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Anti-Diät-Tag
05/06/2014

Das gefährliche Spiel mit Diäten

Nein zum Magerwahn in Heidi Klums Modelsendung: So viele haben die Online-Petition schon unterschreiben.

von Laila Daneshmandi

Ob Kohlsuppen-Diät, Knoblauch-Kur oder Rohkost – Promi-Vorbilder und Medien zeigen regelmäßig, wie man noch besser, noch schneller noch schlanker wird. Abgesehen davon, dass viele dieser Diäten gesundheitlich bedenklich sind, hält kaum eine, was sie verspricht. Die meisten Menschen landen innerhalb kürzester Zeit nach Ende ihrer Diät wieder bei ihrem Ausgangsgewicht. Im schlimmsten Fall nehmen sie noch mehr zu.

Zum heutigen internationalen Anti-Diät-Tag, der seit 1992 alljährlich am 6. Mai begangen wird, hagelt es Kritik für die Modelmacherin Heidi Klum und ihre Sendung "Germany’s next Topmodel". Schon mehr als 16.000 Menschen haben eine Online-Petition gegen den Magerwahn der TV-Castingshow unterschrieben.

Die Initiatorin der Petition Laura Pape, die ihre eigene Magersucht in dem Buch "Lebenshungrig" beschreibt, fordert Klum dazu auf, in ihrer TV-Show über Essstörungen aufzuklären. "Ich sage nicht, dass Heidi Klum Mädchen in die Magersucht treibt. Das hat immer tiefere psychische Ursachen. Aber wenn man schon vorgeschädigt ist und abnehmen will, kann die Sendung einen da weiter reinreißen." Der Aufruf von Pape lautet daher: "Liebe Heidi Klum, nutzen Sie das großartige Forum von GNTM und klären Sie auf. Damit nicht noch mehr junge Mädchen, so wie ich, schon in jungen Jahren so eine harte Lebensprüfung zu meistern haben."

Übergewicht

Zum anderen Extrem: Während einerseits vor den Folgen des Magerwahns gewarnt wird, schlagen die Ärzte wegen der steigenden Zahl der Übergewichtigen Alarm. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes-Typ-2.

Dementsprechend wird abseits von ausgefallenen Diäten wissenschaftlich beforscht, wie sich der Hunger besser kontrollieren lässt. So haben Wissenschaftler um Gary Frost vom Imperial College nun herausgefunden, warum Ballaststoffe so lange satt machen. Vollkornprodukte, Obst und Gemüse sind nämlich nicht nur reich an Vitaminen und Mineralstoffen, sie halten auch den Appetit im Zaum.

Die Forscher injizierten Mäusen im Tierversuch sogenannte kurzkettige Fettsäure-Acetate – diese entstehen bei der Fermentierung der Ballaststoffe im Darm. Den Mäusen verging daraufhin der Appetit, ihr Fressverhalten veränderte sich. Ihr Zuckerstoffwechsel wurde dadurch nicht beeinträchtigt, berichten die Forscher im Fachjournal Nature Communications. "Diese Daten demonstrieren, dass es einen zuvor unbekannten Mechanismus gibt, durch den die Fermentation von Ballaststoffen das Körpergewicht beeinflusst", heißt es in dem Bericht.

Sättigung

Univ.-Prof. Ibrahim Elmadfa vom Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Wien fasst das Ergebnis der Forscher so zusammen: "Die Studie hat bewiesen, dass Ballaststoffe nicht nur physikalisch Magen und Darm füllen, sondern auch über Chemorezeptoren im Gehirn ein Sättigungsgefühl bewirken."

Wie gut Ballaststoffe ernähren und gleichzeitig das Hungergefühl unterdrücken können, wissen Nomaden und Beduinen schon lange, erinnert Elmadfa. "Sie hatten immer schon kleine Brötchen aus Gerste dabei, die einen hohen Sättigungseffekt haben."

Die "Ballaststoff-Diät", eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffreiche Kost mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, wäre demnach wohl die effektivste Möglichkeit, um gesund abzunehmen – das vor allem, ohne zu hungern. Nur ist sie nicht so populär wie ausgefallene Promi-Diäten mit Zwiebeln oder Schlangengift. Und auch so manchem Mager-Model würde eine ballaststoffreiche Ernährung helfen, sein Gewicht auf gesunde Art und Weise zu halten.

Einschnürender Abnehm-Trend

Das Geschäft mit Abnehmmethoden treibt mitunter seltsame Blüten. Neuestes "It-Piece" für Figurfanatiker: das "Malory Band" aus Großbritannien (benannt nach der Gründerin Penny Mallor). Was auf den ersten Blick aussieht wie eine normale Schnur, soll Abnehmwilligen den Weg zur Traumfigur ebnen.

Das Polyester-Band wird auf der Homepage als "externes Gewissen" angepriesen, als jemand, der einem "freundlich auf die Schulter tippt, während man überlegt, ob man noch ein Dessert bestellen soll". Kann man der süßen Versuchung nicht widerstehen, wird das Band enger (bzw. der Bauchumfang größer) und erinnert gnadenlos an die eigene Inkonsequenz.

Sylvia Neubauer von der Abnehmplattform KiloCoach (www.kilocoach.com) ist skeptisch: "Je nach Persönlichkeitstypus kann das Malory Band einen entsprechenden Anreiz zum Abnehmen bieten. Gewichtsänderungen zeigen sich aber auch ohne Messinstrumente."

Möglicher Fehlalarm

Wird die Schnur enger, kann das aber auch andere Gründe als eine Gewichtszunahme haben: "Man sollte bedenken, dass Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Kohlgerichte eine blähende Wirkung haben und den Bauchumfang auf natürliche Weise vergrößern – auch ohne Gewichtszunahme." So könne es vorkommen, dass das Band ein falsches Ergebnis vorgaukelt. "Das wäre kontraproduktiv für den weiteren Diäterfolg", sagt Neubauer. Auch vom finanziellen Standpunkt aus – das Band kostet knapp 30 Euro – hat Neubauer Bedenken: "Eine enge Jeans hat denselben Effekt, kann mindestens genauso motivieren – jedoch weitaus kostengünstiger."

Ungewöhnlich ist die Methode vielleicht, neu aber keineswegs: Schon die alten Ägypter schnürten sich ein Band um die Körpermitte, um zum Beispiel nach einer Geburt überschüssige Kilos wieder loszuwerden. Vielleicht findet sich der Schlüssel zur Traumfigur eben in den Geschichtsbüchern.

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