Wirtschaft
03.01.2018

Zirbendecken als Exportschlager

Vorarlberger Hefel-Textil liefert weltweit an Kunden.

Dietmar Hefel erzählt gerne Bettgeschichten, am liebsten jene von Ski-Star Marcel Hirscher. Der konnte vor einem wichtigen Rennen in St. Moritz nicht schlafen, weil er seine Hefel-Matratzenauflage nicht mit hatte. Dietmar Hefel (Sponsor des ÖSV-Teams) reagierte schnell. Er rollte seine eigene Matratzenauflage in seinem Appartement in Warth (Vbg.) zusammen und brachte sie nach St. Moritz. So gesehen verbucht er es auch ein Stück weit als sein Verdienst, dass Hirscher – bestens ausgeschlafen – tags darauf das Rennen gewonnen hat, erzählt der Vorarlberger Unternehmer augenzwinkernd.

Während die meisten Textilfabrikanten vor Jahrzehnten ihre Fabriken in Österreich dicht gemacht haben, ist Hefel dem Standort treu geblieben. "Dass die Kostenführerschaft nachhaltig nach China wandert, war klar. Wir haben uns am anderen Ende der Skala als Innovationsführer positioniert." So setzte Hefel schon vor zehn Jahren auf Zirbendecken und füllte seine Decken mit Tencel, als noch kaum wer wusste, dass es sich dabei um den Rohstoff Holz handelt. "Heute machen rund hundert Firmen weltweit Tencel-Decken, aber für zwei, drei Jahre waren wir die einzigen", ist Hefel stolz. In seiner Inlett-Weberei in Vorarlberg arbeiten heute 63 Mitarbeiter in der Produktion, in der Deckenproduktion in 0berösterreich weitere 68. Stolz ist er auf den kleinen ökologischen Fußabdruck. Viele Konkurrenzprodukte würden entlang der Wertschöpfungskette zwei bis drei Mal um den Erdball reisen, bis sie in einem Bett landen.

Daune unter Kritik

Die Daunendecke hat im Laufe der Jahre übrigens an Image eingebüßt. Dafür haben in den 1990er-Jahren auch diverse Kaffeefahrten von Schafwollproduzenten beigetragen, die das Problem der Hausstaubmilben in Daunen propagiert haben. Ein Thema, das später übrigens mit Studien widerlegt wurde. Historisch sind auch Auslobungen wie "aus Lebendrupf", was einst als Qualitätskriterium gemeint war.

Österreichweit sind heute nur noch 25 bis 30 Prozent des verkauften Decken mit Daunen gefüllt (bei Hefel nur noch fünf Prozent), ein knappes Drittel mit Polyester, bis zu 40 Prozent mit Naturfasern bzw. Tierhaaren. In Hefels Decken stecken zu 80 Prozent Naturfasern bzw. Tierhaare, was die Firma zu einem der führenden Naturbettwarenspezialisten in Europa macht.

Wer glaubt, noch nie mit Hefel im Bett gelegen zu sein, irrt vielleicht. Wer sich im Stanglwirt mit einer Zirbendecke zudeckt, greift zu einem Produkt von Hefel. Auf der Kundenliste stehen Hotels wie die Nobelbleibe Burj Al Arab in Dubai oder das Hotel Le Bristol in Paris. Zu kaufen gibt es die Decken auch in Möbelhäusern und Geschäften.

Der Umsatz des Familienunternehmens lag zuletzt bei 16 Millionen Euro, wobei 60 Prozent davon unter der Marke Hefel gemacht werden. Die Vorarlberger fertigen aber auch für Handelsmarken der Möbelhäuser und Spezialisten wie Hästens und Grüne Erde.