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Wirtschaft

Zoff im Swarovski-Konzern: Scherbengericht in Wattens

Einzelne Familienmitglieder lehnen geplante Umstrukturierung ab.

09/03/2020, 05:47 PM

Beim Tiroler Traditionskonzern Swarovski wird im Vorfeld der Gesellschafterversammlung heute, Freitag, viel Kristall zerschlagen. Einzelne Familienmitglieder befĂŒrchten ein Abwandern vom Tiroler Standort in die Schweiz und wollen ihrem Ärger im EigentĂŒmergremium Luft machen.

Wie berichtet, will Swarovski in Wattens bis 2022 rund 1.600 der 4.600 ArbeitsplÀtze abbauen.

Die KonzernfĂŒhrung hat am vergangenen Mittwoch zwar nochmals ein klares Bekenntnis zum Standort Wattens bekrĂ€ftigt. GerĂŒchte ĂŒber eine Abwanderung in die Schweiz oder gar eine Schließung des Standortes wolle man ganz klar zurĂŒckweisen, hieß es aus der GeschĂ€ftsfĂŒhrung.

„Der Standort Wattens hat eine enorme Bedeutung fĂŒr Swarovski. Eine VerĂ€nderung in der Unternehmensstruktur Ă€ndert nichts an der Bedeutung von Wattens, der Heimat und lebendigen Wiege von Swarovski“, teilte die KonzernfĂŒhrung mit. Indes sind einzelne der rund 70 Gesellschafter in Alarmstimmung, weil sie de facto eine Abwanderung befĂŒrchten. Grund ist die Tagesordnung der Gesellschafterversammlung. Denn das EigentĂŒmergremium soll „die Einbringung des GeschĂ€ftsbereichs Kristall des Wattener Betriebes in eine Schweizer Swarovski Holding“ genehmigen.

Verlagerung?

Das stĂ¶ĂŸt auch dem Gesellschafter Paul Swarovski, Vater der TV-Moderatorin Victoria Swarovski, sauer auf.

„Eine Ausgliederung des Betriebes wird letztlich zu einer Verlagerung als wahrscheinliche Konsequenz fĂŒhren“, sagte Paul Swarovski zur Austria Presseagentur (APA). Er nennt die Reduktion der ArbeitsplĂ€tze in Wattens eine „schleichende Verlagerung“. Die aktuelle Konzernleitung habe vor, die Komponentenfertigung fĂŒr Schmucksteine „extremst auf Eigenbedarf“ zu reduzieren. Er glaubt auch, dass dann mittelfristig weniger als 3.000 ArbeitsplĂ€tze in Wattens benötigt werden.

Einstimmigkeit

Laut APA möchte Paul Swarovski morgen, Freitag, auf der Gesellschafterversammlung ĂŒber die allfĂ€llige Ausgliederung abstimmen lassen. Zugleich wurde auch eine Abstimmung ĂŒber die Änderung der GesellschaftsvertrĂ€ge auf die Tagesordnung gesetzt. Paul Swarovski geht offenbar davon aus, dass eine Abstimmung ĂŒber die Ausgliederung diese zu Fall bringen wird. Denn es muss Einstimmigkeit herrschen. Und eine solche ist bei rund 70 Gesellschaftern eher unwahrscheinlich.

Einzelne Gesellschafter wollen auch das Management zur Verantwortung ziehen. So will Paul Swarovski eine SonderprĂŒfung durchsetzen, mit der eine angebliche Misswirtschaft im Tiroler Konzern aufgearbeitet werden soll. Dass das Management den Konzern abgewirtschaftet habe, behauptet auch Melanie Grieder-Swarovski im GesprĂ€ch mit der Tiroler Tageszeitung.

„Wir können nicht lĂ€nger schweigen“, meint sie. Das Management solle einem neuen Platz machen. Sie lehnt die UmstrukturierungsplĂ€ne ab. Ihre Cousine Nadja Swarovski werde fĂŒr sie abstimmen.

Auch die BetriebsrĂ€te gehen mit dem Management hart ins Gericht. Sie bezeichneten in einem Brief an die Unternehmerfamilie die neue Konzernstrategie als nicht ĂŒberzeugend. Der Betriebsrat macht sich große Sorgen um den Fortbestand des Unternehmens. Er erinnert auch daran, dass die Konzernleitung in der Schweiz sitzt. Weiters heißt es: „Vieles ist bereits dorthin abgewandert, weshalb wir denken, dass der Rest folgen wird und dass Wattens ein Kahlschlag droht.“

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