben, so das Fazit der Epidemiologen.
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