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Wirtschaft
08/12/2019

Wo die Banken noch Geld verdienen

Neue Regeln verpflichten Banken zur Transparenz. Gebühren sind heuer kräftig gestiegen.

von Irmgard Kischko

Zinsen unter null und heftige Konkurrenz durch Internet-Banken machen den traditionellen Kreditinstituten seit längerem das Leben schwer. Dennoch verdienen die meisten von ihnen wieder blendend. Wie ist das möglich? Der KURIER hat die wichtigsten Fakten dazu zusammengestellt.

Krise überstanden
Die bitteren Verlustjahre in Folge der Finanzkrise 2008 sind vorüber. Die Banken hatten Milliarden von uneinbringlichen Krediten abschreiben müssen. Dieses Blatt hat sich inzwischen gewendet: Der Anteil der nicht einbringlichen Kredite ist kräftig gesunken. Die heimischen Banken konnten zum Teil sogar Kreditvorsorgen, die sie gebildet hatten, wieder auflösen, weil die Schuldner doch zahlten. Das hat die Gewinne im Vorjahr beflügelt.

Billiges EZB-Geld
Die Europäische Zentralbank hat zur Unterstützung der Wirtschaft extrem billige Finanzierungen zur Verfügung gestellt. Dieses Geld nutzen einige heimische Banken, um Kredite an Unternehmen zu vergeben und können damit ihre Gewinnspannen erhöhen.

Negative Zinsen
Grundsätzlich sind die Negativzinsen Gift für die Banken. Denn sie müssen Geld bei der EZB anlegen und dafür zahlen statt wie früher dafür Zinsen zu erhalten. 0,4 Prozent kostet die Einlage bei der EZB die Banken derzeit. Im Herbst könnte das nochmals teurer werden. Denn Analysten erwarten, dass die EZB die Zinsen noch weiter ins Minus drückt – auf 0,6 Prozent. Die Banken beginnen aber diese Negativzinsen an Kunden weiterzugeben. Kommerzielle Großanleger müssen also für ihre Einlage bei der Bank zahlen.

Kleinanleger in Österreich trifft das nicht. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofes schützt die Sparer vor Negativzinsen. Allerdings zahlen die Banken mittlerweile nur noch das Minimum von 0,01 Prozent auf Giroeinlagen.

Kontogebühren
Kontoführung kostet, die Tarife sind schwer vergleichbar und auch unübersichtlich. Für die Banken ist das eine wachsende Einnahmequelle. Ein Großteil der Banken hat heuer kräftig an der Preisschraube gedreht, stellte die Arbeiterkammer fest. Für Dominik Damm, Bankenberater bei Deloitte, ist das auch verständlich. „Banken erbringen eine Dienstleistung. Und die muss etwas kosten“, sagt er. Man gehe ja auch nicht zur Kfz-Werkstätte und erwarte, dass man dort gratis Motoröl bekomme, weil es schon im Lager stehe. Bankomatgebühren könnten also wieder ein Thema werden.

Kredite
Dank der tiefen Zinsen boomen die Kredite. Das ist gut für die Banken: Auch wenn ein Hypothekarkredit schon ab etwa einem Prozent Zinsen erhältlich ist, verdienen die Banken damit. Denn Spareinlagen bekommen sie fast gratis, EZB-Geld noch billiger. Zudem kommen auch bei Krediten diverse Spesen dazu: für Bonitätsprüfung, Vertragserrichtung, Besicherungspauschale. Wer eine schlechtere Bonität hat, steigt auch bei den Spesen schlechter aus.

Provisionen
Weil Sparbücher keine Zinsen mehr abwerfen, versuchen die Bankberater die Kunden für Wertpapier-Veranlagung zu begeistern. Aktien, Anleihen, Investmentfonds: Das kann höhere Renditen für die Anleger bringen, für die Banken ist es jedenfalls lukrativ. Sie verlangen Ausgabeaufschläge, jährliche Verwaltungsgebühren, Depotgebühren. Viele Kosten dieser Veranlagung waren bisher gut versteckt. Eine neue Vorschrift der Bankenaufsicht zwingt die Finanzinstitute aber zur Offenlegung. 3,5 bis fünf Prozent Ausgabeaufschlag für Investmentfonds plus 1,5 bis zwei Prozent Verwaltungsspesen findet der Kunde nun auf seiner Depotübersicht. Und diese Spesen sind heuer kräftig gestiegen.

Personalabbau
Das Drehen an der Spesenschraube allein reicht nicht immer aus, die Gewinne in die Höhe zu bringen. Die Banken drücken auch die Kosten. Sprich: Sie bauen Mitarbeiter ab.