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08/06/2012

Arbeitsmedizin: Für jeden Typ die richtige Pause

Wer weiß, wie er am besten abschaltet, ist nicht nur im Job produktiver, sondern fühlt sich danach weniger ausgelaugt.

von Laila Daneshmandi

Wer seine erste Pause erst zum Mittagessen macht, ist definitiv zu spät dran. Ein Großteil der Energie ist bereits verbraucht und wer sein Weckerl auch noch direkt am Arbeitsplatz verdrückt, kann in der Pause nicht einmal seinen Kopf abschalten. Dabei können kleine Auszeiten, die schon früh eingelegt werden, die Leistung über den Tag viel besser erhalten – das ergab eine aktuelle Studie an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Der Arbeitspsychologe Univ.-Prof. Wolfgang Kallus ist langjähriger Experte auf dem Gebiet Stress und Erholung und empfiehlt eine Pausenkultur nach der „Pago-Metapher": „Hierbei sehe ich die Arbeitsmenge als Pago-Getränk und die Pausen, die ich einlege, als Wasser. Frühe Verlängerungen sind viel effektiver für die Energie, als wenn schon 80 Prozent vom Saft weg sind." Richtig eingesetzt, bleibt sogar noch am Abend Energie übrig. Im Handwerk war es früher durchaus üblich, schon früh kleine Pausen einzulegen, doch diese Pausenkultur ist laut Kallus verloren gegangen.

„Das sind keine Zeiten, wo der Arbeitnehmer faul ist, sondern er sorgt dafür, dass er den ganzen Tag über fit bleibt." Bei den Olympischen Spielen würden auch strukturiert Pausen eingehalten, um die Leistung top zu halten. Kallus rät daher: „Ich würde dringend Zigarettenpausen empfehlen – nur ohne Zigarette."

Regeneration

Wie diese Auszeiten gestaltet werden, ist vor allem abhängig von der jeweiligen Tätigkeit: „Wichtig ist, dass man dabei abschalten kann, sonst setzt keine Regeneration ein." Im Rahmen der Studie, an der 64 Finanzbeamte teilnahmen, hörte eine Gruppe während ihrer Pause agility waves – hierbei hörten die Probanden über Kopfhörer zwei Töne unterschiedlicher Frequenzen. Der pulsierende Ton, der dabei entsteht, wurde mit Meeresrauschen unterlegt. Eine weitere Gruppe machte Muskelentspannungs-Übungen und die dritte Gruppe verbrachte ihre Pause mit Stretching.

Bei den älteren Arbeitnehmern stellten sich die agility waves und das Stretching als besonders wirksam heraus. Die jüngeren Studienteilnehmer sprachen eher auf das Muskelentspannungstraining an. „In der Pause ist es gut, etwas zu tun, was man individuell als günstig empfindet", sagt Kallus. „Manchen hilft es, nach innen zu hören und sich zu entspannen – andere fühlen sich besser, wenn sie Übungen oder Gymnastik machen. Aber auch ein kurzes Gespräch mit einem netten Kollegen kann entspannend wirken."

Der Erholungsexperte betont, dass bei der Änderung der Pausenkultur sowohl die Arbeitgeber, wie auch die Arbeitnehmer gefordert sind. „Das ändert sich nicht von alleine. Wenn ich es schaffe, diese Gewohnheiten zu ändern, kann ich ganz gewaltige Leistungsspitzen erreichen."

Schichtarbeit: Höheres Risiko für Herzprobleme

Schichtarbeiter haben ein höheres Risiko eine Herzattacke oder einen Schlaganfall zu erleiden, berichten kanadische und norwegische Wissenschaftler nach der Analyse von 34 Studien mit mehr als zwei Millionen Arbeitnehmern im British Medical Journal. Dabei kam heraus, dass das Risiko für einen Herzinfarkt bei Schichtarbeitern um 23 Prozent erhöht ist. Bisher wurde Schichtarbeit mit hohem Blutdruck und Diabetes in Verbindung gebracht.

Laut Studienleiter Dan Hackam neigen Schichtarbeiter eher zu Schlafstörungen und schlechter Ernährung: „Sie sind die ganze Zeit auf den Beinen und haben keine klaren Ruhezeiten. Ihr Nervensystem ist permanent aktiv und das ist schlecht für Probleme wie Übergewicht und Cholesterin.“ Die Autoren empfehlen die Vermeidung ständiger Nachtschichten, ihre Begrenzung auf maximal zwölf Stunden und zwei Tage normalen Schlaf zwischen Tag- und Nachtschichten.

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