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Umwelteinfluss
04/09/2014

Am Ende des Chromosoms

Die Zellen sozial benachteiligter Kinder altern schneller als jene von Oberschicht-Kids.

von Martin Burger

Der Verdacht besteht schon lange. Die Schluss-Abschnitte der Chromosomen, die Telomere, könnten ein Indikator für die Jugendlichkeit oder Reife einer Zelle und letztlich des ganzen Organismus sein. Untersucht wurde das bislang an Erwachsenen, nun legt ein Forscherteam um Daniel Notterman von der Pennsylvania State Universität eine Untersuchung an afroamerikanischen Buben (9 J.) vor, die unter chronischem, psychosozialen Stress leiden und auffällig kurze Telomere tragen.

"Wir stellen einen signifikanten Zusammenhang fest, zwischen geringem Einkommen, geringem Bildungsgrad der Mutter, labilen Familienverhältnissen sowie harten Erziehungsmethoden und der Länge der Telomere." Das schreiben die Autoren in der Einleitung ihrer Studie, die im Fachjournal PNAS erschienen ist.

Zwischen Umwelt und Gesundheit besteht ein tief gehender Zusammenhang. Von Untersuchungen an Erwachsenen ist bekannt, dass etwa Menschen, die unter Depressionen leiden, kürzere Telomere besitzen. Bei bestimmten Gruppen von Kindern aus unteren sozialen Schichten scheint es nun so zu sein, dass sich ihre Telomere schneller verschleißen als bei gleichaltrigen Kindern aus der Oberschicht.

Aber Vorsicht! Die Studie wurde anhand von 40 Kindern durchgeführt, die oft angeschrien und geschlagen werden, deren Mütter alleinerziehend sind oder häufig den Partner wechseln. Noch dazu sind diese Kinder Träger bestimmter genetischer Varianten, die sie sensibel auf Umwelteinflüsse reagieren lassen. Kein Wunder, dass die Fachwelt rätselt, wie sie die PNAS-Studie bewerten soll.

Die Abnutzung der DNA-Endstücke, der Telomere, ist an sich ein normaler Vorgang. Bei jeder Zellteilung wird ein kurzes Stück am Ende des Chromosoms geopfert. Ist das Telomer aufgebraucht, stoppt die Zellteilung, die Zelle hat das Greisenalter erreicht.

Ein vergleichbares Ergebnis hat die Veterinärmedizinische Universität Wien vorgelegt. Einsamkeit kann das Erbgut schädigen, das ergab eine Studie an Graupapageien. Einzeln gehaltene Tiere zeigen kürzere Endkappen als Tiere, die mit Artgenossen gehalten wurden, berichten die Forscher im Fachmagazin Plos One. Die Wissenschaftler haben DNA-Proben von Tieren im Alter zwischen einem und 45 Jahren analysiert. Bei gleich alten Papageien sind die Chromosomen-Enden bei Solo-Vögeln deutlich kürzer als jene von Vögeln, die nicht allein sind.

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