Wirtschaft
24.03.2017

Zucker zwischen Anfeindung und global steigender Beliebtheit

Fünf Konzerne liefern zwei Drittel des Zuckers für die EU. Ein großer Player ist die Agrana.

Der ORF sorgt diese Woche mit einem Zucker-Schwerpunkt für Aufregung, in dem „das süße Gift“ mit Suchtmitteln wie Kokain und Heroin verglichen wurde. Sehr zum Ärger von Vertretern der Lebensmittelindustrie – unter anderem Johann Marihart, Vorstands-Chef des Zuckeriesens Agrana.

Also die Fakten: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Österreich in den vergangenen zwanzig Jahren gesunken. „Von 41 Kilo pro Kopf und Jahr auf 34“, sagt Marihart. Schon allein deshalb könne Zucker nicht als Schuldiger für sämtliche Figurprobleme herhalten. Marihart: „ Es kann nicht sein, dass man die Lebensmittelindustrie so hinstellt, als würde sie Geschäfte auf dem Rücken der Gesellschaft machen. Man muss schon auch den gesamten Lebensstil der Menschen anschauen.“

180 Millionen TonnenJährlich steigt der weltweite Zuckerverbrauch um rund zwei Millionen Tonnen – zuletzt auf 180 Millionen Tonnen. Schon allein weil es immer mehr Menschen auf der Welt gibt und der Wohlstand in vielen Regionen der Welt steigt.

Die Zahl der Betriebe, die Zucker herstellen, ist aber trotzdem gesunken. „In Europa gab es vor 20 Jahren doppelt so viele Fabriken wie heute“, erklärt Marihart im KURIER-Gespräche. Anders formuliert: Immer weniger Fabriken produzieren immer mehr Zucker. Der Kostendruck steigt im globalen Konkurrenzkampf.

Europaweit sind mittlerweile fünf Konzerne für etwa zwei Drittel der Zuckerproduktion zuständig. Die Nummer eins in der EU ist Südzucker mit 20 Prozent Marktanteil. Agrana ist Teil der Südzucker-Gruppe und produziert jährlich 1 Million Tonnen Zucker. Als die Agrana 1988 gegründet wurde, gab es österreichweit noch fünf Fabriken, heute sind es zwei.

Preise wie 1980

Preislich ist Zucker aber schon lange nicht mehr vom Fleck gekommen. „Im Geschäft kostet er gleich viel wie im Jahr 1980, während sich der Verbraucherpreisindex nahezu verdoppelt hat“, sagt Marihart. Auch Industriekunden würden nicht mehr zahlen als früher. Die Industrie ist derzeit zudem vielerorts dabei, den Zuckereinsatz zu reduzieren. Auch im Auftrag von Handelshäusern wie Spar oder Lidl, die damit werben, weniger Süßes in ihre Eigenmarken zu packen. Ein Trend, der aus Sicht von Marihart nicht neu ist. „Zuckerreduzierte Produkte gibt es seit 20 Jahren.“

In Österreich gibt es aktuell rund 6500 Rübenbauern – halb so viele wie vor 20 Jahren. Gleichzeitig ist die Fläche, auf der Rüben für die Zuckerproduktion angebaut werden, ausgeweitet worden. Die Konzentration in der Landwirtschaft wird fortschreiten, ist Marihart überzeugt. Die Branche sei gut auf das Auslaufen der EU-Zuckerquoten im September 2017 vorbereitet. Ab dann können Zuckerfabriken so viel produzieren wie sie absetzen können.