Wissen und Gesundheit
05.12.2011

Das explosive Leben des Alfred Nobel

Vom begabten Kind zum reichen Erfinder des Dynamits. Wie der Stifter des bekanntesten Wissenschaftspreises lebte.

Alfred Bernhard Nobel (1833 - 1896) ist vor allem als Stifter des Nobelpreises bekannt. Dass er aber auch ein begnadeter Erfinder war, zeigt ein Blick in seine Biografie. Als Sohn des Unternehmers Immanuel Nobel wurde er am 21. Oktober 1833 in Stockholm geboren. Sein Vater hatte es mit der Gründung von Hüttenwerken zu Wohlstand gebracht, was den jungen Nobel in den Genuss von Ausbildung bei Privatlehrern brachte - unter anderem im Fach Chemie. Bereits in jungen Jahren erwies sich der junge Nobel als Sprachgenie: Mit 17 Jahren sprach er fünf Sprachen - neben Schwedisch auch Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch. In der Maschinenfabrik seines Vaters in St. Petersburg absolvierte er die Maschinenbaulehre.

1850 trat Alfred Nobel seine erste Studienreise nach Paris an, bei der er seine Kenntnisse in Chemie vertiefte. Dort lernte er auch Ascanio Sobrero kennen, der drei Jahre zuvor das Nitroglycerin entdeckt hatte, es aber in der Praxis als für zu gefährlich hielt. Nobel dagegen beschäftigte sich fortan damit, das Nitroglycerin als Sprengstoff technik-tauglich zu machen. Zwischen 1860 und 1864 experimentierte er mit Sprengstoffen im Bergbau. 1863 erfand er zu diesem Zwecke die Initialzündung. Ein Jahr später kam es zu einem tragischen Zwischenfall: Bei einer Explosion seines Laboratoriums kamen sein Bruder und weitere Personen ums Leben. Daraufhin verboten die schwedischen Behörden ihm aufgrund der Gefährlichkeit weitere Experimente in Stockholm - worauf er kurzerhand sein Labor westlich der Hauptstadt verlegte.

Explosion

1866 kam es bei einem der zahlreichen Transporte von Nitroglyzerin zu einem Zwischenfall, bei dem eines der Transportgefäße undicht wurde und reines Nitroglycerin auf die mit Kieselgur ausgepolsterte Ladefläche des Transportwagens tropfte. Die entstandene breiige Masse erregte die Aufmerksamkeit der Arbeiter, so dass sie diesen Vorfall später an Nobel meldeten. Diesem gelang hierdurch endlich die ersehnte Herstellung eines sichereren Detonationssprengstoffes. Nobel ließ sich das im Mischungsverhältnis von 3: 1 optimierte Verfahren 1867 patentieren und nannte sein Produkt Dynamit.

Da der Bedarf an einem sichereren und trotzdem wirkungsvollen Sprengstoff zu dieser Zeit auch infolge der Blütezeit des Diamantenfiebers groß war, konnte Nobel durch seine Erfindung schnell ein Vermögen aufbauen. Seine Firmen lieferten Nitroglyzerin-Produkte nach Europa, Amerika und Australien. Nobel selbst reiste ständig, um seine Produkte zu verkaufen. Er besaß über 90 Dynamit-Fabriken in aller Welt. Außerdem entwickelte er synthetisches Gummi und Leder sowie künstliche Seide. Bis zu seinem Tod im Jahr 1896 hatte er 355 Patente angemeldet. Nobel war nicht verheiratet und ständig unterwegs. Der französische Schriftsteller Victror Hugo bezeichnete ihn als "Europas reichsten Vagabunden". Weniger bekannt ist, dass Alfred Nobel auch ein Theaterstück verfasste: Nemesis, eine Tragödie in vier Akten. Der gesamte Bestand wurde jedoch gleich nach seinem Tod bis auf drei Exemplare vernichtet, da man es als skandalös und blasphemisch empfand. Erst 2003 wurde das Buch veröffentlicht, und zwar in einer zweisprachigen Ausgabe auf Schwedisch und Esperanto (übersetzt von Gunnar Gällmo). Mittlerweile liegen Übersetzungen auf Slowenisch (2004)[2], Italienisch (2005), Französisch (2008) und Spanisch (2008) vor.

Im Alter von 43 Jahren gab er übrigens eine Zeitungsanzeige auf: "Reicher, hochgebildeter älterer Gentleman sucht eine sprachbegabte Dame im fortgeschrittenen Alter als Sekretärin und Haushaltshilfe". Die qualifizierteste Bewerberin war eine Österreicherin, Gräfin Bertha Kinsky - die spätere Bertha von Suttner. Nachdem sie für zwei Wochen Zeit für Nobel gearbeitet hatte, entschied sie sich jedoch, Graf Arthur von Suttner zu heiraten.

Nobel wurde 1884 als Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften aufgenommen, die gleiche Akademie die er später für zwei Nobelpreise zuständig machte. 1891 zog er ins italienische San Remo, wo er fünf Jahre später starb.

Das Testament

Da Nobel kinderlos blieb, veranlasste er, dass mit seinem Vermögen von etwa 31,2 Millionen Kronen eine Stiftung gegründet werden sollte. Ein Jahr vor seinem Tod setzte er in Anwesenheit einiger Freunde, aber ohne Anwalt, sein Testament auf. Den größten Teil seines Vermögens führte er der Stiftung zu:
"Das Kapital, vom Testamtentsvollstrecker in sicheren Wertpapieren realisiert, soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben. Die Zinsen werden in fünf gleiche Teile geteilt, von denen zufällt: ein Teil dem, der auf dem Gebiet der Physik die wichtigste Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat; ein Teil dem, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat; ein Teil dem, der die wichtigsten Entdeckung auf dem Gebiet der Physiologie oder der Medizin gemacht hat; ein Teil dem, der in der Literatur das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat; und ein Teil dem, der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat."
Weiterhin hieß es:
"Es ist mein ausdrücklicher Wille, dass bei der Preisverleihung keine Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu irgendeiner Nation genommen wird, so dass der Würdigste den Preis erhält."
Nobel legte auch fest, dass die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften die Auszeichnungen für Physik und Chemie vergibt, das Karolinska Institut den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin und die Schwedische Akademie den für Literatur. Während es sich bei diesen Institutionen um wissenschaftliche handelt, ist für die Vergabe des Friedensnobelpreises eine vom norwegischen Parlament bestimmte Kommission, das Norwegische Nobelpreiskomitee, zuständig.
Die Gründung der Nobel-Stiftung erfolgte 1900. Im Jahr darauf, an Nobels fünftem Todestag, wurden die Nobelpreise erstmals verliehen.