Wissen und Gesundheit
01.10.2016

Ein neues Mittel gegen Gedächtnisschwund?

Grazer Forscher: Eine Substanz aus dem Sperma als Hoffnungsträger für neue Therapien gegen Gedächtnisverlust.

Ist es ein Fortschritt auf der Suche nach Heilmitteln gegen altersbedingte Demenz? Noch ist es für endgültige Aussagen zu früh, doch jetzt lieferten unter anderem Grazer Forscher ein eindrucksvolles Zwischenergebnis auf dem langen Weg zu besseren Demenz-Therapien: Gedächtnisdefizite im Alter können unter Umständen durch die Einnahme der Substanz Spermidin gemindert oder behoben werden.

Diese natürliche Substanz könne bewirken, dass Synapsen im Gehirn auch im Alter ihre Fähigkeit beibehalten, Nervenzellen zu verbinden, so Wissenschafter der Freien Universität Berlin, der Georg-August-Universität Göttingen und Prof. Frank Madeo von der Karl-Franzens-Universität Graz. Das zeigten jetzt zumindest Untersuchungen an der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Die Studie wurde in der Zeitschrift PLOS Biology veröffentlicht.

Bessere Erinnerungsfähigkeit

Spermidin kommt in hohen Konzentrationen im Sperma, aber auch in vielen Nahrungsmitteln vor - etwa in Weizenkeimen (dort besonders viel), Zitrusfrüchten, vergorenen Sojabohnen oder Käse. Bereits vor drei Jahren konnten Madeo sein Berliner Forscherkollege Stephan J. Sigrist zeigen, dass das altersbedingte Absinken der Gedächtnisleistung durch die Gabe von Spermidin rückgängig gemacht werden kann. „Nachdem wir ältere Fruchtfliegen mit Spermidin gefüttert hatten, war ihre Erinnerungsfähigkeit viel besser.“

Jetzt haben sie die damalige Untersuchung ausgeweitet.

Die Signalübertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle ist wesentlich an der Gedächtnisbildung und dem Lernen beteiligt. Doch Veränderungen auf der Ebene der Synapsen sind mit ein Grund für die Entstehung altersbedingter Demenz, so die Wissenschafter. Der menschliche Körper bildet zwar das vor Gedächtnisverlust schützende Spermidin selbst, doch mit zunehmendem Alter weniger effektiv. Eine Verabreichung von Spermidin könnte also die Gedächtnisleistung aufhellen, so die Annahme.

Gedächtnisverfall unterdrückt

Tatsächlich zeigte auch diese neue Studie, dass es bei den Fruchtfliegen gelang, durch die Fütterung von Spermidin den Gedächtnisverfall zu unterdrücken. Bei diesen Fruchtfliegen verlaufen Erinnerungsprozesse auf molekularer Ebene ähnlich wie beim Menschen: Das Insekt ist damit ein geeignetes Modell für die Simulation von Altersprozessen.

Aus den Ergebnissen könnten Strategien für die Bekämpfung altersbedingter Demenz abgeleitet werden, so die Forscher.