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Wirtschaft
10/26/2021

Zeit abgelaufen? Kuckucksuhren-Produktion steckt in der Krise

Im Vorjahr wurden in Deutschland um die Hälfte weniger Uhren hergestellt als 2019. Daran ist nicht nur die Corona-Pandemie schuld.

Die Kuckucksuhren sind ein Symbol für den Schwarzwald, aber auch ein Symbol für die Liebe zum Handwerk. Doch die Branche steckt in der Krise. Die Produktion von Kuckucksuhren in Deutschland brach im Vorjahr um mehr als die Hälfte ein. Die deutschen Hersteller fertigten rund 20.100 Kuckucksuhren im Wert von 4,1 Millionen Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Im Jahr 2019 seien es noch rund 43.600 Stück im Wert von 8,5 Millionen Euro gewesen.

Touristen blieben aus

Dass der Rückgang von fast 54 Prozent den Angaben nach deutlich über dem Minus bei anderen Wanduhren (etwa 17 Prozent) liegt, erklären die Statistiker vor allem mit ausbleibendem Tourismus wegen Corona - und dürften damit richtig liegen. Gerade die großen Hersteller, die vorrangig für Urlauber produzierten, habe es sehr hart getroffen, sagte Andreas Kreyer vom "Verein die Schwarzwalduhr" in Schonach (Schwarzwald-Baar-Kreis). "Die leiden immer noch darunter." Auch der Export habe gelitten.

Ein wichtiger Grund liegt dabei nach Kreyers Aussagen gar nicht im Schwarzwald, sondern in den bayerischen Alpen: In der Regel alle zehn Jahre finden seit Jahrhunderten in Oberammergau die Passionsspiele statt. "Das Event treibt die Verkaufszahlen in die Höhe", sagte Kreyer, der mit seiner Frau die Firma Rombach & Haas in Schonach leitet. Wegen Corona wurde das Laienspiel vom Leben, Sterben und von der Auferstehung Jesu im vergangenen Jahr allerdings abgesagt und auf 2022 verschoben.

Lieferengpässe

Das hatte immerhin die Folge, dass die Lager gut gefüllt waren. Davon profitieren die Unternehmen später, weil jetzt auch das Kuckucksuhren-Handwerk von den allgegenwärtigen Lieferengpässen betroffen ist. Gerade kleinere Hersteller und Zulieferer etwa von Uhrwerken hätten während der Lockdowns Kurzarbeit gehabt, sagte Kreyer. Zudem stiegen die Preise für Holz, davon würde auch weniger geschlagen. "Uns fehlt das Material, das wir vor der Haustür haben."

Hohe Energiekosten

Preisanstiege schlügen ebenso bei Messing für Uhrwerke oder Gusseisen für Gewichte zu Buche. Da diese aus Stahl unter hohem Energieaufwand hergestellt würden, spielten steigende Energiekosten eine weitere Rolle. "Man bekommt auch keine Lacke und Beize mehr", schilderte Kreyer. Und selbst bei Wellpappe und Kartonagen für den Versand warte er mehrere Monate auf Bestellungen. "Sogar da haben wir Engpässe."

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