Wissen und Gesundheit
16.01.2018

COPD: Neuer Therapie-Ansatz gibt Hoffnung

Forscher wollen direkt in Entzündungsprozesse eingreifen und bestimmte Enzyme hemmen.

Die chronische Lungenkrankheit COPD (chronic obstructive pulmonary diesease, auf deutsch chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist auf dem Vormarsch: Weltweit wird sie 2020 die dritthäufigste Todesursache sein, vermuten Experten. Besonders Raucher sind gefährdet, diese Erkrankung der Atemwege langsam zu entwickeln: Die Atemwege verengen sich und verursachen mit der Zeit chronische Entzündungen, die zu Husten und Atemnot führen - und irreversiblen Schädigungen des Lungengewebes. Medikamente, die die Erkrankung an der Wurzel bekämpfen, gibt es bislang nicht. Die Patienten werden unter anderem mit anti-entzündlichen Cortikosterioden zum Inhalieren behandelt.

In Entzündungsprozesse eingreifen

Nun haben deutsche Forscher einen vielversprechenden Ansatz gefunden, um die Entzündungsprozesse einzugreifen. Dieser wird durch bestimmte Enzyme - die Proteinkinasen - gesteuert, die bei Reizung überreagieren und den Körper anregen, noch mehr Entzündungsstoffe zu produzieren. Die Entzündungsprozesse sind aber wesentlich für das Hemmen oder Fortschreiten der Krankheit. Bisherige Medikamente konnten hier nur unzureichend helfen.

Enzymtätigkeit bremsen

Die Wirkstoffe RV 1088 und RV 568 könnten die Fähigkeit haben, die Enzymtätigkeit zu bremsen. Sie zählen zu den sogenannten Narrow Spectrum Kinase Inhibitors“ (kurz NSKI), schreibt das Forscherteam in ihrer Studie, die im Magazin "Journal of Allergy and Clinical Immunology" veröffentlicht wurde.

Bei Zellkulturen erfolgreich

Das war bisher zumindest im Laborversuch mit Zellkulturen erfolgreich. Forscher hatten Atemwegsmuskeln gezüchtet, die jenen von COPD-Patienten entsprechen. Die beiden Wirkstoffe zeigten dabei bessere Ergebnissse als bisher eingsetzte Medikamente: Sie hemmten Teile oder sogar ganze Familien der Proteinkinasen. „Unsere Studie zeigt, dass NSKI vielversprechende Kandidaten sind, um dringend benötigte anti-entzündliche Therapien bei COPD zu entwickeln“, betont Forscher Jürgen Knobloch von der pneumologischen Klinik am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Nun sollen die vielversprechenden Wirkstoffe weiterentwickelt werden. „Die neuen potenziellen Wirkstoffe könnten einen Durchbruch bei der Behandlung der COPD bedeuten“, so das Fazit der Studienautoren.