Millionenpleite eines bekannten Autozulieferers: 365 Jobs wackeln

++ ARCHIVBILD ++ WOLLSDORF LEDER MELDET INSOLVENZ AN - 365 DIENSTNEHMER BETROFFEN
Die Wollsdorf-Gruppe Leder ist spezialisiert auf die Produktion von Autoleder und ist Weltmarktführer bei Lenkrad-Lederbezügen. Die Produktion soll großteils nach Mexiko verlagert werden.

Der steirische Zulieferer Wollsdorf-Gruppe meldet Insolvenz an. Die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH sowie die Holdinggesellschaft Wollsdorf International GmbH haben einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht Graz eingereicht. Das bestätigen der AKV, Creditreform und der KSV1870 dem KURIER. Hintergrund seien "die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie". Insgesamt sind 365 Dienstnehmer und etwa 660 Gläubiger von den Pleiten betroffen. Bereits im November 2025 hatte Wollsdorf angekündigt, dass es 150 Mitarbeiter abbaut.

Die Wollsdorf-Gruppe Leder ist spezialisiert auf die Produktion von Autoleder und ist Weltmarktführer bei Lenkrad-Lederbezügen. Mehr als 60 Prozent der verarbeitenten Lederhäute diesen zur Herstellung von Lenbkrad-Bezügen. Außerdem wird Airbag-Leder, Instrumentafel-leder, Schaltknüppel-Leder sowie Sitz- und Türlederverkleidung hergestellt.

Negative Entwicklungen der Automobilzulieferindustrie

Laut den Insolvenzanträgen haben "die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie zuletzt Wollsdorf Leder schwer getroffen". "Erstmals ab September 2024 waren für die „Wollsdorf-Gruppe", die zu einem erheblichen Teil von „Produktabrufen" wesentlicher europäischer OEMs abhängig ist, Nachfragerückgänge erkennbar, die sich im weiteren Jahresverlauf zugespitzt haben. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Entwicklung der Konjunkturindikatoren im Automotive-Bereich in Deutschland wider. Zwar hat sich die Nachfragesituation im Geschäftsjahr 2025 erholt; das Umsatzniveau vor der Automotive Krise von 2024 konnte jedoch nicht mehr erreicht werden", heißt es im Insolvenzantrag.

"Die „Wollsdorf-Gruppe" konnte nicht sofort auf den plötzlichen Umsatzabfall reagieren, da laufende Fixkostenbelastungen nicht umgehend, sondern nur über einen Zeitraum von 6 Monaten abgebaut wer-den, was zu hohen laufenden Verlusten geführt hat", heißt es weiters

"Lieferengpässe hatten signifikante Auswirkung"

"Im Bemühen die Materialkosten zu senken, wurden mit den Lieferanten für Rohhäute neue Preise ausgehandelt und teilweise die Lieferanten auch gewechselt. Im März/April 2025 kam es zu Lieferengpässen aufgrund zahlreicher Fälle von Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei. Diese Lieferengpässe hatten signifikante Auswirkung auf die gelieferte Qualität der Rohhäute und weiterführend auf die Ausbringung in der Produktion. Die Materialeinsatzquote ist dadurch von geplant 44,8% auf 52% gestiegen, wodurch sich die Ergebnissituation für die Antragstellerin unerwartet weiter verschlechtert hat", heißt es im Antrag weiters.

Im Bemühen die Materialkosten zu senken, wurden mit den Lieferanten für Rohhäute neue Preise ausgehandelt und teilweise die Lieferanten auch gewechselt. Im März/April 2025 soll es zu Lieferengpässen aufgrund zahlreicher Fälle von Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei gekommen sein. Diese Lieferengpässe hätten signifikante Auswirkung auf die gelieferte Qualität der Rohhäute und weiterführend auf die Ausbringung in der Produktion. Die Materialeinsatzquote sei dadurch von geplant 44,8 Prozent auf 52 Prozent gestiegen, wodurch sich die Ergebnissituation für die Antragstellerin unerwartet weiter verschlechtert hat.

"Fälligstellung aller Finanzierungslinien durch die Banken"

"Die erwähnten Qualitätsprobleme konnten operativ nicht behoben werden, da die Qualitätssicherungsstandards im Werk in Österreich nicht im erforderlichen Umfang gewährleistet werden konnten. Eine den erwähnten Qualitätssicherungsstandards entsprechende, künftig gewinnbringende Produktion wäre nur im Rahmen einer Verlagerung des Produktionsstandorts nach Mexiko möglich", teilt das Unternehmen dem Gericht mit.

Und weiteres heißt es: "Als Folge der Auswirkungen der Krise im Automotive-Bereich für die Antragstellerin hat diese mit den sie finanzierenden Banken am 30.04.2025 eine Restrukturierungsvereinbarung abgeschlossen. Wie in derartigen Fällen üblich, hat diese Vereinbarung für wesentliche Umstrukturierungsmaßnahmen (u. a. für Pro-duktionsverlagerungen) eine Zustimmungsnotwendigkeit der Banken vorgesehen. Nachdem sich bei der Antragstellerin die unbedingte Notwendigkeit für eine zeitnahe Verlagerung der Produktion nach Mexiko ergeben hatte, wurden umgehend entsprechende Gespräche mit den Banken in die Wege geleitet. Da ein von den Banken in diesem Zusammenhang geforderter „Eigentümerbeitrag" nicht in der von den Banken gewünschten Form beigebracht werden konnte, sind diese Gespräche schlussendlich Ende Dezember 2025 (für die Antragstellerin unterwartet) gescheitert. Dies hatte eine Kündigung der erwähnten Restrukturierungsvereinbarung und eine Fälligstellung aller Finanzierungslinien durch die Banken zur Folge."

Schulden und Vermögen

Nach Angaben der Creditreform liegen die Aktiva der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH bei rund 10,58 Millionen Euro, die Passiva betragen im Liquidationsfall 26,7 Millionen. Euro, davon entfallen 12,31 Millionen Euro auf Banken, 2,54 Millionen Euro auf Lieferanten und 2,72 Millionen Euro entfallen auf verbundenen Unternehmen.

Bei der Holdinggesellschaft liegen die Aktiva (Liquidationswert) bei 320.000 Euro, die Passiva einen Buchwert in Höhe von 43,78 Millionen und die bereinigten Passiva liegen bei 32,21 Millionen Euro. Die freien Aktiva sind deshalb so gering, weil der Großteil der Buchwerte in Höhe von 19,58 Millionen Euro aus Beteiligungen an fünf Gesellschaften besteht und das Umlaufvermögen in Höhe von 9,94 Millionen Euro auf 288.919 Euro abgewertet werden musste.

Die Sanierungspläne

Beide Unternehmen bieten eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent zahlbar innerhalb von zwei Jahren an.

Die Finanzierung der Sanierungsplanquote der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH soll aus den Ergebnissen des operativen Betriebes und aus den Überschüssen aus der Verwertung der nicht mehr benötigten Vermögenswerte bzw. allenfalls durch geeignete Beiträge von dritter Seite erfolgen. Die Finanzierung und die Fortführung der Wollsdorf International GmbH soll aus den Erträgen der Veräußerung von Beteiligungen sowie aus Beiträgen aus der Gesellschaftersphäre erfolgen, so der Plan. "Die Produktion soll großteils nach Mexiko verlagert werden", heißt es im Insolvenzantrag der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH.

"Die zu bestellenden Insolvenzverwalter werden nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann", sagte Brigitte Peißl-Schickmair, Leiterin der Unternehmensinsolvenz des KSV in Graz.

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