© Pierre Lang

Wirtschaft
09/26/2012

Wirtschaftskrimi um Pierre Lang

Gegen den deutschen Eigentümer des Schmuckherstellers werden Vorwürfe laut. Es bleibt ein Scherbenhaufen.

von Anita Staudacher

leite statt Party: Gegen den Wiener Modeschmuckhersteller Pierre Lang wurde am Donnerstag ein gerichtliches Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Von der Insolvenz betroffen sind drei Firmen mit 280 Beschäftigten und 5000 freiberufliche Schmuckberaterinnen, die auf Schmuckpartys die in Wien erzeugten Produkte europaweit vertreiben.

Laut Kreditschutzverband von 1870 belaufen sich die Verbindlichkeiten der Firmen auf 45 Millionen Euro. Unter den 850 Gläubigern sind Banken mit fälligen Krediten und zahlreiche Beraterinnen mit ausstehenden Provisionen. Ihnen wird im Rahmen des Sanierungsplans eine Quote von 20 Prozent angeboten. Das Geschäft soll bis auf Weiteres fortgeführt werden.

Ermittlungen

Als Insolvenzursache gibt der deutsche Eigentümer, Direktvertriebsunternehmer Helmut Spikker, Umsatzrückgänge aufgrund "massiver Beraterfluktuation" an. Tatsächlich werden gegen Spikker und seinen Geschäftsführer Friedrich Gerdtoberens intern schwere Vorwürfe erhoben. Mitarbeiter berichten, Pierre Lang sei seit der Übernahme 2010 konsequent in den Ruin getrieben worden. Schon die Finanzierung des Deals sei fragwürdig gewesen. Unter anderem wurde die Marke Pierre Lang um 5 Millionen Euro verpfändet.

Nach mehreren Pleiten in Deutschland und der Schweiz ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster gegen Helmut Spikker und seine Unternehmensgruppe Network World Alliance (NWA) wegen mehrerer Delikte. Bei der Staatsanwaltschaft Wien liegen noch keine Anzeigen vor. Das Handelsgericht Wien setzte bereits vor Insolvenzeröffnung gerichtliche Verwalter ein, um die Bücher zu durchforsten. "Wir haben von den Vorwürfen auch schon gehört und werden uns die Geschäfte der Vergangenheit nun genau ansehen", sagt Insolvenzverwalterin Susi Pariasek zum KURIER. Erst nach der Durchsicht könne sie sagen, ob genug Mittel für den Sanierungsplan vorhanden seien. Wenn nicht, droht das endgültige Aus.

Zukunft

Die - noch zu bestellenden - Insolvenzverwalter werden umgehend prüfen, ob die Unternehmen fortgeführt werden können, wurde in der Pressemitteilung betont. Die Schuldnerunternehmen beabsichtigen demnach, eine Entschuldung über einen Sanierungsplan herbeizuführen. Die Sanierungsplanvorschläge lauten jeweils auf Bezahlung einer Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren ab Annahme der Sanierungspläne.

Modeschmuck: Seit 1962 Fertigung in Wien

Die Brüder Hans und Peter Andersen gründeten 1961 in Wien einen Handwerksbetrieb für exklusiven Modeschmuck. 1984 wurde daraus die Marke Pierre Lang, Seit 1991 gibt es einen Direktvertrieb, 2010 übernahm der deutsche Direktvertrieb NWA von Helmut Spikker.

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