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Würfelzucker: Wie eine heimische Erfindung die Welt eroberte

Vor 185 Jahren machte ein Fabrikant eine Erfindung, die bis heute zum Kaffee serviert wird. Der Würfelzucker machte Schluss mit Zuckerhüten – und prägte die Industrie.
Würfelzucker liegt auf einer Packung, weitere Stücke liegen verstreut auf blauem Hintergrund.

Im 19. Jahrhundert konnte es geradezu gefährlich sein, seinen Kaffee oder Tee mit Zucker zu süßen. Denn statt in handlichen Päckchen oder in Würfeln kam dieser damals in Form von steinharten Zuckerhüten in die heimischen Haushalte. Für den Kaffeeklatsch portioniert wurde er dann mit Werkzeugen wie Zuckerhammer, Zange oder Hacke. Das war nicht nur anstrengend und mühsam – es führte auch regelmäßig zu Verletzungen.

Genau das soll 1841 auch Juliane Rad passiert sein. Die Frau des Zuckerfabrikanten Jakob Christoph Rad verletzte sich an einem Augusttag beim Herausbrechen eines Stücks Zucker am Finger. Daraufhin soll sie sich bei ihrem Mann vorwurfsvoll-scherzend beschwert haben, dass dieser sich etwas einfallen lassen solle, damit das lästige Hacken des Zuckers ein Ende habe.

Sie schlug ihm die Würfelform vor, weil der Zucker so stückweise zu portionieren sei. Außerdem würde weniger Abfall anfallen als beim Herunterhacken vom Zuckerhut. Der Überlieferung zufolge machte sich ihr Mann daraufhin daran, eine praktischere Lösung zu finden.

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Zucker war vor allem in Form des sogenannten „Zuckerhuts“ üblich. Diesen gab es in unterschiedlichen Größen.

Der Zuckerfabrikant Rad wurde zum Erfinder

Ob sich die Geschichte damals tatsächlich exakt so zugetragen hat, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei belegen. Fest steht aber: Rad, der seit 1840 eine Zuckerfabrik im mährischen Datschitz (damals in Österreich, heute Dačice in Tschechien) leitete, erfand in Folge ein Produktionsverfahren für den Zuckerwürfel, wie wir ihn bis heute kennen.

Die Lösung war einfach und zugleich technisch raffiniert: Rad befeuchtete feinkristallinen Zucker (sogenanntes Zuckermehl) und füllte diesen dann in Metallformen, um ihn darin an einer Holzplatte zu Würfeln zu pressen. Anschließend mussten die kleinen Stücke zehn bis zwölf Stunden lang trocknen. Bereits nach wenigen Monaten soll Rad seiner Frau eine Kiste mit 350 weißen und rot eingefärbten Zuckerwürfeln überreicht haben.

Im Jahr 1843 war die Erfindung dann reif für den Markt und Rad erhielt für fünf Jahre ein kaiserliches Privileg (den Vorläufer eines modernen Patents) für seine Presse. Der neue Zucker wurde als „Thee-Zucker“ oder – wegen Rads enger Verbindung zur österreichischen Hauptstadt – als „Wiener Würfelzucker“ verkauft. Die ersten Pakete wogen 500 Gramm.

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Vor der Erfindung des praktischen Würfelzuckers mussten die, die ihren Kaffee oder Tee süßen wollten, den Zucker dafür mittels scharfer Werkzeuge vom Zuckerhut herunterhacken.

Der Erfolg ließ auf sich warten

Doch der Erfolg ließ zunächst auf sich warten. Der neue Zucker musste sich erst gegen jahrhundertealte Gewohnheiten durchsetzen. Hinzu kam die fehlende Vermarktung der praktischen Alltagserfindung. Nach fünf Jahren verlängerte Rad sein Patent.

Die Erfindung passte perfekt in die Zeit, in der sich die Zuckerindustrie grundlegend veränderte. Denn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Zucker zunehmend industriell hergestellt. Zudem setzte sich die heimische Zuckerrübe vermehrt gegen importierten Zucker aus Zuckerrohr vermehrt durch. Der Preis fiel und Zucker entwickelte sich zum Lebensmittel des täglichen Bedarfs.

Rad starb im Jahr 1871 in Wien. Obwohl seine Erfindung den Alltag nachhaltig verändert hatte, geriet Rad nach seinem Tod zunächst weitgehend in Vergessenheit. Erst viel später wurde wieder stärker an ihn als Erfinder des Würfelzuckers erinnert. In Dačice wurde 1983 ein Denkmal errichtet.

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Jakob Christoph Rad geriet nach seinem Tod als Erfinder des Würfelzuckers zunächst in Vergessenheit.

Von Österreich aus in die Welt

Der kleine Würfel hat sich seit seiner Erfindung erstaunlich gut gehalten. Die Herstellung ist heute zwar großteils automatisiert, funktioniert aber im Grunde noch gleich: Kristallzucker wird befeuchtet, in Quader gepresst und anschließend getrocknet.

Und während Zucker heute zunehmend kritisch gesehen und bewusster konsumiert wird, ist der Würfel noch immer ein vertrauter Begleiter von Kaffee und Tee. Und so wurde aus einer lästigen Hausarbeit im 19. Jahrhundert eine Erfindung, die sich fast 200 Jahre später noch in Küchen, Kaffee- und Teehäusern auf der ganzen Welt wiederfindet.

Auch den „Wiener Würfelzucker“ gibt es bis heute. Und zwar vom heimischen Lebensmittelkonzern Agrana, der 1988 gegründet wurde und seine Produkte als „Wiener Zucker“ vermarktet.

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Im Jahr 1834 erhielt Rad erstmals das kaiserliche Privileg (also den Vorläufer eines modernen Patents) für seine Würfelzuckerpresse.

Die Marke sei „seit Langem ein Synonym für höchste Qualität und verfügt über ein breites Portfolio vom Kristallzucker, über Backzucker, Sirupzucker, Staubzucker, Gelierzucker bis hin zum Würfelzucker“, so Martina Steinberger-Voracek, Geschäftsführerin der Agrana Zucker GmbH zum KURIER. Bis heute produziert das Unternehmen in seinem Werk in Tulln jedes Jahr zwischen 2.000 und 2.500 Tonnen „Wiener Würfelzucker“.

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