Wissen
30.07.2018

Anpassungskünstler Mensch: Warum nur Homo sapiens überlebt hat

Unserer Spezies ist es als einziger gelungen, extreme Regionen wie Wüsten, Eiswelten und Berge zu besiedeln.

Schauen wir einmal 300.000 Jahre zurück: Da bevölkerten Neandertaler, Homo erectus, Homo naledi, Denisova-Mensch, Homo floresiensis und Homo sapiens die Welt – eine bunte Mischung aus verschiedenen Hominiden. Und heute? Sind nur wir – der Homo sapiens – übrig.

Die Frage, warum das so ist, beschäftigt die Wissenschaft seit Langem: War es unser fortschrittliches Gehirn oder unsere Fähigkeit zu abstraktem Denken, die uns überleben ließ, während die anderen Arten ausstarben? Oder waren wir aggressiver und haben den Neandertaler gar höchstpersönlich ausgerottet?

Nichts davon, glaubt Patrick Roberts. Der Wissenschaftler vom Department Archäologie am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena hat etwa 150 archäologische und paläoökologische Studien, die sich mit der Hominiden-Verbreitung innerhalb und außerhalb Afrikas im mittleren und späten Pleistozän (vor 300.000 bis 12.000 Jahren) beschäftigen, durchleuchtet und sagt: „Niemand hat sich bisher die ökologischen Gegebenheiten angeschaut“. Er und sein Team haben genau das ein Jahr lang getan und herausgefunden, dass Homo sapiens der Einzige unter den vielen Hominiden ist, der es geschafft hat, praktisch jeden Winkel dieser Erde zu erobern.

Egal ob lebensfeindliche Wüsten, undurchdringliche tropische Regenwälder, raue Hochländer oder Arktis-Regionen – Homo sapiens hat sich dort angesiedelt und überlebt, argumentiert der Forscher im Fachmagazin Nature Human Behavior.

Viele Ausgerottete

Obwohl alle Hominiden der Gattung Homo oft als „menschlich“ bezeichnet werden, ist diese evolutionäre Gruppe, die vor etwa drei Millionen Jahren in Afrika entstand, sehr vielfältig. Homo erectus beispielsweise hat es vor einer Million Jahren nach Spanien, Georgien, China und Indonesien geschafft. Allerdings dürfte er einfach seinem bevorzugten Lebensraum gefolgt sein – dem Wald und Grasland, sagt Roberts im Interview mit dem KURIER. Auch, dass Neandertaler angeblich auf ein Leben im Eurasischen Hochland spezialisiert und an kalte Temperaturen angepasst waren, kann der Archäologe nicht bestätigen: Eine Überprüfung der Beweise habe ergeben, „dass auch der Neandertaler wohltemperiertes Grasland und Regionen mit Wäldern bevorzugte“.

Wie der Homo sapiens zum Anpassungskünstler wurde, bleibt Spekulation: „Wir haben bessere Kommunikationsfähigkeiten und sind fähig, auch außerhalb der Sippe Kontakte zu knüpfen“, glaubt Roberts. So könnten Fähigkeiten rasch weitergegeben werden – und damit auch das Wissen, wie man es sich in unwirtlichen Regionen trotzdem bequem macht.