Wissen und Gesundheit
10.04.2017

Wie Farbe und Muster auf die Ostereier kamen

Die bunt-verzierten Meisterwerke haben lange Tradition. Eine Ausstellung in Wien zeigt die unterschiedlichen Dekor-Techniken.

Das Federkleid lässt keine Schlüsse auf die Farbe der Eier zu, dafür die Ohrscheiben: Reinrassige Hühner mit weißen Hautlappen bei den Lauschern bebrüten in der Regel weiße Eier, Rassehennen mit roten Ohrscheiben sitzen meist auf braunem Gelege. Die Natur färbt Vogeleier semmelgelb bis mahagoni, blau bis türkis und sprenkelt sie mit winzigen Tupfen oder großen Flecken oder lässt sie uni.

Menschen versuchen seit jeher den fragilen und gleichzeitig robusten Eiern ihre Handschrift zu verpassen. 60.000 Jahre alte verzierte Straußeneier aus dem Süden Afrikas liefern den Beweis. Auch die Sumerer und Ägypter vor 5000 Jahren gaben ihren Toten bearbeitete Rieseneier mit ins Grab.

Christlicher Brauch

Das Verschönern von Schalen ist viel älter als die christliche Oster-Tradition. Mit den Bräuchen rund um die Auferstehung Jesu sind die gefärbten und bemalten Eier aber zum heutigen Aufputz geworden. Eine Ausstellung im Wiener Volkskundemuseum zeigt, dass das zerbrechliche Ziergut einst auch Prestigeobjekt, Geschenk und Lohn war.

Ei-Sammlung im Volkskundemuseum

"In der Kulturgeschichte des Menschen ist das Ei Sinnbild des Lebens, Zaubermittel oder Liebesgabe", sagt Nora Witzmann. Die Volkskundlerin hat "Alles Ei!" in der Wiener Laudongasse kuratiert. Und aus etwa 1000 Sammelstücken aus mehreren Ländern eine überschaubare Zahl an repräsentativen Zeitzeugen ausgesucht. Das älteste datierte Exponat stammt aus dem Jahr 1899. Die Auswahl fiel nicht leicht. In alten Tagen wurden Ostereier nicht ausgeblasen, so drang aus manchem Karton fauliger Geruch, Eier explodierten und eingetrocknete Dotter, die im Inneren hin und her rollten, erschwerten das punktgenaue Platzieren des Schaustücks. Das größte Problem: Der Bestand ist groß, aber nur von knapp der Hälfte der Eier sind Herkunft und Alter bekannt.

Zerbrechliches Geschenk

"Seit wann und warum Eier zu Ostern gefärbt werden, ist nicht eindeutig nachvollziehbar", sagt Witzmann. Im ausklingenden Mittelalter finden vor allem rot gefärbte Ostereier Erwähnung. Mit der Gegenreformation mehren sich Quellen über bunte Eier. Sobald sie nach den kargen Wintermonaten wieder verfügbar waren, wurden sie zu kleinen Kunstwerken gestaltet. Gefärbt und verziert dienten sie als Geschenk von Pate an Patenkind oder umgekehrt. Von Verehrer an Verehrte. Oder von Bursch an Mädchen als Wiedergutmachung für die traditionellen vorösterlichen Rutenhiebe.

Techniken

"Die Eier wurden eher weniger mit dem Pinsel bemalt", sagt die Osterei-Expertin. Muster, Zeichnungen, Sprüche und Namen kamen durch die unterschiedlichsten Techniken auf die Schale. Dabei haben sich die Färbemittel im Laufe der Zeit stärker verändert als die Fertigkeiten der Gestaltungskünstler:

Bei der Wachs-Reserve-Technik wird das Motiv mit Bienenwachs aufgemalt, das Ei anschließend gefärbt und das Wachs wieder entfernt. Bunte Muster entstehen in mehreren Arbeitsschritten durch Eintauchen in verschiedene Farbbäder. Bei der Ätz- und Kratztechnik wird Farbe entweder mechanisch von der Eierschale gekratzt oder chemisch durch Säure entfernt. Bei der Stroh/Binsenmarkapplikation werden die Deko-Elemente aus geglätteten Halmen oder weißem Binsenmark geschnitten und in einer ornamentalen oder floralen Komposition auf das Ei geklebt. Bei der Wachsmalerei wird farbiges Wachs auf ein gefärbtes Ei aufgetragen und verbleibt dort als Reliefmuster. Bei der Drahtverzierung wird das Ei mit Draht in verschiedenen Musterungen umflochten. Bei der Lochverzierung wird die Schale wird mit einem hochtourigen Bohrer gelöchert, ohne dass die Schale bricht, und eventuell mit Wachs plastisch verziert.

Alternative Zier-Eier

"Ziereier aus Glas, Fayence, Holz, Bein oder Porzellan wurden schon seit dem Barock zu Ostern geschenkt", sagt Witzmann. Im 19. Jahrhundert kamen Naschereien in Mode – und damit Füllfiguren aus Pappmasche im Häschen-Design und eiförmige Blech-Dosen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Hohlfiguren aus Schokolade hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen diese Süßigkeiten schließlich in Serienproduktion; inklusive Folien-Verpackung.

Heikle Museums-Arbeit

Das Hühnerei in Schale hat trotzdem nichts an Attraktivität eingebüßt. "Wir versuchen, alte und neue Kostbarkeiten zu archivieren", sagt Nora Witzmann. Inventar-Nummern kommen jetzt direkt mit reversiblem Kleber aufs Ei. Jedes Stück wird zudem digital dokumentiert. Die Arbeit bleibt "heikel. Was weg ist, ist weg".

Ausstellung

"Alles Ei!" in der öffentlichen Passage des Volkskundemuseums (1080 Wien, Laudongasse 15-19) ist bis 5.6.2017 zu den Öffnungszeiten (jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis17 Uhr) kostenlos zugänglich.