Wissen
14.08.2018

Wer Mächtigen misstraut, geht eher zu Wunderheilern

Je mehr Menschen zu Verschwörungstheorien tendieren, desto eher glauben sie an alternative Heilmethoden.

Menschen, die Machtstrukturen misstrauen, sind oft auch skeptisch gegenüber Schulmedizin und bevorzugen alternative Heilmethoden. Das zeigt eine Studie der Universität Mainz, die im Fachjournal „Social Psychology“ veröffentlicht wurde. 600 Personen aus den USA und aus Deutschland wurden befragt.

Sie sollten etwa angeben, wie sie über die Wirkung unterschiedlicher schul- und alternativmedizinischer Verfahren denken. Abgefragt wurde ihre Meinung etwa zu Antibiotika, Bluttransfusionen, Homöopathie, Bachblüten- und Aromatherapie. Sie sollten auch die Wirkung eines fiktiven pflanzlichen Präparats einschätzen, wovon einigen der Teilnehmer erklärt wurde, dass es von einem Pharmahersteller entwickelt wurde, einem anderen Teil wurde mitgeteilt, dass das Medikament auf die Initiative einer Patientengruppe zurückgeht.

Verschwörungstheoretiker ablehnend

Das Ergebnis: Je mehr die Teilnehmer zu Verschwörungstheorien tendierten, desto eher lehnten sie schulmedizinische Heilmethoden wie Antibiotika und Impfungen ab. Stattdessen befürworteten sie alternative Heilverfahren. Menschen mit sogenannten Verschwörungsmentalität glauben laut Psychologen daran, dass die Welt von verborgenen Mächten beherrscht wird. Häufig sind diese Menschen Anhänger verschiedener Verschwörungstheorien und empfinden sich selbst eher als machtlos.

„Wir haben einen eindeutigen Zusammenhang gefunden. Je stärker die Verschwörungsmentalität einer Person ausgeprägt ist, desto mehr befürwortet sie alternative Verfahren und lehnt konventionelle Heilmethoden ab“, sagt Studienautorin und Psychologin Pia Lamberty. Bei den deutschen Studienteilnehmern sei dieser Zusammenhang noch deutlicher gewesen als bei den amerikanischen. Menschen mit Verschwörungsmentalität beurteilten auch die Wirkung fiktiver Medikamente positiver, wenn sie nicht von einem Pharmakonzern entwickelt wurden.

Persönlichkeit für Heilung wichtig

Laut den Studienautoren könnten diese Erkenntnisse wichtig für das Gesundheitswesen sein. Denn: Wie ein Patient seine Krankheiten auffasse, was er als Ursache ansehe und welche Behandlung er bevorzuge, hänge in diesen Fällen weniger von rationalen Überlegungen ab. Stattdessen seien eher ideologiegeprägte Persönlichkeitsmerkmale ausschlaggebend. Allerdings schreiben die Autoren auch: „Nicht jeder, der zu alternativen Heilmitteln greift, glaubt an Verschwörungstheorien.“