Wissen und Gesundheit
17.01.2012

Artikel bringt Yoga in Verruf

Ein Zeitungsbericht verunsichert Yoga-Fans. Heimische Experten empfehlen, auf qualifizierte Lehrer zu achten.

Seit Jahren gilt Yoga für Millionen Praktizierende als entspannende und dennoch effektive Alternative zu körperlich anstrengenden Sportarten. Jetzt ist Schluss mit der Ruhe. Seit ein Artikel der New York Times mit dem Titel „Wie Yoga deinen Körper ruinieren kann“ erschien, fühlen sich 20 Millionen US-Yogis düpiert und sind verärgert.

Die Zeitung berichtet von gebrochenen Rippen, kaputten Hüftgelenken, Rückenschmerzen und schwerwiegenden neurologischen Schäden, die durch falsches oder zu exzessives Praktizieren der „Asanas“ genannten Übungen aufgetreten seien. Der langjährige Yoga-Lehrer Glenn Black meint gar, die meisten Leute sollten Yoga überhaupt aufgeben und sich für sie passenderen Bewegungsmethoden widmen. Häufig litten sie an tiefer liegenden körperlichen Problemen, die sich durch die Übungen erst recht zu ernsthaften Krankheiten auswachsen können.

„Dieser Aspekt kommt in der Öffentlichkeit gar nicht vor“, kritisiert Black. Vielmehr führe die Beliebtheit von Yoga dazu, „dass sich Städter, die den ganzen Tag sitzen, nach der Arbeit in schwierigen Positionen verrenken“. Der Trend – 20 Millionen US-Amerikaner geben an, Yoga zu betreiben – führe auch zur Eröffnung vieler neuer Studios. Oft mit unerfahrenen Lehrern, „die wenig über die Anatomie des Körpers wissen und ihre Schüler anspornen, den Körper überzustrapazieren“.

In der heimischen Yoga-Szene sorgt der Artikel für Diskussionen. „Wir treten für einen qualifizierten Yoga-Unterreicht ein und kritisieren seit langem, dass mit Kurz-Ausbildungen viel Schaden angerichtet werden kann“, heißt es bei Yoga-Austria, dem Berufsverband der Yoga-Lehrenden. „Yoga kommt traditionell aus der Meditation und führt in die Meditation“, sagt Vorstandsmitglied Alexandra Eichenauer-Knoll. Der Verband ist Mitglied einer europäischen Dachorganisation, die sich für eine vierjährige Ausbildung einsetzt. Gerade aus den USA kämen immer neue Yoga-Stile zu uns – „mit professionellem Marketing und großem Selbstbewusstsein“.

Üben

Auch in der Wiener Yoga-Schule „pure yoga“ setzt man auf kontinuierliches, auf das körperliche Können ausgerichtete Üben. „Es gibt mehrere Serien von Übungen. Die Asanas sind in einer festgelegten Abfolge zu praktizieren, jedes ist betreffend Kraft und Flexibilität aufbauend und auf das nächste abgestimmt. Daher übt jeder Praktizierende, abhängig von seiner Konstitution, diese Abfolge nur bis zu einem bestimmten Asana, das ihm vom Lehrer als letztes vorgegeben wurde.“

Da die Abfolgen immer komplexer werden, sei das Beherrschen der jeweiligen Serie eine wichtige Grundvoraussetzung. „Sie bringt die notwendigen Voraussetzungen an Flexibilität und Körperkraft.“ Wer Yoga richtig lernen will, sollte sich also viel Zeit nehmen. Denn: „Schon die erste Serie zu meistern, kann abhängig von Alter und grundsätzlicher körperlicher Konstitution einige Jahre täglicher Übung benötigen.“

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund