WKO-Chefin „spart“ sich den Opernball
Gesellschaftliches Highlight und Treffpunkt zum Netzwerken: der Wiener Opernball.
26.000 Euro kostet eine Rangloge beim Opernball im heurigen Jahr, 500 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Das exklusive Society-Event ist teuer – und dennoch für viele Wirtschaftstreibende ein Fixtermin im Kalender. Sogar einer, zu dem man gerne einlädt.
Die Österreichische Nationalbank hat eine eigene Loge, ebenso die Bank Austria, Agrana, Raiffeisen, Swarovski, Casinos Austria und L’Oreal. Dream Advanced Technologies, die IT-Security-Firma von Sebastian Kurz, hat sich zwei Logen gesichert. Der Opernball war und ist eine gute Gelegenheit, Wirtschaftsbeziehungen hochleben zu lassen.
Von dieser Taktik nimmt die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) heuer allerdings Abstand. Auf Anfrage des KURIER, wie es um die traditionelle Loge der WKO bestellt ist, kommt eine Absage. Die WKO hat keine Loge, die neue Präsidentin Martha Schultz wird den Opernball auch nicht besuchen, so die knappe Auskunft. Mehr noch: Es wird überhaupt keinen offiziellen Besuch eines ranghohen WKO-Mitglieds beim Opernball geben. „Wir sparen ein“, erklärt die WKO. Mit dem Nachsatz: „Was nicht bedeutet, dass wir in Zukunft nie wieder auf den Opernball gehen werden. Aber heuer ist das für uns kein Thema.“ Schultz bleibt ihrer Linie treu, die WKO sanieren zu wollen.
Somit vermeidet sie auch ein Aufeinandertreffen mit dem Wiener Wirtschaftskammer-Chef Walter Ruck, der zuletzt unter anderem wegen Postenschacher-Vorwürfen in den Medien war (der KURIER hat berichtet). Das Verhältnis zwischen den beiden kann getrost als getrübt bezeichnet werden. Schultz kam auch nicht zum von Ruck ausgerichteten Ball der Wiener Wirtschaft.
Die Wiener Wirtschaftskammer lässt sich den Opernball jedenfalls nicht entgehen. Sie hat eine Loge im 1. Rang – direkt neben jener der Stadt Wien. Ein demonstratives Foto von Ruck und Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) wird sich also ausgehen. Zu Gast in Rucks Loge sind der Schweizer Bundesrat Albert Rösti und der Investor Peter Spuhler. Bürgermeister Ludwig hüllt sich über die Namen seiner Gäste noch in Schweigen.
Garanten für hochkarätige Gäste sind auch Wolfgang und Angelika Rosam mit ihrer Falstaff-Loge. Das Herausgeber-Ehepaar holt den prominenten Gastronomen Wolfgang Puck in die Oper. Puck hat österreichische Wurzeln, lebt in Los Angeles und bewirtet seit 30 Jahren den berühmten Governors Ball bei der Oscar-Verleihung. Auch sonst ist die Falstaff-Loge prominent besetzt: Die Mäzenin und Milliarden-Erbin Ingrid Flick, Biogena-Eigentümer Albert Schmidbauer, der Ex-US-Botschafter Trevor Traina (war auch schon in den vergangenen Jahren Gast bei den Rosams) und der amtierende Botschafter Indiens in Wien Shambhu Kumaran sind dabei. Falstaff verfolgt aktuell Expansionspläne und verhandelt gerade den Markteintritt von Falstaff in Indien.
In der Loge der Raiffeisen Niederösterreich-Wien wird Generaldirektor Michael Höllerer den Generaldirektor der Leipnik-Lundenburg Invest und den ÖFB-Chef Josef Pröll begrüßen. Ebenfalls unter den Gästen: der Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbands Bayern Stefan Müller sowie die Unternehmerin Bettina Breiteneder und Galeristin Lisa Kandlhofer.
Politisch kam eine hochrangige Absage: Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) kann wegen eines EU-Gipfels nicht dabei sein. Dafür kommen Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos). Und – natürlich – Bundespräsident Alexander Van der Bellen.
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