Die Orden sollen beim Verkauf der Mehrheit der Bank an die Grazer Wechselseitige über den Tisch gezogen worden sein, geben sich die restlichen Aktionäre überzeugt.

© /Stefan SCHRABMAYR

Klöster
01/23/2015

Wirbel um Verkauf der Kirchenbank

Minderheitsaktionäre halten Vertrag mit Grawe für "katastrophal" und prüfen Anfechtung.

von Irmgard Kischko

Gottes Segen bekommt dieser Deal sicher nicht: Der Verkauf der Mehrheit an der Kirchenbank Schelhammer & Schattera reißt tiefe Gräben unter den kirchlichen Aktionären auf. Von Schreiduellen unter Würdenträgern wird sogar berichtet.

Der Grund: Die Vertreter der Klöster, die noch Minderheitsanteile an der Bank halten, sind überzeugt, dass die Superiorenkonferenz der Männerorden, die ihre 53,8 Prozent der Bank an die Grazer Wechselseitige (Grawe) verkauft hat, über den Tisch gezogen worden sei. Und das schwäche auch die künftige Verkaufsposition der verbleibenden Aktionäre. "Der Vertrag mit der Grawe ist eine Katastrophe. Er muss neu verhandelt werden", betont ein internationaler Bankexperte, den sich die Kleinaktionäre als Berater geholt haben.

Das Stift Göttweig, mit 5,12 Prozent einer der größeren verbleibenden Eigentümer, soll für kommenden Donnerstag ein Treffen der Minderheitsaktionäre einberufen haben. Sie wollen gemeinsam verbesserte Vertragsbedingungen durchsetzen oder notfalls eine Neuaufrollung des Verkaufsverfahrens erzwingen. Ihr Trumpf: Wenn sie 25,1 Prozent des Anteils an der Bank vertreten, könnten sie der Grawe einiges abverlangen. Denn die Versicherung will durch weitere Zukäufe ihren Anteil an der Bank auf mehr als drei Viertel erhöhen. Nur dann kann sie nämlich die neue Tochter voll in den Konzern integrieren und auch finanzielle Vorteile verbuchen.

Angriffslustig

Mit ihrer Kritik zielen die Minderheitsaktionäre vor allem auf eine Person: Christian Kuhn, Rechtsanwalt der Superiorenkonferenz, Aufsichtsrat bei Schelhammer & Schattera und Chefverhandler für den Verkauf der Bank. Er soll für den heftig umstrittenen Vertrag verantwortlich sein.

Was die Kritiker besonders ärgert, sind Garantien des Verkäufers, die "weit über das übliche Ausmaß" hinausgehen sollen. Zudem werde den Minderheitsaktionären im Vertrag nicht garantiert, dass sie zum selben Preis verkaufen können wie der frühere Mehrheitsaktionär. Besonders absurd finden die Kritiker, dass die Grawe noch vor "Closing" des Deals einen Risikovorstand in die Bank setzen darf. Er würde – argwöhnen die Kleinaktionäre – wohl Kredite als riskant darstellen, damit noch Kaufpreisminderungen erzielt werden könnten. Rechtsanwalt Kuhn war für den KURIER nicht erreichbar.

Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz und stellvertretender Aufsichtsrat der Bank, zeigt sich höchst verwundert über die Kritik. "Es ist doch ganz klar, dass die Minderheitsaktionäre zu denselben Bedingungen verkaufen können wie wir. Das werden wir jedem einzelnen schriftlich mitteilen", sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

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