Windkraftanlage der Energie Burgenland in Neusiedl am See.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Wirtschaft
03/17/2021

Energiewende: "Wir sind darauf nicht vorbereitet"

Der bisherige E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer hält es für sehr unwahrscheinlich, dass Österreich seine Ziele für den Ausbau von erneuerbaren Energieträgern erreichen wird

von Andreas Anzenberger

Andreas Eigenbauer war fünf Jahre Vorstand der Energiekontrollbehörde E-Control. In diesem Monat ist sein Vertrag ausgelaufen. Eigenbauer hat an der Technischen Universität Wien Energietechnik studiert. Vor seiner Tätigkeit für die E-Control war er Leiter der Magistratsdirektion Strategische Energieangelegenheiten in Wien.

KURIER: Den Unternehmen fehlen für die Montage von Fotovoltaikanlagen die Handwerker. Wie sollen so die Ziele für die Energiewende erreicht werden?

Andreas Eigenbauer: Das Thema lautet, ist Struktur überhaupt reif für die Ausbauziele? Wenn man die Ausbauziele tatsächlich erreichen will, müsste man die Hälfte der Energieerzeugung in Österreich neu bauen. Das wäre mengenmäßig eine Revolution. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns das gelingt, hält sich in Grenzen. Die Ziele sind so hoch, dass wir nahezu Tag und Nacht Infrastruktur bauen müssten. So müssten jeden Tag mehr als 300 neue Ladepunkte für E-Autos errichtet werden.

Wir lassen uns zu viel Zeit?

Das Ziel bilanziell 100 Prozent erneuerbare Energieträger bis 2030 haben wir seit 2017. Vier Jahre später und vier Regierungen später haben wir immer noch kein entsprechendes Gesetz.

Werden wir weiter Strom aus nicht erneuerbaren Energieträgern wie Gaskraftwerken brauchen?

100 Prozent Erneuerbare sind ein statistischer Wert. Die Energiemenge, die übers Jahr erzeugt wird, entspricht dem Jahresverbrauch. Im Winter liefern erneuerbare Energieträger aber weniger Strom. Wir werden daher für die Versorgung auch Gaskraftwerke brauchen. Wir werden auch weiter im Winter Strom aus dem Ausland importieren müssen.

Viele wohnen in Mehrfamilienhäusern und haben derzeit weder in der Garage zu Hause noch an ihrem Arbeitsplatz die Möglichkeit ein E-Auto zu laden.

Das Klientel für E-Autos sind derzeit die Besitzer von Einfamilienhäusern oder Eigentumswohnungen. Man hat daher Bürgerbeteiligungsmodelle entwickelt, damit man aus der Eigentumsfrage rauskommt. Vielleicht muss man es auch bei den E-Autos so angehen und für die Stadt Car-Sharing-Modelle entwickeln.

Reicht die Kapazität der Leitungen, wenn man auch in den Garagen von Mehrfamilienhäusern Ladestationen baut?

Das ist das Problem des Verteilnetzes. Das Verteilnetz kann das derzeit schlicht und einfach nicht.

Es wird also nicht möglich sein, die vorgegebenen Ziele zu erfüllen.

Ich habe mal in einem Interview gesagt, wenn ein Techniker von ambitionierten Zielen spricht, dann meint er Ziele, die unmöglich zu erreichen sind. Wir sind nicht vorbereitet auf diesen Technologiesprung. Wir haben zu viel Zeit verstreichen lassen. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass wir die Produktionsziele für erneuerbare Energieträger erreichen. Dafür müssten wir die Ausbaurate um das Vierfache erhöhen.

Die Gesamtkosten der Energiewende betragen laut Ihren Schätzungen 45 Milliarden Euro. Allein 18 Milliarden kostet der Netzausbau. Wer soll das bezahlen?

Bei der Frage woher kommt das Geld, setzt man auf das bestehende System. Wenn ich jetzt zehn Milliarden Kilowattstunden aus erneuerbarer Energie mit 800 bis neunhundert Millionen Euro fördere, dann werden 250 Millionen Euro für die Förderung von 40 Milliarden Kilowattstunden wohl nicht ausreichen. Es wird spannend, wie man das erklärt.

Gibt es positive Beispiele?

Ich halte den Ansatz, für den man sich in Deutschland entschieden hat, für sinnvoll. Dort wird eine maximale Belastung für die Haushaltskunden politisch festgelegt und dann erfolgt die Finanzierung über den Spritpreis.

Wie sieht es auf EU-Ebene aus?

Es ist möglich, dass EU-Staaten mit einer dauerhaften Stromunterversorgung ihren Bedarf aus dem Ausland importieren. Das kann nicht jeder Mitgliedsstaat beliebig machen. Wir brauchen daher einen Versorgungsstandard, der sicherstellt, dass auch im Winter die Versorgung stattfinden kann und Versorgungssicherheit kein Importgut ist.

Von einer perfekten Planung ist nicht viel zu bemerken ...

Bisher sind viele Aspekte ungeklärt und brauchen einen geschlossenen Plan, bei dem einzelne Schritte zeitlich aufeinander abgestimmt sind. Zur Zeit ist so ein geordneter Übergang nicht erkennbar.

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