Wissen
28.09.2017

Aus Darm geholt: 2-Jährige verschluckte 28 Magnete

Da die Magnetkügelchen rechtzeitig entdeckt wurden, konnten Organschäden verhindert werden.

In Denver im US-Bundesstaat Colorado wurden einem zweijährigen Mädchen kürzlich 28 Magnete aus dem Darm entfernt. Ella McBrien, so der Name des Kindes, verschluckte die Magnete, als ihr Vater Kyle McBrien sie für kurze Zeit in seinem Arbeitszimmer alleine ließ, um auf die Toilette zu gehen. Das berichtet der US-Sender FOX31 Denver. Als der Mann zurück ins Zimmer kam, hatte das Kind die Magnete, die zu einem Schreibtischspielzeug namens Neocube gehörten, in der Hand.

Gefährliche Magnete

Neocube ist ein Schreibtischspielzeug, das aus mehreren Magnetkügelchen besteht. Es dient unter anderem als Kreativ-Spiel, Anti-Stress-Spielzeug oder Dekorationsobjekt. Die einzelnen Magnetkugeln sind individuell beweglich und können auf unterschiedliche Arten angeordnet werden. Aufgrund potenzieller Gefahren für Kinder wurde in der Vergangenheit vermehrt versucht, Neocube und ähnliche Magnetspielzeuge zu verbieten.

Weil Kyle McBrien wusste, dass sein Kind gerne Spielsachen in den Mund nimmt, fuhr er sofort mit ihm ins Krankenhaus. Im Children's Hospital Colorado wurden Röntgenaufnahmen angefertigt, auf denen zu sehen war, dass die Magneten sich im Darm des Mädchens bereits kreisförmig zusammengeschlossen hatten. Zwei der sich anziehenden Kugeln hatten zudem ein Stück des Darms durchstoßen.

Keine Organschäden

Nachdem der erste Versuch, die Teilchen zu entfernen, scheiterte, wandte der behandelnde Arzt und Leiter der Endoskopiestation am Children's Hospital Colorado, Robert Kramer, ein spezielles Verfahren an. Um alle 28 Kugeln aus dem Körper der jungen Patientin zu entfernen, wurde ihr über den Mund ein langes Röhrchen bis in den Darmbereich eingeführt. Eine Operation konnte so letztendlich vermieden werden. "Wir sehen solche Fälle immer wieder", sagte Kramer im Interview mit FOX31 Denver. Löcher im Darm, die durch magnetische Kleinteile verursacht werden, könnten bei Kindern im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Erhöhtes Gefahrenpotenzial

"Es gibt immer wieder Fälle, wo Kinder kleinere Gegenstände verschlucken", erläutert Andreas Dóczy, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien, gegenüber Pressetext. Oft handle es sich um Spielsachen, die aus medizinischer Sicht eher ungefährlich seien und wieder ausgeschieden würden. "Manchmal werden allerdings auch gefährlichere Gegenstände verschluckt, wie etwa Knopfbatterien. Das kann dann zu Verätzungen und Blutungen im Körper führen und muss schnell behandelt werden", betont Dóczy.

In Bezug auf den Fall aus den USA habe dem Experten zufolge ein erhöhtes Gefahrenpotenzial vorgelegen: "Das Gefährliche an Magneten ist, dass sie sich auch im menschlichen Körper immer den nächsten Pol suchen – auch durch die Magen- und Darmwände hindurch. Man muss sich das so vorstellen: Der Darm windet sich über mehrere Meter entlang. Wenn dort Magnete an unterschiedlichen Stellen feststecken, ziehen sie sich gegenseitig an und führen so zu einer Verformung des Gewebes. Das erzeugt einen Stau, der letztendlich den Darm inaktiv werden lässt."

Inhalierter Playmobil-Hut

Erst kürzlich hatte der Fall eines 47-jährigen Briten, der im Alter von sieben Jahren ein Playmobil-Hütchen verschluckt hatte, für Schlagzeilen. Weil er an hartnäckigem Husten litt, suchte er Rat bei einem Arzt. Auf Röntgenaufnahmen der Lunge zeigten sich schließlich Auffälligkeiten im Gewebe. Als bei dem 47-Jährigen eine Lungenspiegelung durchgeführt wurde, fanden die Ärzte jedoch kein Krebsgeschwür, sondern das alte Spielzeug-Hütchen (mehr dazu hier).