Wirtschaft
03.12.2018

Zu hoher Bodenverbrauch: Ordentlich zubetoniert

Es wird zu viel in Bauland umgewidmet, dabei stehen 40.000 Hektar Immobilien leer

Die Geschäfte im Zentrum sind geschlossen. Als der Supermarkt mit großem Parkplatz auf einer Wiese am Rand der Ortschaft gebaut wurde, mussten die kleineren Geschäfte im alten Ortskern dicht machen. Leere Gebäude, wo sich einst die Bürger zum Einkaufen und zum Austausch von Neuigkeiten trafen.

Das ist kein Einzelfall, sondern sowohl in ländlichen Regionen als auch in Städten durchaus üblich. Bisweilen wird dann verzweifelt versucht, mit Förderungen und sonstigen Anreizen das Zentrum wieder mit Geschäften und Passanten zu füllen.

Dicht wie nirgends

„Österreich ist das Land mit den höchsten Supermarktflächen pro Einwohner und das Land mit dem dichtesten Straßennetz“, nennt der Vorstandsvorsitzende der Hagelversicherung, Kurt Weinberger, einige Gründe für den im internationalen Vergleich extrem hohen Bodenverbrauch.

12,4 Hektar werden jeden Tag an Boden verbraucht. Das ist zwar weniger als früher, aber es entspricht der Fläche von 20 Fußballfeldern. Der von der Bundesregierung vorgegebene Zielwert sind 2,5 Hektar pro Tag. „Davon sind wir weit entfernt“, klagt Weinberger über den Ist-Zustand. Etwa 40.000 Hektar an Gewerbe-, Industrie- und Wohnimmobilien stehen leer und warten auf Nutzer.

Als ersten Schritt wünscht sich Weinberger ein Umwidmungsverbot für besonders wertvolle Böden und eine Neuordnung der Raumordnung mit einer teilweisen Kompetenzübertragung von den Gemeinden an die Landesregierungen.

Zumal kein anderes Land in der EU so sorglos mit seinen Bodenreserven umgeht wie Österreich. Auf Luftaufnahmen von der Grenze zwischen Salzburg und Bayern kann man den Grenzverlauf zwischen Österreich und Deutschland genau erkenne. Dort, wo die Zersiedelung beginnt, ist Österreich. In Bayern sind die Vorgaben der Flächenwidmung deutlich strenger gehalten.

Die Motivation, Grünflächen in Bauland umzuwidmen, ist eine finanzielle. Die Bürgermeister erwarten sich zusätzliche Einnahmen für die Gemeinde und die Grundeigentümer werden durch die Umwidmung in Bauland wegen der steigenden Grundstückspreise über Nacht wohlhabend.

Viele Nachteile

Den persönlichen Vorteilen steht eine lange Liste an Nachteilen gegenüber. Der wegen der alpinen Landschaft ohnehin begrenzte Boden für Landwirtschaft wird weiter verkleinert. Das kann dazu führen, dass mehr Lebensmittel importiert werden müssen. Gleichzeitig steigen durch die Zersiedelung die Kosten für Verkehrsflächen und sonstige Infrastruktur und verschärfen das -Problem. Die Bodenversiegelung steigert auch noch die Wahrscheinlichkeit für Überschwemmungen.

Laut Univ. Prof. Friedrich Schneider von der Kepler Universität Linz summieren sich die Verluste bei der Wertschöpfung durch zu hohen Bodenverbrauch binnen zehn Jahren auf insgesamt 216 Millionen Euro.