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Natur
01/03/2017

Der Wolf ist Tier des Jahres 2017

Die "Arten des Jahres" stehen fest. Auch ein Esel und eine rote Blume werden vor den Vorhang geholt.

von Hedwig Derka

Igel, Wildkatze und Wolf standen zur Wahl, Isegrim machte das Rennen. Der Naturschutzbund (Nabu) Österreich kürte den Hundeartigen im Mehrheitsbeschluss zum "Tier des Jahres 2017": "Der Wolf gehört zum natürlichen Arteninventar Österreichs, dementsprechend positiv sehen wir seine selbstständige Rückkehr. Er soll nicht ein zweites Mal verloren gehen", begründet der Nabu seine Entscheidung.

Naturschützer und Wissenschaftler – von Birdlife über den Fischereiverband bis zum Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen – haben "ihre" Tiere und Pflanzen zur Art des Jahres ernannt. Sie wollen damit das Bewusstsein für Gottesanbeterin ("Insekt der Jahres") und Klatschmohn ("Blume des Jahres"), Große Teichmuschel ("Weichtier des Jahres") und Sumpf-Bovist ("Pilz des Jahres") sowie die anderen Ausgewählten (www.naturschutzbund.at) schaffen. Und auf deren Gefährdung aufmerksam machen.

"Der Wolf polarisiert", sagt Ingrid Hagenstein vom Nabu. Gerade Bauern, Almbewirtschafter und Jäger stehen dem großen Beutegreifer skeptisch gegenüber. "Wir wollen aufklären, eine sachliche Diskussionen mit allen Betroffenen ermöglichen, und helfen, dass sich etwas verbessert." Wölfe haben wieder eine Zukunft in Österreich. Die Lebensbedingungen für die Raubtiere haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Waldfläche nimmt zu, das Nahrungsangebot ist üppig wie lange nicht mehr. Schutzrichtlinien schreiben den Erhalt des Rückkehrers, der auf der österreichischen Roten Liste gefährdeter Tierarten als ausgerottet eingestuft ist, vor. "Für den Wolf ist es bei uns schon fünf nach zwölf. Wir müssen die Negativstimmung ändern", sagt die Nabu-Expertin.

Andere Arten des Jahres sind bereits Sympathieträger. Der Weiße Barockesel – "Nutztier des Jahres" – galt schon in seiner namengebenden Epoche als "Lichtbringer", das Statussymbol stand für das Gute. Heute gilt die Rasse als hoch gefährdet: Die Zahl der im Zuchtbuch eingetragenen paarungsfähigen Tiere beträgt 110 Hengste und 159 Stuten.

Auch der Seesaibling erfreut sich großer Beliebtheit. Der feine Speisefisch aus den Alpenseen trug den Titel "Fisch des Jahres" bereits 2005. Doch die Bestände konnten sich bis jetzt nicht wirklich erholen, auch der prognostizierte Anstieg der Wassertemperatur wird dem Lachsfisch zusetzen.

Verhältnismäßig gut geht es der Blindschleiche. Das "Reptil des Jahres" gehört zu Österreichs häufigsten Kriechtieren. Ebenso zählt der "Vogel des Jahres" – der Waldkauz – zu den Überfliegern. Er ist eine der am weitesten verbreiteten Eulen in Mitteleuropa. Trotzdem: ",Häufig‘ heißt noch lange nicht, dass die Art nicht vom Aussterben bedroht ist; es geht ihr nur im Vergleich zu anderen Arten besser", erklärt Hagenstein. So sind alle Reptilien und alle Amphibien existenziell bedroht, ihre Lebensräume schrumpfen drastisch.

Intensive landwirtschaftliche Nutzung und Verbauung machen auch dem Klatschmohn zu schaffen. Verschwindet die "Blume des Jahres" hat das auch Folgen für viele Bestäuber. Schmetterling, Hummel oder Biene könnten damit schon bald als "Art des Jahres" hervorgehoben werden.

Der Verlust von Lebensraum, die Erderwärmung sowie illegale Geschäfte tragen global dazu bei, dass Flora und Fauna vielerorts bedroht sind. Nie zuvor war die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN länger: Mehr als 24.300 Tier- und Pflanzen-Arten gelten als gefährdet. Der WWF zieht für 2016 Bilanz – und macht neben Verlierern auch Gewinner aus.

Gefährderter Löwe

Der Löwe, einst Herrscher der Savannen, zählt zu den Verlierern. In Afrika gibt es mittlerweile höchstens 39.000 Exemplare. Ihr Lebensraum schrumpfte in den vergangenen 50 Jahren um 75 Prozent. Die Raubtiere werden zudem von Bauern und Wilderern getötet.
Die Zahl der Giraffen ging rapide auf aktuell 97.000 zurück. Ihre angestammten Gebiete werden zerstückelt oder in Plantagen umgewandelt. Darüber hinaus ist ihr Fleisch begehrt.
Vom Afrikanischen Savannenelefanten gibt es derzeit nur noch rund 350.000 Tiere. Die Bestände nehmen jährlich um acht Prozent ab. Verantwortlich dafür ist vor allem Wilderei im großen Stil.


Der Walhai gilt seit 2016 als stark gefährdet. Veränderungen in der Ozeantemperatur und der chemischen Zusammensetzung des Wassers bedrohen den größten Fisch. Die Riesen werden gezielt gejagt oder verenden als Beifang in den Netzen.
„Meist ist es nicht ein einzelner Grund, der das Aussterben einer Art besiegelt, aber fast immer steckt der Mensch dahinter“, heißt es beim WWF. So hat es oft der Mensch in der Hand, das Überleben einer Art zu sichern. Damit gibt es aber auch Gewinner des Jahres:
Der illegale Handel mit Tigerprodukten floriert zwar. Doch wurde bei der jüngsten Artenschutzkonferenz Chinas Antrag auf Ausschluss von Tigerfarmen abgelehnt. Gleichzeitig verkündete Laos, seine Tigerfarmen zu schließen.

Graupapageien in der Wildbahn

Graupapageien sind beliebte Haustiere. Weil die Nachfrage so groß ist, werden sie in freier Wildbahn gefangen und als angebliche Zuchtvögel verkauft. In den vergangenen Jahren sind die Wildpopulationen deshalb stark eingebrochen. Einige Länder haben sich nun bei der Artenschutzkonferenz dafür ausgesprochen, Graupapageien in die höchste Schutzkategorie aufzunehmen. Dies verbessert die Kontrollen und erschwert den Betrug bei der Herkunftsdeklaration der Zuchtvögel.
Ein Drittel aller Adeliepinguine und ein Viertel aller Kaiserpinguine sind im Südpolarmeer beheimatet. Dieses ist eines der letzten unberührten Meere und spielt künftig als Rückzugsraum für kälteliebende Arten eine große Rolle. Kürzlich wurde dort ein 1,5 Millionen Quadratkilometer großes Gebiet unter Schutz gestellt.

Bedrohtes Ökosystem

Neben den bewusst geförderten und geschützten Arten, begünstigt der Mensch auch unbeabsichtigt die Ausbreitung von unerwünschten Tieren und Pflanzen. So zählen Rotfeuerfisch und Kirschessigfliege zu den ungeliebten Gewinnern: Der Fisch aus dem Indischen Ozean fühlt sich zunehmend im warmen Mittelmeer wohl und bringt dort das Öko-System aus dem Gleichgewicht. Der geflügelte Schädling wiederum, der aus dem asiatischen Raum eingeschleppt wurde, befällt nun immer mehr Obst in Mitteleuropa.

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