© /iStockphoto/Artem Furman

Schwangerschaft
12/07/2015

Dehnungsstreifen: Was sie verursacht und was hilft

Die meisten Mittel am Markt beruhen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Während einer Schwangerschaft, in der Pubertät oder bei rascher Gewichtszunahme können Dehnungsstreifen entstehen. Sie bilden sich vor allem am Unterleib, den Hüften und den Oberschenkeln. Viele Frauen schämen sich nach einer Geburt für die Streifen und zeigen sich dann nur ungern mit nackter Haut. Diese Marktlücke haben Hersteller schon vor Jahren erkannt. Zahlreiche Cremes, Lotionen, Öle und andere Tinkturen sollen vor Dehnungsstreifen bewahren. Aber helfen sie wirklich?

Nein, meint Frank Wang, Dermotologe an der Klinik der University of Michigan. Er beschäftigt sich seit mehr als acht Jahren mit Dehnungsstreifen und sagt: „Die meisten der existierenden Produkte basiert nicht auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Nur sehr wenige bis gar keine der Produkte, die beworben werden, können Dehnungsstreifen vorbeugen oder verschwinden lassen.“

Kleine Risse

Aktuell untersuchte Wang mit Kollegen, die Ursache von Dehnungsstreifen auf molekularer Ebene. Sie bilden sich durch kleine Risse in der Unterhaut bei starker Dehnung, vor allem in stark belastetem Gewebe wie Bauch, Hüften, Oberarmen, Brüsten und Gesäß. Die rosa-rötliche bis violette Farbe entsteht durch durchscheinende Blutgefäße, kann aber mit der Zeit verblassen. Die kleinen Risse vernarben und bleiben bestehen.

Wang und seine Kollegen zeigten, dass das elastische Fasernetz der Haut bei Dehnungsstreifen zerreißt. Diese geben der Haut ihre Elastizität und die Fähigkeit, sich nach einer Dehnung wieder zurückzubilden. Die Haut versucht diese Risse zu reparieren, aber sie ist dabei nicht immer erfolgreich – stattdessen kommt es zu der typisch lockeren Haut, die man bei Dehnungsstreifen oft sieht.

Bisher konnte allerdings noch kein Mittel gefunden werden, das diese Funktion der Haut effektiv wiederherstellt. „Das ist leider komplizierter als sich einfach nur etwas auf den Bauch zu reiben“, meint Wang, der sich in seinen Untersuchungen auch Kollagen widmet. Kollagen gibt der Haut ihre Stärke, allerdings können kollagenhaltige Cremes bestehende Streifen nicht verschwinden lassen.

Bindegewebe

Frauen haben allgemein ein höheres Risiko für Dehnungsstreifen als Männer. Eine Bindegewebsschwäche trägt zur Entstehung bei. Weitere Einflussfaktoren in der Schwangerschaft sind familiäre Veranlagung, wie viel Gewicht in einer Schwangerschaft zugenommen wird und ob sich bereits zuvor aus anderen Gründen, etwa Übergewicht, Streifen gebildet haben.

Hinzu kommt, dass während einer Schwangerschaft die Hautelastizität aufgrund hormoneller Einflüsse abnimmt - 80 Prozent der Schwangeren bekommen Dehnungsstreifen. Auch bei zu raschem Muskelaufbau, etwa im Bodybuilding, kann es zu Streifen kommen. Manche Medikamente, die z.B. hormonell wirken, können ebenfalls zu den Hautveränderungen führen.

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