Neue WKO-Chefin lobt und tadelt neue Regierungspläne
Seit Mittwoch hat die Österreichische Wirtschaftskammer (WKO) eine neue Chefin. Martha Schultz – ursprünglich Übergangslösung nach dem Abgang von Harald Mahrer – wurde von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer offiziell angelobt. Sie ist die erste Präsidentin in der Geschichte der WKO und nun für fünf Jahre gewählt.
Die Wahl erfolgte einstimmig. Das war für die Touristikerin eine Voraussetzung für ihre Kandidatur. Die zweite Bedingung war, dass die Führung des Tiroler Familienunternehmens Schultz Gruppe, das sie bis dato mit ihrem Bruder Georg leitete, geregelt sei. Beide Bedingungen wurden erfüllt.
Schultz hatte von Mahrer ebenso die Präsidentschaft im Wirtschaftsbund übernommen. Auch diese Position wird sie weiterhin ausüben. Der langjährige Generalsekretär Kurt Egger muss allerdings gehen. An seine Stelle kommt ÖVP-Energiesprecherin Tanja Graf.
VP-Energiesprecherin Tanja Graf wird Generalsekretärin.
Graf (50) ist seit 10 Jahren in der Wirtschaftskammer und im Wirtschaftsbund in verschiedenen Funktionen tätig. Sie ist in Wien geboren und lebt seit mehr als 20 Jahren in Salzburg, ist seit 18 Jahren selbständig und führt gemeinsam mit einem Geschäftspartner das Unternehmen 25 PersonaldienstleistungsgesmbH. Die Firma beschäftigt im Durchschnitt mehr als 800 Mitarbeiter und betreut österreichweit bis zu 70 Betriebe. Seit 2017 sitzt Graf für die ÖVP im Nationalrat.
Reformen
Für die WKO kündigte Schultz anlässlich ihrer Bestellung erneut Reformen an. Eine Reformgruppe habe bereits ihre Tätigkeit aufgenommen. Sie soll „Strukturen und Prozesse weiterentwickeln und die Wirtschaftskammer effizienter auf die Bedürfnisse der Betriebe ausrichten“, hieß es in einer Aussendung. „Ich will keine Zeit verlieren und werde gemeinsam mit den Fraktionen diesen Reformweg bestreiten“, versprach Schultz. „Ziel bleibt, erste Ergebnisse im Juni zu präsentieren.“
Kritik übte Schultz gestern an den Ergebnissen der Regierungsklausur. „Entbehrlich“ sieht sie die geplante Einführung einer Plastikabgabe auf nicht recycelbares Plastik. „Solche Maßnahmen dürfen nicht zur Belastungsfalle für Industrie und Handel werden – vor allem, weil die Regierung sich auf die Fahnen geheftet hat, Bürokratie abbauen zu wollen.“ Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten brauche es eine Gesamtstrategie, die Entlastung und ökologisches Ziel in Einklang bringe – nicht neue Kosten in der Wertschöpfungskette. Dasselbe gelte auch für die angekündigten Meldepflichten für den Handel. Hier versuche man, Symptome zu bekämpfen und nicht Ursachen, auf dem Rücken des Handels.
Noch-Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger.
Lob gab es hingegen für den geplanten günstigen Strompreis für die Industrie. „Für die wirtschaftliche Erholung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts ist ein günstiger Strompreis für die Industrie von zentraler Bedeutung.“
Auch die Ankündigungen für eine Senkung der Lohnnebenkosten bei entsprechender budgetärer Lage sowie ein weiteres Bürokratie-Abbaupaket bis Sommer 2026 stießen auf ihre Zustimmung.
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