Wirtschaft
03.09.2018

Wo 2023 die Fachkräfte fehlen werden

Wifo-Beschäftigungsprognose: Nachfrage nach höher Qualifizierten und Hilfskräften steigt, aber weniger Bürojobs

Das Konjunkturhoch lässt immer mehr Betriebe über einen scheinbar ausgetrockneten Arbeitsmarkt klagen. Laut jüngster Unternehmens-Befragung der Wirtschaftskammer (WKO) fehlen österreichweit 162.000 Fachkräfte. Am schwierigsten zu finden sind laut Fachkräfte-Radar Köche und Restaurantfachkräfte, IT-Experten, Tischler, Elektrotechniker, Kraftfahrer sowie Verkäufer. Die Zahl sei eine Momentaufnahme und dürfte nicht mit einer ökonomischen Personalknappheit verwechselt werden, meint WIFO-Arbeitsmarktexperte Helmut Mahringer.

Um nicht nur konjunkturellen, sondern auch strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt nachzuspüren, erstellte das WIFO im Auftrag der AMS eine mittelfristige Beschäftigungsprognose für Österreich bis 2023. Darin werden unter anderem die Auswirkungen auf Beruf, Qualifikation und Tätigkeiten festgestellt. Wichtigstes Ergebnis: Einen steigenden Arbeitskräftebedarf gibt es sowohl bei höheren Qualifikationen als auch bei Hilfskräften, während es bei den mittleren Qualifikationen eine „ambivalente Entwicklung“ geben wird.

Laut Prognose gibt es bis 2023 „überdurchschnittliche Wachstumsraten“ bei technischen Fachkräften, nicht akademischen Fachkräften sowie Dienstleistungsberufen. Aber auch die Nachfrage nach Geringqualifizierten bleibt hoch, bei den Dienstleistern ist sogar mit steigender Nachfrage zu rechnen. Mahringer verweist auf den Pflege- und Gesundheitssektor, hier insbesondere auf Assistenz- und Betreuungsberufe. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der zusätzlichen Jobs entstehen in Frauenbranchen, vielfach in Teilzeit.

Handwerk stagniert

Auch wenn im Handwerk derzeit viele Lehrstellen mangels Bewerber unbesetzt bleiben, so dürfte sich in den nächsten fünf Jahren die Personallücke nicht weiter verschärfen. Der Sektor weist ebenso ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum auf wie die Büroberufe. Bei den Bürokräften gilt: Je breiter und vielfältiger das Einsatzgebiet, desto gefragter am Arbeitsmarkt.

Nach Bundesländern betrachtet spielt die demografische Entwicklung bzw. der Arbeitskräftezuzug eine wichtige Rolle. Schon jetzt zeigen sich große regionale Unterschiede beim Fachkräftemangel. „Der Tourismus ist vor allem in jenen Regionen stark, wo es wenige Arbeitskräfte gibt“, erläutert Mahringer. In Wien, Niederösterreich und Burgenland konnten Arbeitskräfte aus Osteuropa die Personallücken stopfen. Der Zuzug aus Osteuropa lässt jedoch nach, weshalb auch hier die Zahl der offenen Stellen steigt.

Qualifikationen

Ende August waren beim AMS insgesamt knapp 80.000 offene Stellen gemeldet, um 28 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die meisten Jobs gibt es in Oberösterreich gefolgt von Niederösterreich, der Steiermark und Wien.

Interessant sind die geforderten Qualifikationen: Für 80 Prozent der Stellen reichen Pflichtschule oder Lehre als formale Voraussetzung aus, mehr als die Hälfte der Jobs sind für Arbeiter. Jede vierte offene Stelle wurde von einer Zeitarbeitsfirma gemeldet. Insgesamt werden dem AMS nach eigenen Berechnungen etwa 41 Prozent aller in Österreich verfügbaren freien Stellen gemeldet, wobei höhere Qualifikationen noch immer unterrepräsentiert sind.