Wirtschaft 27.06.2012

Yuan – die neue Weltwährung?

China und Japan wollen bilateralen Handel künftig in den eigenen Währungen abwickeln. Was das für den Dollar und den Euro bedeutet.

Am Montag trafen in Peking Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao zusammen. Auf dem Programm stand anfänglich wenig Neues: die Lage in Nordkorea, die in letzter Zeit häufigen Seekonflikte zwischen chinesischen Schiffen und der japanischen Küstenwache sowie eine Freihandelszone zwischen Japan, China und Südkorea. Doch dann: Dann einigten sich beide Länder auf eine engere Kooperation ihrer Finanzmärkte.

China und Japan wollen demnach künftig nicht mehr in Dollar, sondern in ihren eigenen Währungen miteinander handeln. Es sei vereinbart worden, den "Gebrauch des Yuan und des japanischen Yen in internationalen Handelstransaktionen zwischen beiden Ländern zu fördern", hieß es nach Nodas Treffen mit Wen Jiabao auf der Webseite der chinesischen Volksbank. Dies sei ein "substanzieller Schritt nach vorn für die Internationalisierung des Yuan", kommentierte die Tageszeitung China Daily. Für beide Länder bringt dies wirtschaftliche Vorteile mit sich, ist die direkte Umrechnung günstiger als der Umweg über den US-Dollar.

Dominanz des Dollars bröckelt

Wenn die Vereinbarung momentan auch nur eine Absichtserklärung darstellt, so hat sie doch große Symbolwirkung: China und Japan möchten den Dollar bei gegenseitigen Geschäften außen vor lassen. Einst wollten die Japaner ihren Yen zur zweiten Leitwährung nach dem Greenback machen – dieses Vorhaben scheint sich nun auf den Yuan verlagert haben. Es würde der wirtschaftlichen Dominanz Chinas entsprechen. Seit Jahren liegen die Staatsschulden der zweitgrößten Volkswirtschaft bei rund 20 Prozent; China hält zudem die größten Devisenreserven der Welt und kann, trotz weltweit düsterer Konjunkturprognosen, immer noch um die neun Prozent Wirtschaftswachstum einfahren.

In Asien könnte der Dollar durch die Kooperation an Boden verlieren, sind gerade mit südostasiatischen Staaten weitere Abkommen geplant. Die Großbank HSBC geht in Analysen davon aus, dass in Jahr 2015 China bereits die Hälfte seines Handels in der eigenen Währung abwickelt, schreibt das Handelsblatt. Jetzt schon werden mehr Waren in Yuan gehandelt, als in britischem Pfund.

Mit Unternehmen aus anderen Schwellenländern handelt China bereits direkt in Yuan. Vor allem Länder, die keine amikale Beziehung zu den USA pflegen, sind darüber verärgert, beim Warenaustausch auf den Dollar angewiesen zu sein und das Dollar-Risiko mittragen zu müssen. Die Ölnationen Venezuela und der Iran etwa könnten sich gut damit anfreunden ihr schwarzes Gold in Yuan bezahlt zu bekommen und im Gegenzug dafür in China damit auf Shoppingtour zu gehen. 

Entscheidend wird auch sein, wie der Selbstzerstörungstrip des Dollar weitergeführt wird. Um den amerikanischen Konjunkturmotor am Laufen zu halten, hat die US-Notenbank Fed die Notenpresse angeworfen und den Kapitalmarkt massiv mit frischem Geld geflutet. Das schwächte in Folge den Dollar – mancher Vermögensverwalter in den USA nennt den Dollar schon Konfettiwährung. Der Euro hat im Vergleich zum Dollar in den letzten zehn Jahren um rund 50% aufgewertet. 30% aller weltweiten Reserven werden mittlerweile in Euro gehalten – da hat die EU-Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar rund zehn Prozent aufgeholt.

Für den Währungsexperte Jörg Rahn wird der Dollar dennoch weiterhin Leitwährung bleiben – noch lange. "Dafür sorgt zum einen die weiterhin hohe wirtschaftliche Bedeutung der USA als mit Abstand größter Konsument der Welt, zum anderen ist der US-Dollar noch in vielen Ländern, zum Beispiel in Südamerika oder Afrika, fest verankert", wird der Devisenexperte im Handelsblatt zitiert. Der Wechselkurs des US-Dollar dürfte nicht leiden.

Internationalisierung

Auf Europa scheinen die Auswirkungen geringer zu sein. Als kleinen Nachteil muss Europa – verglichen mit Japan – weiterhin den Umweg über die Konvertierung in Dollar nehmen. Doch ist es für Rahn "denkbar", ja sogar zu "erwarten", dass ähnliche Abkommen, wie es mit Japan vereinbart wurde, auch mit Europa abgeschlossen werden.

Einen positiven Nebeneffekt könnte Europa die Internationalisierung des Yuan bringen. Wertet der Yuan auf, erhöht dies die Exportchancen für europäische Unternehmen. Derzeit ist die Währung nicht frei handelbar. Chinesische Devisen können von Banken nur höchst umständlich gewechselt werden. Die Geldmenge, die via Handelsaktivitäten außer Landes gelangen darf, ist streng limitiert.

"Es wird auch weiterhin nicht allen Personen gestattet sein, Yuan in Fremdwährungen zu tauschen. Es gilt wohl nur in Verbindung mit Handelsaktivitäten", so Rehn im Handelsblatt. Doch der Weg in Richtung freier Konvertierbarkeit wurde mit der Vereinbarung eingeschlagen, so der Experte. Peking muss sein eigenes Devisensystem reformieren. Und wenn der Weg weit genug beschritten wird, da sind sich Experten einig, kann die Dominanz des Dollars geknackt werden. Zumindest kann der Yuan, "wenn er eines Tages frei konvertibel ist, die zweite Leitwährung werden", so Rehn.

Der lachende Dritte ist der Yuan allemal schon, beruht die "Stärke" des Euros und Dollars momentan auf der jeweiligen Schwäche des anderen.

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( Kurier ) Erstellt am 27.06.2012