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Wissen
06/03/2020

Drei Wolfsrudel in Österreich: Der Wald-Polizist ist zurück

Im Vorjahr wurden 103 Schafe durch Wölfe gerissen: Der WWF fordert mehr Herdenschutzmaßnahmen für Viehwirtschaft.

Die Zahl der Wolfsrudel in Österreich hat sich im Vorjahr von einem auf drei erhöht. Alle hielten sich in Niederösterreich auf, berichtete der WWF am Mittwoch bei einem Online-Pressegespräch.

Österreichweit gab es zudem Sichtungen von 14 Einzelwölfen, womit insgesamt 30 bis 35 der Tiere hierzulande leben. Diese rissen im Vorjahr 103 Schafe, weswegen der WWF mehr Herdenschutzmaßnahmen fordert.

Zu dem schon länger bestätigten Wolfsrudel beim Truppenübungsplatz Allentsteig kamen ebenfalls im Waldviertel welche in Harmanschlag und Gutenbrunn hinzu. Außerdem wird in Vorderweißenbach in Oberösterreich ein weiteres Rudel vermutet.

Die Zahl von derzeit 30 bis 35 Wölfen "wird natürlich in Zukunft steigen", sagte WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. Wir seien von Wölfen "umzingelt", in Deutschland gebe es beispielsweise 400 bis 500 Individuen und in Italien 1.000 bis 2.000.

Der Wolf ist die Gesundheitspolizei des Waldes

Wölfe könnten bis zu 1.000 Kilometer weit wandern und werden immer wieder nach Österreich hereinstreifen, führte Pichler aus.

"Das ist aus ökologischer Sicht super", dass der Wolf zurückkehrt. Der Wolf sei die "Gesundheitspolizei des Waldes", er hält den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem er vor allem kranke und schwache Tiere anfällt. Zudem hinterlässt er wichtige Nahrungsreste für andere Tierarten, wie Adler.

Im Vorjahr gab es in Österreich circa 400.000 gehaltene Schafe, davon 115.000 auf Almen, berichtete Pichler. 103 durch Wölfe getötete Tiere seien nur 0,025 Prozent aller Schafe, betonte der WWF-Experte.

Im Jahr 2018 kamen dagegen rund 10.000 Schafe durch Unwetter, Steinschlag und Krankheiten ums Leben, was rund 2,5 Prozent der Schafe in Österreich ausmacht. Dies sei eine "größere Belastung" als durch den Wolf, sagte Pichler.

Die Almwirtschaft leide seit vielen Jahren an schlechten finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen. Viele Bauern würden aufgeben, "aber nicht wegen des Wolfes", berichtete Pichler.

"Jedes gerissene Tier ist ein schmerzhafter Verlust", betonte er. Der Wolf genieße jedoch einen hohen Schutzstatus in der EU. Politische Forderungen nach Abschüssen von Wölfen seien "aus meiner Sicht nur populistisch", sagte Pichler. Der Herdenschutz sei "alternativlos". Dies bedeute jedoch nicht nur das Aufstellen von Zäunen, gab der Experte zu bedenken.

Fünf Maßnahmen für mehr Herdenschutz

  • Der WWF fordert daher fünf Maßnahmen, um den Herdenschutz in der Viehwirtschaft zu stärken. Dieser sollte bundesweit einheitlich gehalten und stärker gefördert werden. Pichler sprach von einer Summe von einer Million Euro österreichweit.
  • Zweitens bräuchte es eine Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesen. Dadurch könnten die Nutztiere gezielter zu Weideflächen geführt und Erosionen und Erdrutsche vermieden werden. Das Hirtenwesen sei nicht lukrativ, ein harter Job, und die Unterkunftsmöglichkeiten oft schlecht.
  • "Die österreichischen Hirten arbeiten derzeit fast alle in der Schweiz, weil es sich dort besser rentiert", erläuterte Pichler.
  • Ein weiterer Wunsch der Naturschützer betrifft die Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden. "Dieses Programm müsste schon spätestens jetzt begonnen werden", damit die Hunde in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen, betonte Pichler.
  • Außerdem fordert der WWF, die Nutztierhalter bei Wolfsrissen besser zu entschädigen. Außerdem soll das Österreich-Zentrum Bär-Luchs-Wolf gestärkt werden und mehr finanzielle Mittel bekommen.