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Wirtschaft
08/12/2019

Zweiter Anlauf: Wie die Steirische ams Osram doch noch kaufen will

Mit dem nachgebesserten Angebot könnten die Steirer die US-Konkurrenz ausstechen.

von Simone Hoepke

Im Übernahme-Poker um den Münchener Lichtkonzern Osram werden die Karten neu gemischt: Der österreichische Chiphersteller ams bringt sich jetzt doch ins Spiel – nachdem er sein erstes Übernahmeangebot Ende Juli überraschend zurückgezogen hatte.

In der Nacht auf Montag hat das Unternehmen aus Premstätten bei Graz ein Offert von 38,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt (insgesamt 4,2 Mrd. Euro) und damit die US-Private-Equity-Fonds Bain und Carlyle unter Druck gebracht. Diese hatten 3,4 Milliarden Euro geboten. Eine Reaktion aus den USA ist bisher ausgeblieben – dafür haben die Aktionäre schnell reagiert: Die Papiere von Osram legten im Tagesverlauf um mehr als elf Prozent zu, jene von ams sackten knapp neun Prozent ab.

Christian Sandherr, Analyst beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser, hält die geplante Übernahme für „strategisch sinnvoll“. Sie würde den Gewinn je Aktie nach einer Integration steigern, wenngleich die Schuldenquote vorübergehend und die operativen Risiken durch die starke Ausrichtung von Osram auf die Autobranche steigen würden. Ob ams mit den gebotenen 38,50 Euro zum Zug kommt, bleibt abzuwarten. Da einige große Anteilseigner über diesem Kurs bei Osram eingestiegen sind, könnte der Chiphersteller zum Nachbessern gezwungen sein.

ams unerwünscht

Osram-Chef Olaf Berlien hat es jetzt jedenfalls nicht mehr so leicht, das Angebot aus der Steiermark vom Tisch zu wischen, wie er es vor ein paar Wochen gemacht hatte. Mit seiner Skepsis war Berlien damals allerdings nicht allein. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtete eine Zerschlagung Osrams und die Streichung zahlreicher Arbeitsplätze in Deutschland. Hintergrund: Osram und ams konkurrieren vor allem im Bereich der Sensoren für die Autoindustrie. Analysten gingen daher davon aus, dass sich ams vor allem das Chip-Geschäft Osrams einverleiben will und den Rest – immerhin etwa die Hälfte des Umsatzes – mehr oder weniger schnell weiterreichen will.

Im zweiten, nachgebesserten Angebot, gibt ams –wie zuvor auch Bain Capital und Carlyle – Standortgarantien. „Wir wollen Teile der Produktion von Asien nach Deutschland übersiedeln“, sagt ams-Chef Alexander Everke. Für das Werk in Regensburg stellt er zusätzliche Jobs in der Produktion von „Front-End-LED“ in Aussicht. Everke, übrigens einst Manager im Siemens-Konzern, will bis 15. August ein Angebot vorlegen. Gibt Osram grünes Licht, sei der Beginn der Angebotsfrist für den 5. September geplant, die Übernahme will er im ersten Halbjahr 2020 fix machen.

Kauf auf Pump

Auch die Frage der Finanzierung ist nun geklärt: Die Banken HSBC und UBS wollen den 4,2-Milliarden-Euro-Deal finanzieren, einen Teil davon will ams später durch eine 1,5 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird. Die Übernahme soll ams jährlich Einsparungen von 240 Millionen Euro bringen, so die Rechnung von Everke. Ihn interessiert vor allem das Autozuliefer- und Photonik-Geschäft von Osram. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach ams-Vorstellungen verkauft werden.

Im Sog der Autobauer

Fest steht, dass Osrams Glanzzeiten vorerst vorbei sind. Der Betrieb produziert vor allem LED und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden kommen aus der Auto- und der Smartphoneindustrie – beide haben schon bessere Zeiten erlebt. Da die Autoindustrie die Produktion drosselt, kauft sie weniger Beleuchtung. „Viele Kunden haben ihre 2018 vereinbarten Auftragsvolumina unterschritten“, sagt Osram-Chef Berlien. Osram schreibt Verluste und erwartet für das Gesamtjahr ein Umsatzminus von bis zu 14 Prozent.

Bedingung für den Einstieg von ams bei Osram ist übrigens – wie bei Bain und Carlyle –, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.