Wissen und Gesundheit
19.08.2017

Die Voyager-Sonden sind seit 40 Jahren unterwegs

1977 hoben die Zwillings-Sonden ab, um vier Jahre lang Daten zu liefern. Sie tun es immer noch.

Als Elvis Presley am 16. August 1977 starb, versetzte die Nachricht vom Tod des King of Rock’n’Roll die Welt in helle Aufregung. Als vier Tage später Voyager 2 in die finsteren Tiefen des Universums aufbrach, nahm nur eine eingefleischte Fan-Gemeinde den Meilenstein der Raumfahrtsgeschichte wahr. Dabei hatte die Nasa jede Menge Geld in die Hand genommen, um zum seltenen Zeitpunkt der günstigen Planetenkonstellation startklar zu sein. Die Reise der Zwillings-Sonden sollte vier Jahre dauern. Mittlerweile rasen Voyager 1 und 2 seit 40 Jahren durchs All und senden ständig Signale aus unvorstellbarer Entfernung. Die Mission gilt als eine der erfolgreichsten Nasa-Unternehmungen aller Zeiten, die globalisierte Welt schaut interessiert zu.

Abflug

Am 20. August 1977 hob Voyager 2 in Cape Canaveral samt Trägerrakete ab. Am 5. September folgt die ident gebaute Schwesternsonde Voyager 1 mit leicht abweichender Flugbahn. "Die Orbit-Bestimmung erfolgte teilweise mit Papier und Bleistift", überspitzt Wolfgang Baumjohann vom Institut für Weltraumforschung in Graz die damaligen Möglichkeiten. Bereits Mitte der 1960er-Jahre hatten Wissenschaftler begonnen, das Voyager-Programm auszutüfteln. Die je eine Tonne schweren Flugkörper wurden mit feinster Technik und zeitgemäßer Software ausgestattet. Wenigsten eine Sonde sollte es zumindest an den Rand unseres Sonnensystems schaffen, laufend Bilder übermitteln, Messungen von Temperatur und Magnetfeldern aufzeichnen sowie Analysen der Planeten, ihrer Monde und der Sonnenwinde liefern.

Ausfälle

Heute, nach 40-jährigem Betrieb, erfüllen die Aluminium-Zellen, betrieben mit drei radioaktiven Batterien, immer noch ihre wesentlichen Aufgaben. "Es ist schon einiges kaputt gegangen, etliche Instrumente sind deaktiviert", sagt Baumjohann. Auch die Menge und die Geschwindigkeit der Datenübertragung entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung. Die Funksignale brauchen 17 Stunden pro Richtung. Dabei ist von der Programmierung von anno dazumal nicht mehr viel übrig. Trotzdem: "Man kriegt noch Neues heraus", sagt Baumjohann. Schließlich gibt es keine anderen menschgemachten Objekte derart weit draußen in der unerforschten Region der Heliopause.

Wunder

"Die Voyager-Sonden haben uns über die zuvor unbekannten Wunder des Universums aufgeklärt und die Menschheit inspiriert, unser Sonnensystem und alles darüber hinaus zu entdecken", zieht Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen anlässlich des runden Geburtstages Bilanz. "Der Start war nicht ganz so aufregend, aber als erstmals gute Bilder kamen – das war schon beeindruckend", erinnert sich auch der österreichische Wissenschaftler. Inzwischen gelten die ersten Schnappschüsse von Jupiter und Saturn als "historisch". Modernste Weltraumteleskope und Sonden neuerer Bauart liefern besseres Material.

Vor Ort

Dennoch können die Fernbeobachtungen die Messungen vor Ort nicht ersetzen. Voyager 1 befindet sich derzeit rund 20 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, bei Voyager 2 beträgt die Distanz rund 17 Milliarden Kilometer; und sie nimmt mit dem Tempo von 48.000 Stundenkilometern zu. Auf ihrer Bahn haben die "Reisenden" zusammen jede Menge Monde von Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun entdeckt, Blitze auf dem Jupiter und Vulkanaktivitäten auf dem Jupiter-Mond Io dokumentiert. "Die Daten aufzunehmen, kostet die Nasa Millionen", sagt Baumjohann. Aufzeichnungen müssen ausgewertet, Antennen gewartet, pensionierte Experten zurate gezogen werden. Man kann davon ausgehen, dass sich die Mission immer noch rechnet.

Botschaft

Die Instrumente an Bord – so schätzen Experten – könnten noch knapp zehn Jahre halten. Dann werden Voyager 1 und 2 stumm durch die Milchstraße brausen und die Golden Records mit Grußbotschaften an Außerirdische plus Lageplan der Erde in unbekannte Regionen tragen.