Wissen
28.03.2018

Bärinnen behalten Nachwuchs wegen Jagddrucks länger bei sich

Forscher zeigen, wie menschliches Verhalten den Lebensrhythmus der Bären in Schweden verlangsamt.

Einen auf den ersten Blick paradoxen Effekt der Jagd auf Braunbären in Schweden hat ein Forschungsteam mit österreichischen Beteiligung gefunden. Im Gegensatz zu der Annahme, dass bejagte Tiere sich eher rascher vermehren müssen, behalten dort viele Bärinnen ihren Nachwuchs länger bei sich. Das ist eine Folge der Jagdvorschriften, zeigen die Wissenschaftler im Fachblatt Nature Communications.

Bereits seit Mitte der 1980er-Jahre folgen Forscher vor allem der Entwicklung der schwedischen Braunbär-Population. Im Rahmen des "Scandinavian Brown Bear Project" werden beispielsweise mit Sendern Informationen über die Lebensweise der Tiere gesammelt. Seit dem Ende der 1990er-Jahre ist auch Andreas Zedrosser, der am University College of Southeast Norway und am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien tätig ist, an dem Projekt beteiligt.

Bejagung im Familienverband verboten

Daten aus zwei Jahrzehnten zu den Überlebens- und Reproduktionsraten zeigen nun, wie sehr die Jagd das Verhalten der Tiere verändert. In Schweden werden jedes Jahr immerhin rund zehn Prozent der insgesamt etwa 3000 Braunbären geschossen. Sind sie jedoch im Familienverband unterwegs, dürfen sie nicht gejagt werden.

Das Wissenschaftlerteam um die kanadische Forscherin Joanie Van de Walle zeigte nun, welche Auswirkungen dies hat: In der Regel behalten weibliche Bären ihre Jungen eineinhalb Jahre bei sich. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte nahm aber die Zahl jener Bärinnen zu, die ihren Nachwuchs zweieinhalb Jahre bei sich behielten.

Weniger Möglichkeiten zur Fortpflanzung

Das verlängerte Kinderhüten hat zur Folge, dass sie weniger Möglichkeiten zur Fortpflanzung haben. Aufgrund der geltenden Jagdbestimmungen überwiegen aber die Vorteile der höheren Überlebensraten für Mutter und Nachwuchs die Nachteile der selteneren Fortpflanzung. Hier werde klar, wie menschliches Verhalten bei Tieren ein eher unübliches Verhalten in relativ kurzer Zeit fördern kann.

"Unsere Studie zeigt, dass Jagdbestimmungen indirekt zu langsameren Lebenszyklen führen kann", schreiben die Wissenschaftler. Das sei interessant, da bisher oft beobachtet wurde, wie Jagddruck zu Fortpflanzung in jüngerem Alter führte und Tiere zu einem insgesamt schnelleren Lebensrhythmus nötigte.