Rattentests zeigten: Alkoholismus ist vor allem Gen-bedingt

© APA/Ronald Wittek

Alkoholismus
08/05/2016

Die Gene sind am Trinken schuld

Alkoholismus wird durch Hunderte Gene und genetische Codes gefördert, sagen Forscher - nach Rattentests.

von Axel Halbhuber

Die Gefahr, Alkoholikerin oder Alkoholiker zu werden, ist auch genetisch bestimmt - das weiß man schon länger. Eine neue Studie der Universitäten von Indiana und Purdue in den USA zeigt jedoch auf, dass der Zusammenhang erstens deutlicher und zweitens komplexer ist als gedacht. Veröffentlicht wurde sie kürzlich im Fachmagazin PLOS Genetics.

Die Forscher der Unis machten dafür zuerst Ratten sehr langsam zu Alkoholikern. Manche Ratten lehnten das aber ab. So standen den Wissenschaftlern schlussendlich zwei Gruppen zur Verfügung: harte Alkoholiker-Ratten, die den Verhaltensweisen menschlicher Alkoholiker sehr ähnelten, und Wenig-Trinker-Ratten. Durch diese Vorgehensweise schlossen die Forscher alle soziologischen Begründungen für Alkoholismus aus: Familiengeschichte, Kulturkreis oder soziale Stellung.

930 Gene

Der Genetiker William M. Muir leitete die Studie: "Die eindeutigen Ergebnisse zeigen, dass Alkoholismus bei Ratten erstens eine starke genetische Komponente hat und zweitens von Hunderten Genen beeinflusst wird." Die Schlussfolgerung: Es handelt sich nicht um ein einzelnes Gen, das verantwortlich dafür ist, Alkoholiker zu werden, sondern um 930. Außerdem spielen nicht nur die Gene selbst eine Rolle, sondern auch die Lage der genetischen Codes.

Diese Erkenntnis ist schlecht. Weil sie darauf hindeutet, dass man die Alkoholsucht nicht simpel behandeln kann - vereinfacht gesagt wäre ein Gen leichter zu reparieren als Hunderte. Muir hat dennoch Hoffnung: "Es zeigten sich nämlich bei der Studie bestimmte Gencodes, die die meisten dieser Gene betreffen. Und wir vermuten, dass eine pharmakologische Lösung dadurch doch möglich ist."

Im ersten Schritt geht es den Forschern aber darum, die Vorhersehbarkeit des Alkoholismus-Risikos zu erhöhen. "Wir könnten tatsächlich bald eine volle Abschätzbarkeit beim Einzelnen schaffen. Aber dafür brauchen wir eine große Zahl genetischer Marker", sagt Muir. Dafür sei noch einiges an Studienarbeit notwenig, vor allem die Überprüfung der Ergebnisse durch Analyse der Genwirkung in Verbindung mit Alkohol.

Und, ach ja, die Klärung der Frage, ob die Gene menschlicher Alkoholiker wie jene von Ratten ticken.

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