Abnehm-Medikamente: Was bei den meisten nach dem Absetzen passiert

Die Zahl jener, die zu Abnehm-Medikamenten greifen, steigt weiter. Doch was passiert, wenn man die Behandlung beendet?
Eine Frau misst ihren Oberarmumfang mit einem Maßband.

Eine Analyse der Cleveland Clinic in den USA mit fast 8.000 Patienten zeigt, dass das Absetzen von Abnehmmedikamenten im Durchschnitt nicht zu einer deutlichen Gewichtszunahme führt. Viele Patienten beginnen allerdings später erneut mit der ursprünglichen Behandlung oder wechseln zu anderen Adipositasbehandlungen. 

In einer der bislang größten Real-World-Studien zu Gewichtsveränderungen nach dem Absetzen von GLP-1 - ein Darmhormon, das den Blutzucker reguliert, die Insulinabgabe fördert und das Sättigungsgefühl steigert - stellten Forscher fest, dass etwa die Hälfte der Patienten ihr Gewicht innerhalb eines Jahres durch alternative Therapien und Lebensstilinterventionen stabilisieren konnten.

Viele beginnen wieder mit einer Behandlung

Die aktuell veröffentlichten Ergebnisse ergänzen frühere randomisierte Studien, nach denen Patienten nach dem Absetzen der Wirkstoffe Semaglutid (Ozempic/Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound) innerhalb von 12 Monaten mehr als die Hälfte des verlorenen Gewichts wieder zunahmen. In diesen Unteruchungen wurden Patientinnen und Patienten zufällig verschiedenen Versuchsbedingungen zugeordnet. In der aktuellen Untersuchung wurden hingegen Real-World-Daten analysiert, d.h. 7.938 erwachsene Patienten mit Adipositas oder Übergewicht in Ohio und Florida, die eine Therapie mit injizierbarem Semaglutid oder Tirzepatid begonnen und diese nach drei bis zwölf Monaten beendet hatten. Analysiert wurden die anschließenden Behandlungen und die Gewichtsentwicklung.

„Unsere Daten aus der Praxis zeigen, dass viele Patienten, die Semaglutid oder Tirzepatid absetzen, die Einnahme wieder aufnehmen oder auf eine andere Adipositasbehandlung umsteigen. Dies könnte erklären, warum sie weniger Gewicht zunehmen als Patienten in randomisierten Studien“, sagte Studienautor Hamlet Gasoyan.

Die Ergebnisse variierten je nach Patientengruppe:

  • Patienten mit Adipositas verloren vor dem Absetzen im Durchschnitt 8,4 Prozent ihres Körpergewichts und nahmen ein Jahr später 0,5 Prozent zu.
  • Patienten mit Typ-2-Diabetes verloren 4,4 Prozent und ein Jahr später weitere 1,3 Prozent.
  • In der Adipositasgruppe nahmen 55 Prozent zu, 45 Prozent hielten ihr Gewicht oder nahmen weiter ab.
  • In der Diabetesgruppe nahmen 44 Prozent zu, 56 Prozent hielten ihr Gewicht oder nahmen weiter ab.

Kosten als Grund für Therapieabbruch

Häufigste Gründe für das Absetzen waren Kosten bzw. Einschränkungen der Krankenversicherung sowie Nebenwirkungen, wobei Kosten überwogen. Diabetespatienten nahmen die Medikation häufiger wieder auf, was mit der besseren Kostenübernahme zusammenhängt.

Innerhalb von 12 Monaten nach dem Absetzen:

  • 27 Prozent wechselten zu einem anderen Medikament.
  • 20 Prozent nahmen die ursprüngliche Medikation wieder auf.
  • 14 Prozent setzten auf Lebensstilprogramme mit Fachpersonal.
  • Weniger als 1 Prozent unterzog sich einer bariatrischen Operation.

Die Forscher betonen die Bedeutung einer individuellen und kontinuierlichen Betreuung, auch nach dem Absetzen von Medikamenten.

„Viele Patienten geben ihre Adipositasbehandlung nicht auf, selbst wenn sie ihre anfängliche Medikation absetzen müssen“, sagte Gasoyan. „In unserer zukünftigen Arbeit werden wir die vergleichende Wirksamkeit alternativer Behandlungsoptionen für Adipositas bei Patienten untersuchen, die Semaglutid oder Tirzepatid absetzen, um Patienten und ihren Ärzten fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.“

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