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Wirtschaft
11/20/2020

Zunehmende Marktüberhitzung bei Wohnimmobilien

Die Preise stiegen im Jahresvergleich um 9,5 Prozent, Preistreiber sind vor allem Einfamilienhäuser.

Der Trend steigender Wohnimmobilienpreise hat sich im dritten Quartal beschleunigt. Die Preise legten laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) im Zeitraum Juli bis September gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 9,5 Prozent zu.

Im zweiten Quartal betrug der Anstieg nur 5,2 Prozent. Die OeNB vermutet hinter dem Preisschub den durch die Coronakrise (Lockdown, Homeoffice) stärkeren Wunsch nach Wohnen im Grünen und Einfamilienhäusern. Denn in Wien war der Anstieg etwas geringer.

Überbewertung

In Wien legten die Wohnimmopreise um 9,4 bzw. 4,1 Prozent zu - im Bundesgebiet ohne Wien etwas kräftiger um 9,7 Prozent im dritten und um 6,8 Prozent im zweiten Quartal. Erneut wies die OeNB auf eine spürbare Überbewertung hin: Der Fundamentalpreisindikator der OeNB für Wohnimmobilien deute im dritten Quartal auf eine Abweichung der Preise von den Fundamentalfaktoren in Wien um 24 Prozent hin, hieß es am Freitag in einer Analyse. Bundesweit seien es 17 Prozent. Damit hat sich laut OeNB in den vergangenen Monaten eine Entwicklung beschleunigt, die auf eine zunehmende Überhitzung des Wohnimmomarktes hindeutet.

Überdurchschnittlich hoch war im dritten Quartal in Wien abermals der Preisanstieg bei Einfamilienhäusern - mit 13,8 Prozent nach 11,7 Prozent im zweiten Quartal. Die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen zogen binnen Jahresfrist um 9,8 Prozent an, nach 2,3 Prozent im zweiten Quartal.

Im übrigen Österreich kletterten die Einfamilienhauspreise zuletzt um 12,1 Prozent, nach 10,6 Prozent; jedoch zogen mit einem Plus von 7,2 Prozent (nach 2,6 Prozent im zweiten Quartal) auch die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen deutlich an.

Mit Wohnimmopreisanstiegen rechnen eher ältere als jüngere Menschen, ergab eine Sondererhebung der OeNB im zweiten und dritten Quartal unter privaten Haushalten.

Dabei ging es um die Einschätzung der Preisentwicklung für Häuser, Wohnungen und Grundstücke in der eigenen Wohngegend in den kommenden zwölf Monaten und zur Höhe der erwarteten Preisänderung. Der Anteil verdoppelte sich fast von 17 Prozent bei den unter 30-Jährigen auf 31 Prozent bei den über 60-Jährigen.

Weniger Wohnbau

Die 2019 einsetzende Verlangsamung der Dynamik im Wohnbau setzte sich laut OeNB im ersten Halbjahr fort. Die Wohnbauinvestitionen seien durch den ersten Lockdown im Frühjahr in den ersten zwei Quartalen im Jahresabstand um 3,0 bzw. 7,9 Prozent gesunken. Ähnlich gedämpft habe sich der Produktionsindex im Hochbau im zweiten Quartal mit minus 11,4 Prozent gezeigt. "Das sich bereits seit zwei Jahren abzeichnende Auslaufen des Wohnbauzyklus wurde durch die Covid-19-Pandemie verstärkt", so die Conclusio der OeNB.

In Wien dagegen werde 2020 nach Schätzungen von EHL Immobilien mit knapp 20.000 Wohnungsfertigstellungen ein neuer Rekord erreicht - nach 10.100 Fertigstellungen im Schnitt der Jahre 2015 bis 2018.

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