Den größten EPU-Boom gibt es bei den Dienstleistern, etwa im Pflegebereich.

© dpa/Uli Deck

Statistik Austria
11/28/2013

Österreichs Wirtschaft vereinsamt

Schon jedes zweite Unternehmen ist nur eine Person.

von Anita Staudacher

Österreichs Wirtschaft wird immer kleinteiliger. Während die Zahl der Großkonzerne relativ stabil bleibt, ist die Zahl der Klein- und Kleinstbetriebe in den vergangenen zehn Jahren um 35,4 Prozent gestiegen, geht aus der aktuellen Arbeitsstätten-Erhebung der Statistik Austria hervor.

Den größten Zuwachs verzeichnen Ein-Personen-Unternehmen (EPU). Schon knapp 53 Prozent aller Unternehmen‚ konkret 329.000, bestehen aus nur einer Person ohne Mitarbeiter. Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer sieht eine zunehmende Zweiteilung der Wirtschaft in „sehr viele, sehr kleine Unternehmen auf der einen Seite sowie auf der anderen Seite große Unternehmen, die für die Beschäftigung zentral sind“. Immerhin sind in nur 4,5 Prozent der Betriebe mehr als die Hälfte aller unselbstständigen Beschäftigten tätig. Der größte und nach wie vor stark wachsende Wirtschaftssektor ist die Dienstleistungsbranche, die 73 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt. Industrie und Gewerbe sowie die Landwirtschaft liegen weit abgeschlagen (siehe Grafik).

Den größten EPU-Boom gibt es naturgemäß bei den Dienstleistern, wo immer neue Berufsbilder entstehen. Die Wirtschaftskammer stellt die Miniaturisierung vor große Herausforderungen. Schon jetzt sind 55 Prozent oder 251.000 ihrer Mitglieder Einzelkämpfer, jährlich kommen fünf bis zehn Prozent dazu. Die Bedürfnisse von EPU sind höchst unterschiedlich. Die Palette reicht von gut 40.000 selbstständigen Personenbetreuerinnen in der 24-Stunden-Pflege, über mehr als 10.000 „VertreterInnen“ im Direktvertrieb bis zu Unternehmensberatern, IT-Experten und Finanzdienstleistern. Auffallend: Jeder dritte Einzelkämpfer ist zwischen 40 und 50 Jahre alt, jeder vierte schon über 50 Jahre.

Wissensökonomie

„Die Wirtschaft wandelt sich von einer industriellen Ökonomie hin zur Wissensökonomie, wo auch kleinste Unternehmen ihren Platz haben“, glaubt Elisabeth Zehetner, EPU-Beauftragte der Wirtschaftskammer. Durch den technologischen Fortschritt gäbe es auch mehr Möglichkeiten, als EPU tätig zu sein. Für viele über 50-Jährige sei es häufig die einzige Möglichkeit, im Erwerbsleben zu bleiben, gibt die Arbeiterkammer zu bedenken.

In puncto sozialer Absicherung konnte in den vergangenen Jahren einiges erreicht werden, sagt Zehetner. Von der nächsten Regierung fordert sie u. a. Verbesserungen beim Krankengeld und die steuerliche Absetzbarkeit von Arbeitsräumen in der eigenen Wohnung.

GmbH lights boomen

Laut KSV1870 wurden im Oktober 1193 GmbH gegründet, davon 986 „GmbH lights“. Das sind fast 83 Prozent. Nur 227 dieser neuen GmbH mit 10.000 Euro Stammkapital sind tatsächlich Startups. Das Gros, 759 „GmbH lights“, wurde von bestehenden Firmen und aktiven Unternehmern gegründet. Bloß zwei klassische GmbH haben ihr Kapital von 35.000 auf 10.000 Euro herabgesetzt. Der Grund: Eine Kapitalherabsetzung ist aufwendiger und teurer als die Neugründung einer GmbH light.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.