Erste Group Bank Chief Executive Andreas Treichl addresses a news conference in Vienna, Austria, February 26, 2016. REUTERS/Heinz-Peter Bader

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Erste-Group-Chef Andreas Treichl
02/26/2016

Zahlen Sparer bald "Strafe"?

Niedrigzinsen sind dazu da, dass Staaten billig Geld aufnehmen können.

von Irmgard Kischko

Wohl fühlt sich Andreas Treichl, Chef der Erste Group, derzeit nur mit der Geschäftsentwicklung im eigenen Haus. Immerhin schaffte die Erste Group im Vorjahr fast eine Milliarde Nettogewinn. 2014 stand noch ein Verlust von nahezu 1,4 Milliarden Euro in der Erste-Bilanz.

Mit allem anderen – der Wirtschaftsentwicklung in Europa, der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und der Bankenaufsicht – aber fühlt er sich unwohl. Vor allem der Trend zu weiter sinkenden Zinsen macht ihm Sorge. Die EZB verlange von Banken seit geraumer Zeit "Strafzinsen", wenn sie ihr Geld dort parken. Das könnte bald auch die Sparer in Österreich treffen. In einigen Ländern werden die negativen Zinsen der EZB schon an die Anleger weitergegeben. "Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Banken übernehmen das Draufzahlen bei den Zinsen oder wir geben die negativen Zinsen weiter", sagt Treichl. Er hoffe allerdings, dass die Bank nicht in die Situation komme, dies überlegen zu müssen.

"Lieben Privatkunden"

Das Geschäft mit den Privatkunden ist für die Erste Group nicht nur die Basis der Bank, sondern auch ertragreich. 827 Millionen Euro hat die Bank laut Treichl damit im Vorjahr verdient, 261 Millionen Euro davon allein in Österreich, wo die Bank 800.000 Privatkunden zählt.

"Wir lieben dieses Geschäft und gewinnen dort Marktanteile", betont Privatkunden-Vorstand Peter Bosek. Sollte die Bank Austria noch einmal den Verkauf ihres Privatkundengeschäfts überlegen, ist das für die Erste nicht attraktiv. "Die Kunden kommen zu uns, wir müssen nicht zukaufen", betont Bosek.

Hart ins Gericht geht Treichl auch mit dem Konsumentenschutz im Bankbereich. "Das ist eine echte sozialpolitische Verfehlung", ärgert er sich über viele Urteile, die den Banken den Verkauf von Finanzprodukten an "kleine Kunden" verunmöglichten. Komme jemand mit zehn Millionen Euro, sei es für Bankberater kein Problem, ihm ertragreiche Veranlagungsprodukte vorzuschlagen. Komme jemand mit 30.000 Euro, könne ihm ein Bankberater wegen des strengen Konsumentenschutzes kaum etwas vorschlagen.

Weniger Risiko

Der Umkehrschwung vom Verlust 2014 zum Gewinn 2015 ist vor allem auf stark gesunkene Risikokosten zurückzuführen. Mit 729 Millionen Euro, um 1,3 Milliarden Euro weniger als 2014, musste die Bank für risikoreiche Kredite vorsorgen.

Treichl findet aber auch im gesunkenen Risiko einen Wermutstropfen: "Wir Banken sind so niederreguliert, dass wir am besten gar kein Risiko mehr übernehmen sollen. Aber wozu braucht man uns dann? Das Geschäft kann dann auch ein Automat machen." So wie sich die Regulatorik entwickle, werden die Banken in Zukunft nur noch an jene Menschen Kredite vergeben können, die gar keinen Kredit bräuchten, sagt der Erste-Group-Boss.

Insbesondere in Österreich, der Slowakei und in Tschechien seien die Kreditrisiken der Bank bereits sehr niedrig. In Kroatien musste die Erste Group für den von der Regierung vorgeschriebenen Umtausch der Schweizer-Franken-Kredite 129,5 Millionen Euro zahlen.

Treichl glaubt dem Argument der EZB auch nicht, dass die Wirtschaft mit den tiefen Zinsen in Gang gebracht werden könne. "Ich würde versuchen, ehrlicher zu sein. Die Niedrigzinsen sind nicht dazu da, dass die Banken mehr Kredite vergeben, sondern dass die Staaten billig Geld aufnehmen können."

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