Zinssenkung immer wahrscheinlicher

Zinssenkung immer wahrscheinlicher
"Wir stehen bereit, zu handeln“, so der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank.

Wir haben nur noch wenig Munition übrig und müssen uns daher fragen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist." Am Montag noch hat der niederländische Notenbankchef Klaas Knot Spekulationen über eine bevorstehende Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank etwas gedämpft. Am Mittwoch wurden die Spekulationen dann wieder angeheizt.

Zinssenkung immer wahrscheinlicher
epa03459275 Vice President of the European Central Bank Vitor Constancio speaks during a press conference in the G20 Finance Ministers Meeting in Mexico, City, Mexico, 05 November 2012. EPA/Jose Mendez

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio (BILD) bekräftigte am Mittwoch vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel die Bereitschaft der EZB zum Eingreifen. "Wir stehen bereit, zu handeln, falls es weitere schlechte Nachrichten über die wirtschaftlichen Bedingungen gibt", sagte Constancio. Die EZB habe noch Handlungsspielraum. Damit liegt der Portugiese voll auf Linie mit dem EZB-Präsidenten Mario Draghi. Dieser hatte Anfang des Monats bekräftigt, die Zentralbank werde "so lange wie nötig" Liquidität zur Verfügung stellen.

Am 2. Mai werden die Währungshüter über den Leitzins im Euroraum entscheiden, der derzeit auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent liegt. Im Raum steht eine Senkung des Zinssatzes um 25 Basispunkte (=0,25 Prozent). Niedrigere Zinsen könnten die Erholung der Konjunktur anschieben. Eine Reihe enttäuschender Konjunkturdaten hatte zuletzt Erwartungen auf eine baldige Zinssenkung geschürt.

Asmussen: Wirkung begrenzt

Auch Jörg Asmussen schließt eine weitere Zinssenkung nicht aus, doch sieht der EZB-Direktor die Möglichkeiten der Geldpolitik insbesondere im aktuellen Umfeld als begrenzt an. "Geldpolitik ist keine Allzweckwaffe gegen jede Art ökonomischer Krankheit", sagte Asmussen am Donnerstag in London. Unter anderem nannte er das Problem unterschiedlicher Kreditbedingungen im Währungsraum, dass also mittelständische Unternehmen in Ländern wie Spanien oder Italien zurzeit hohe Zinsen für Bankkredite zahlen müssen.

Zudem betonte Asmussen in einem Interview mit der "Financial Times": "Die Wirkung einer Leitzinssenkung wäre begrenzt." Denn die Banken geben das Geld, das die Zentralbank ihnen bereitstellt, nur in geringem Umfang als Kredite weiter. Die EZB habe bereits viel getan, um die Finanzausstattung der Geschäftsbanken zu verbessern. Sie könne aber nicht alle Probleme lösen. "Das ist der Punkt, wo unsere Verantwortung endet und die von Regierungen und anderen EU-Institutionen beginnt."

Kommentare